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Zauberer mit Format statt Hokuspokus

Alberto Del Negro alias Trabuk in Aktion: Ab heute fungiert der Zauberer als Juror beim 16. St. Wendeler Wettbewerb. Foto: Georg Lauer
Alberto Del Negro alias Trabuk in Aktion: Ab heute fungiert der Zauberer als Juror beim 16. St. Wendeler Wettbewerb. Foto: Georg Lauer FOTO: Georg Lauer
St Wendel. 16 Magier zeigen ab dem heutigen Freitag in der St. Wendeler Altstadt ihr Können. Kritisch beäugt werden ihre Shows unter anderem von Kollege Trabuk. Der Sieger des 16. Zauberfestivals wird am Samstag gekürt. Evelyn Schneider

Wie es ist, seine Show nicht nur vor Publikum, sondern auch für die kritischen Augen der Jury zu präsentieren - das weiß Alberto Del Negro genau. Und noch eines kennt der Italiener mit dem Künstlernamen Trabuk aus Erfahrung: Das Gefühl, zu gewinnen. Denn gleich bei seiner ersten Teilnahme am St. Wendeler Straßenzauberer-Wettbewerb wurde er zum Sieger gekürt. Das war 2010.



Dieses Mal wechselt Trabuk die Seite. Wird nun als Jury-Mitglied seine Kollegen bewerten. Auch darin hat er schon Erfahrung. "Es ist entspannter, in der Jury zu sein. Das ist besser für einen Italiener", scherzt Trabuk beim Besuch in der St. Wendeler Redaktion. Am heutigen Freitag beginnt das dreitägige Zauberfestival und damit auch der Wettbewerb. Nach der Begrüßung der Akteure auf dem Schlossplatz (14 Uhr) wird es ernst: Die Magier starten ihre Shows an drei Aktionsflächen in der Altstadt: Schlossplatz, Fruchtmarkt, Balduinstraße. Die sechsköpfige Jury teilt sich auf. In Zweiergruppen beziehen sie an einer der Aktionsflächen Position. Ein Vorteil, wie Trabuk findet. "Es ist gut in St. Wendel , dass die Zauberer drei Chancen haben, um ihre Show zu zeigen: in verschiedenen Situationen mit verschiedenen Zuschauern." Originalität der Vorführung, Zaubergehalt, Technik - das sind drei der Aspekte, auf die die Wertungsrichter achten. "Das Wichtigste für mich, ist die Beziehung, die ein Magier zum Publikum aufbaut", verrät Trabuk. Seine Kollegen wiederum mögen andere Prioritäten setzen. Daher schätzt er den Austausch im Jury-Team. Die letztliche Entscheidung sei immer schwierig. "Ich hoffe, es sind gute Zauberer dabei."

Diese Hoffnung teilt Festival-Leiter Georg Lauer. Aus etwa 100 Bewerbungen hat er 16 Teilnehmer für den Wettbewerb ausgesucht. Kein leichtes Unterfangen. "Zunächst schaue ich auf die Herkunftsländer, denn ich möchte eine gewisse Vielfalt", erklärt Lauer. Gerne engagiert er Zauberer , die echte Typen sind und mehr zeigen als die üblichen Tricks. Den Festivalbesuchern sollen verschiedene Facetten der Zauberei präsentiert werden. Im Internet schaut sich Lauer daher die Shows der möglichen Kandidaten an, informiert sich bei Menschen aus den jeweiligen Ländern. Wichtig sei ihm auch eine Mischung aus Stammgästen und Neulingen.

Trabuk hat St. Wendel ("eine elegante Stadt") und das Festival zunächst als Besucher kennen gelernt. Seine Karriere als Zauberer begann vor neun Jahren. Damals war er 33 Jahre. Angefangen hat alles mit einem Buch über die Geschichte der Magie , das er gelesen hat. Aktuell schreibt er selbst ein Zauberbuch, das an ein Märchen erinnere. Es erzählt von einem Kind und einem älteren Mann. Letzterer lehrt das Kind einige Tricks. Einen solchen Mentor hatte der Italiener nicht. Er hat sich die Tricks selbst beigebracht und zunächst seiner Familie sowie Freunden vorgeführt, ehe es auf die Straße ging. Der Start sei schwierig gewesen. Inzwischen ist er regelmäßig bei Wettbewerben dabei oder fungiert als Juror. "Im Sommer gibt es nur die Magie ", sagt er. Im Winter kehre er teilweise in seinen alten Beruf zurück. Bis vor fünf Jahren arbeitete der heute 42-Jährige als Baumkletterer.

In 18 Ländern ist Trabuk bereits aufgetreten. Das Publikum sei immer anders. Als schwierigster Auftritt ist ihm der in Korea im Gedächtnis geblieben. Dort habe er darauf achten müssen, immer Abstand zu seinen koreanischen Zauber-Gästen zu halten. Eine Umarmung, gar ein Küsschen sei da undenkbar gewesen. Die Utensilien, die der Italiener für seine Show braucht, passen in eine Tasche. Das ist ihm wichtig. "Um eine richtig gute Show zu entwickeln, braucht es schon mal ein paar Jahre", so der 42-Jährige. Jahr um Jahr verändert er sein Programm, ergänzt neue Tricks. Ein gewisses Kerngerüst aber bleibt. "Die Leute brauchen einen guten Zauberer , keine guten Tricks."

Zum Thema:

Auf einen Blick Das St. Wendeler Zauberfestival samt Wettbewerb beginnt am heutigen Freitag. Ab 14 Uhr werden auf dem Schlossplatz alle Magier vorgestellt, dann beginnen die Shows in der Altstadt (bis 23 Uhr). Es gibt drei Aktionsflächen: Schlossplatz, Fruchtmarkt, Balduinstraße. Samstag, 6. August: Gezaubert wird von 10 bis 18 Uhr. Um 20 Uhr beginnt die Zauber-Gala auf dem Schlossplatz. Hier werden die Sieger des Wettbewerbs verkündet. Sonntag, 7. August: Familien-Zauberfest von 12 bis 19 Uhr. Veranstalter ist die Kreisstadt St. Wendel . Die Teilnehmer: Albi (Liechtenstein), Braidon Morris, Chris Brandes, Christoph Engels, Mario Richter, Sideshow Charlatans, Tobi van Deisner (alle Deutschland), Daniel Burley (Südafrika), Diogo Alvarez (Brasilien), Flash Gonzales (Chile), Flip Mattia (Italien), Kamimaro, Naoko (beide Japan), Sam Sebastian (Slowenien), Ted McKoy (Schottland), Vittorio Marino (Italien). Die Jury: Chris Schäfer (Deggendorf), Dany Masutti (Sarmede, Italien), Eberhard Riese (Stuttgart), Günther Bruyneel (Antwerpen, Belgien), Martin Mathias (St. Wendel ), Trabuk (Cuneo, Italien). red

Zum Thema:

Hintergrund Wegen der "Magischen Nacht", der Gala des Zauberfestivals auf dem Schlossplatz, kommt es zu Sperrungen. Darauf weist die Stadt St. Wendel hin. Am Samstag werden die Bahnhofstraße sowie die Wendalinusstraße im Bereich zwischen den Straßen Zur Mott und Carl-Cetto-Straße von 18 bis 24 Uhr gesperrt. Umleitungen sind eingerichtet über: Parkstraße, Goethestraße, Schillerstraße, Beethovenstraße, Gymnasialstraße und Carl-Cetto-Straße. Je nach Besucherzuspruch könnte auch am Sonntag, 14 bis 19 Uhr gesperrt werden. Gesperrt ist ab Freitag, 12 Uhr, bis Sonntag der Parkplatz an der Wendalinusstraße 2, zwischen Stadtkirche und Gasthaus Palme, sowie am Sonntag ab 12 Uhr die Balduinstraße ab ehemaligem Brauereihaus. Die Citygarage ist geöffnet: Freitag und Samstag, jeweils von 6.30 bis 24 Uhr; Sonntag, 11 bis 22 Uhr. red