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Wie weiblich kann die Kirche sein?

Das Gesangbuch der deutschsprachigen Katholiken, das „Gotteslob“, ist komplett überarbeitet worden. Foto: Friso Gentsch/dpa
Das Gesangbuch der deutschsprachigen Katholiken, das „Gotteslob“, ist komplett überarbeitet worden. Foto: Friso Gentsch/dpa FOTO: Friso Gentsch/dpa
St Wendel. Vieles hat sich verändert im neuen Gotteslob. Ob auf dem Einband oder im Innern trägt es zum Teil auch eine weibliche Handschrift. Das Gebetbuch aus Perspektive der Frau ist Thema einer Veranstaltung. Evelyn Schneider

Papst, Bischöfe, Priester - die Würdenträger in der katholischen Kirche sind allesamt männlich. Ein ganz anderes Bild bei den Protestanten, wo weibliche Pfarrer zur Tagesordnung gehören. Pastoralreferentin Monika Leidinger spricht daher von einer gewissen "Rückständigkeit in Bezug auf die Frau" bei den Katholiken. Statt Klagen setzt sie als Frau auf Selbstbewusstsein. "Wir sind die Kirche, wir stehen in der Verantwortung und müssen entscheiden, was wir mit uns machen lassen. Es kommt auf uns an." Zur Zeit Jesu habe eine Frau nicht das Recht gehabt, Zeugnis abzulegen. Und doch habe sich Christus eine Frau als Zeuge seiner Auferstehung ausgewählt. Die Rolle der Frau in der Bibel ist eine interessante. Doch wie sieht es eigentlich in Bezug aufs Gotteslob aus?



Diese Frage haben sich auch Monika Leidinger, Rosemarie Schmidt, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), Ursula Fried vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) und weitere Mitstreiterinnen gestellt. Und so ist die Idee zu einem besonderen Abend im St. Wendeler Cusanushaus entstanden. Dort geht es am Freitag, 2. September, 19.30 Uhr, um das "neue Gotteslob aus der Perspektive der Frau".

1975 war erstmals für alle deutschsprachigen Bistümer ein gemeinsames Gebetbuch herausgegeben worden. Nach 40 Jahren wurde das Buch im vergangenen Jahr flächendeckend im Dekanat St. Wendel durch das neue Gotteslob ersetzt. "Es gibt jetzt moderne Lieder und Gebete , die der modernen Sprache entsprechen", sagt Rosemarie Schmidt. Aber nicht nur moderner ist das Buch geworden. Monika Leidinger sieht einen weiteren Vorteil: "Es ist nicht nur ein Buch für den Gottesdienst, sondern auch für Zuhause, für eigene Gebete ." Diese behandeln verschiedene lebensnahe Themen wie beispielsweise Arbeitslosigkeit. Noch etwas fällt auf, wenn man sich näher mit dem Buch beschäftigt. "Es haben viele Frauen mitgewirkt", sagt Rosemarie Schmidt. Und damit sind nicht nur die Texte gemeint. Bereits der Einband trägt die Handschrift einer Frau: Künstlerin Monika Bartholomé aus Köln hat das Logo geschaffen, das aus drei geschwungenen Linien besteht. Dreifaltigkeit, Kreuz, drei Wege, die sich in einer Mitte treffen - es bleibt Raum zur Interpretation.

Um die Entstehung, Aufbau und Sprache des neuen Gotteslobes im Vergleich zum alten geht es auch am Freitag, 2. September. Der St. Wendeler Dekanatskantor Stefan Klemm hält zu dem Thema einen Vortrag. Im Anschluss daran stellt Monika Leidinger das Gebetbuch aus Sicht der Frau vor. "Wir haben entdeckt, dass viele Texte, die uns spontan angesprochen haben, auch von Frauen verfasst wurden", so die Pastoralreferentin. Ein Text zum Beispiel gebe einen neuen Blick auf Maria. Sie werde nicht mehr als Jungfrau und Königin bezeichnet, sondern als Schwester. Außerdem ginge die Darstellung in dem Buch weg vom typisch männlichen Gott. Jetzt habe er auch weibliche Züge. Es heißt an einer Stelle: "Gott, der du bist Vater und Mutter."

Nach etwa einer Stunde geht es rüber in die Kirche zur Liturgischen Feier. Dabei sollen alle Sinne angesprochen werden, so die Pastoralreferentin. So ist unter anderem ein meditativer Tanz mit bunten Tüchern geplant. Kantor Klemm spielt verschiedene neue Lieder. Auch die Gebete an diesem Abend stammen ausschließlich aus dem Gotteslob.

Eine Gleichstellung von Mann und Frau in der katholischen Kirche? Wenn es nach den in der Kirche engagierten Frauen geht, muss der Weg dahin führen. Als erster Schritt wünscht sich Rosemarie Schmidt das Amt der Diakonin samt Weihe wie bei den männlichen Kollegen. Das Amt gilt als Vorstufe zum Priester. Könnte es irgendwann in der Zukunft auch Frauen geben, die Messen zelebrieren? "Wir gehen kleine Schritte, aber wir gehen sie", sagt Monika Leidinger. Es gehe nicht um eine Revolution in der Kirche, sondern um eine Reform, betont Schmidt. "Das weiche Wasser bricht den Stein", merkt Ursula Fried an.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die KDFB St. Wendel und die kfd Dekanat St. Wendel laden zusammen mit Pastoralreferentin Monika Leidinger zur Veranstaltung "Das neue Gotteslob aus der Perspektive der Frauen". Treffpunkt ist am Freitag, 2. September, 19.30 Uhr, zunächst das Cusanushaus. Dort beschäftigt sich Dekanatskantor Stefan Klemm zunächst mit Aufbau und Sprache des neuen Gebetbuchs im Vergleich zum alten. Anschließend spricht Monika Leidinger über das Werk aus Sicht der Frau. Gegen 20.30 Uhr geht es rüber in die Kirche zur Liturgischen Feier. Gebete und Lieder aus dem Gotteslob stehen auf dem Programm. Außerdem ist ein meditativer Tanz geplant. evy