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Weihnachtsmarkt
Wo Drachen und Zwerge Weihnachten feiern

Mittelaltermarkt-Herold und Wegelberer Kalibo mit seinem isländischen (Handpuppen-)Drachenkind Eldur und einem kleinen Marktbesucher. Anders als Fangdorn spuckt Eldur noch kein Feuer.
Mittelaltermarkt-Herold und Wegelberer Kalibo mit seinem isländischen (Handpuppen-)Drachenkind Eldur und einem kleinen Marktbesucher. Anders als Fangdorn spuckt Eldur noch kein Feuer. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Seit Samstag ist die St. Wendeler Innenstadt nicht nur weihnachtlich gestimmt, sie ist auch wieder im Mittelalter angekommen.

Für viele Menschen ist der Advent die schönste Zeit des Jahres. Deutschlandweit werben Städte mit unzähligen Weihnachtsmärkten um die Gunst der Besucher – auch die Kreisstadt St. Wendel. Hier, im Südwesten der Republik, ist man aber schon lange weg vom Budenzauber-Einheitsbrei. Vielmehr wird den Gästen der Eintritt in zwei Welten mit unterschiedlicher Atmosphäre und Stimmung gewährt. Hier schlängelt sich der Weihnachtsmarkt mit seinen Häuschen durch die Gassen der Altstadt, dort erfolgt der Schritt rückwärts in Zeiten des mittelalterlichen Lagerlebens und der Handwerkskunst. Eine Kombination, die passt, ankommt und anzieht.


Das vorweihnachtliche Geschehen ist am Samstag gerade erst angelaufen, da stehen schon 22 Reisebusse auf dem Platz am Bosenbachstadion. Mehr als 20 Schwaben aus Esslingen treffen mit dem Zug am Bahnhof ein. Die Kreisstadt füllt sich rasend schnell. „Ich bin überwältigt, wie viele Besucher schon am ersten Tag St. Wendel besuchen“, schwärmt Peter Klär, Truchsess (Stadthalter) zu St. Wendel. So bezeichnet der Mittelaltermarkt-Herold und Wegelaberer Kalibo den St. Wendeler Bürgermeister. Er ist nun wieder für mehr als eine Woche Sprachrohr und Zauberer in dem mittelalterlichen Mummenschanz. Tag für Tag wird er mit seinem neuen isländischen Drachenkind Eldur die Menschenmenge bespaßen. „Eldur ist 234 Jahre alt, er ist noch in der Pubertät und ich bin froh, dass der noch kein Feuer speit“, erklärt Kalibo. Anders Drache Fangdorn. Zwei Mal am Tag öffnet das Fantasy-Theater in der Mott und zeigt das zehn Meter lange und mehr als drei Meter hohe fossile Ungeheuer der Mythologie. Drache Fangdorn wacht über den Schatz der Elfen und versendet feurige Abendgrüße.

Dagegen klein und niedlich ist die Welt im Zwergenwald an der Stadtmauer, der schon seit 20 Jahren immer im Advent zum Leben erwacht. In die 162 aufgestellten Weihnachtshäuschen des Budenstädtchens – nochmal zehn mehr als im Vorjahr – sind die temporären Mieter eingezogen. Dort stellen beispielsweise 20 kleinwüchsige Fabelwesen die Kulisse des früher vom Urweiler Männergesangverein organisierten Waldfestes nach.



Die Markthändler bieten indes ausgefallenes Kunsthandwerk, regionale Delikatessen und kreative Bastelartikel als Geschenkideen feil. Am Nachmittag sind die Gassen mit internationalen Besuchern dicht bevölkert und die Kreisstadt befindet sich bei eisigen Temperaturen im Glühweintaumel. Die Karawane mit den Weisen aus dem Morgenland dreht zur blauen Stunde ihre Runde, wobei eines der Kamele lahmt. St. Wendel leuchtet, die Rückansicht des Rathauses läuft blaufarben an und wünscht in großen Buchstaben eine „Schöne Adventszeit“.

Insgesamt sind acht Kilometer Kabel für die Lichterketten verlegt worden. „Das ist eine Strecke von hier bis Oberthal“, stellt Stadthalter Klär auf der Bühne am Kugelbrunnen fest. Auch außen um die Kreisstadt läuft am Samstag alles rund. „Der Verkehr fließt gut. Unser Konzept mit einem Streifenwagen, der immer unterwegs ist, bewährt sich“, sagt Ralf Kartes, stellvertretender Leiter der St. Wendeler Polizeiinspektion.

Mit dem Tavernenspiel verabschieden sich Kalibo, die Spielleute und Gaukler der Gruppen Ranunculus und Rebule in den Feierabend. „Nach St. Wendel muss man eigentlich zwei Mal kommen. Einmal um das Angebot an den vielen schönen Ständen zu sehen, und einmal nur um die Stimmung zu genießen“, meint Besucherin Erika Baum aus Erpolzheim nahe Bad Dürkheim, die gegen 20.15 Uhr in den Reisebus an der evangelischen Stadtkirche einsteigt. Binnen Minuten machen sich elf Reiseunternehmen vom Bosenbachplatz aus auf den Heimweg in Richtung Südwestdeutschland, Belgien und Luxemburg. Nachtwächter Ortwin Englert sperrt schließlich den Markt ab.