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St. Wendel
Fragezeichen hinter der Zukunft der Rallye

St. Wendel als Startort enttäuschte und steht in der Kritik. Sowohl Stimmung als auch Besucherzahlen blieben hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. So sah es am Donnerstag in der Fußgängerzone aus.
St. Wendel als Startort enttäuschte und steht in der Kritik. Sowohl Stimmung als auch Besucherzahlen blieben hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. So sah es am Donnerstag in der Fußgängerzone aus. FOTO: Melanie Mai
St. Wendel . Der Vertrag des ADAC München mit dem WM-Promoter ist mit der diesjährigen Deutschland-Rallye ausgelaufen. Ein neuer noch nicht abgeschlossen. Von Peter Wilhelm

Der Rallye-Tross ist abgereist, der Bostalsee gehört wieder den Einheimischen, den Urlaubern – und den Indianern, die am Wochenende ihr Powwow feiern. Wie aber geht es weiter mit der Rallye? „Wir haben die Rallye schon mal fest eingeplant im Jahreskalender 2019“, sagt St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU). Seine Stadt war in diesem Jahr erstmals Start- und Zielpunkt des WM-Laufs. Und wenn es nach dem Verwaltungschef geht, soll sie das auch 2019 sein. Die Wahrscheinlichkeit dafür bezifferte er auf „über 50 Prozent, vielleicht gegen 100 Prozent. St. Wendel ist bereit.“


Doch es gibt Fragezeichen. Hinter der Rallye insgesamt – und hinter St. Wendel als Start- und Zielort. Der Vertrag des ADAC München mit dem WM-Promoter ist mit der diesjährigen Rallye nämlich ausgelaufen, ein neuer noch nicht abgeschlossen. Und ohne diesen Vertrag gibt es keinen Platz im WM-Kalender. Das Problem ist wie so oft: das Geld. Der Promoter fordert eine größere Summe vom ADAC, der hat aber eine Schmerzgrenze. Beide Seiten pokern.

Was die Sache heikel macht: Mit Japan und Chile gibt es zwei Bewerber, die Schlange stehen, um in den WM-Kalender aufgenommen zu werden. Da die Weltmeisterschaft aber nur um eine Rallye aufgestockt werden soll, müsste ein bestehender Lauf über die Klinge springen. Nicht wenige fürchten: Es wird eine Rallye in Europa treffen. Korsika oder Deutschland. Das Problem von Deutschland: Korsika dürfte Rückendeckung von Jean Todt haben, dem Präsidenten des Automobil-Weltverbandes Fia. Und: Die Medienpräsenz und Vermarktung in Deutschland läuft eher mäßig. Seit Jahren schon fehlt der Deutschland-Rallye etwa ein zug- und finanzkräftiger Namenssponsor.



Dennoch hofft man beim ADAC in München, in den kommenden drei bis vier Wochen einen neuen Vertrag mit dem WM-Promoter abzuschließen. „Deutschland ist ein Automobil-Land – und da gehört auch ein Lauf der Rallye-WM dazu“, sagt ADAC-Sprecher Kay-Oliver Langendorff. Die 2018er Auflage der Rallye sieht er dabei als gute Bewerbungs-Unterlage. „Das war eine rundum gelungene Sache. Mit vielen tollen und disziplinierten Zuschauer und ohne größere Zwischenfälle.“

Auch Rallye-Leiter Friedhelm Kissel gibt sich optimistisch: „Am Wochenende fand bei uns das Treffen aller Organisatoren von WM-Läufen und möglicher zukünftiger Läufe statt. Da haben wir viel Lob bekommen. Und auch der Promoter ist an einem neuen Vertrag für Deutschland interessiert – das hat er erkennen lassen.“

Doch nicht alles lief dieses Jahr wirklich perfekt. Vor allem St. Wendel als Startort enttäuschte und steht in der Kritik. Sowohl die Besucherzahlen als auch die Stimmung am Donnerstag beim Showstart auf dem St. Wendeler Schlossplatz blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: Nach den Großstädten Trier, Köln und Saarbrücken konnte St. Wendel von der Atmosphäre her nicht mithalten. Und der Zuschauer-Rundkurs im Wendelinuspark lockte zwar immerhin gut 11 000 Zuschauer an, wurde von vielen Fahrern aber als „nicht WM-tauglich“ eingestuft. „Diese Wertungsprüfung hat nicht viel Spaß gemacht. Fürchterlich langsam. Die wirkliche Rallye startet erst morgen“, moserte etwa Weltmeister Sebastién Ogier. Noch drastischer äußerte sich der spätere Sieger Ott Tänak: „Schrecklich. Viel zu eng für diese Autos. Ich hatte noch nie so eine schlechte Wertungsprüfung.“ Auch viele Fans hätten lieber den Stadtrundkurs gesehen als die Strecke am Wendelinuspark.

Die Kritik sei angekommen, heißt es beim ADAC. Die Streckenführung müsse man sich noch mal ansehen. „Das machen wir jedes Jahr. Jedes Mal nehmen wir neue Prüfungen herein, andere heraus“, sagt Kissel. Dass man in St. Wendel räumlich eingeengt gewesen sei, habe man vorher gewusst und in Kauf genommen. „St. Wendel hat generell einen Stein im Brett. Die Stadt ist uns sehr entgegen gekommen und hat sich stark engagiert. Wir haben uns willkommen gefühlt“, sagt der Rallye-Leiter. Eine Zusage für nächstes Jahr will er aber nicht geben. Natürlich schaue man sich im Land um. Auch eine Rückkehr nach Saarbrücken sei denkbar. Oder ein Start am Weltkulturerbe in Völklingen. Die endgültige Entscheidung, ob die Deutschland-Rallye ihren WM-Status behält, erfolgt am 12. Oktober beim Fia-Weltrat in Paris. „Was das Thema Wertungsprüfungen angeht, haben wir dann bis Januar Zeit“, sagt Kissel.