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Schwarmfinanzierung
Wenn ein Schwarm Ideen wahr werden lässt

Auf der Crowdfunding-Plattform unserevolksbank.viele-schaffen-mehr.de können Vereine ihre gemeinnützigen Projekt einstellen und ausführlich beschreiben, wofür das Geld gebraucht wird.
Auf der Crowdfunding-Plattform unserevolksbank.viele-schaffen-mehr.de können Vereine ihre gemeinnützigen Projekt einstellen und ausführlich beschreiben, wofür das Geld gebraucht wird. FOTO: Thorsten Grim
St. Wendel. Die St. Wendeler Volksbank hat eine Crowdfunding-Plattform zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte freigeschaltet. Von Thorsten Grim

() Eine Torwand für den Sportverein. Eine Lichtanlage für die Theatergruppe. Ein neues Klettergerüst für den Kindergarten. Das sind alles Anschaffungen, die Geld kosten – und die Vereine oder Einrichtungen oftmals nicht finanzieren können. Was also tun? Das Projekt gutheißen, aber aufgrund des finanziellen Engpasses dennoch sterben lassen? Das muss nicht sein. Denn seit Anfang der Woche hat die Volksbank St. Wendeler Land im Internet eine Crowdfunding-Plattform freigeschaltet.



Crowdfunding kann man mit Schwarmfinanzierung übersetzen. Davon spricht man, „wenn sich viele Menschen zusammenschließen und mit ihrer Unterstützung dazu beitragen, dass etwas Großes entsteht.“ Das erklärt Marketingleiter Mike Recktenwald beim Vorstellungstermin der nach seinen Angaben ersten Online-Plattform für regionale Projekte im St. Wendeler Land. Auf den Weg gebracht wurde die Plattform in Kooperation mit dem saarländischen Landessportverband und dem Bundesmodellprojekt Land(auf)Schwung Landkreis St. Wendel. Beide unterstützen das Projekt inhaltlich und kommunikativ.

Auf der Online-Plattform unserevolksbank.viele-schaffen-mehr.de können soziale, karitative, kulturelle und öffentliche Einrichtungen, Initiativen oder Vereine aus der Region ihre Projektideen präsentieren – etwa eingangs beschriebene Torwand für den Sportverein. Voraussetzung dafür ist die Gemeinnützigkeit der Initiative. Die Finanzierung selbst ist dann in drei Phasen unterteilt. Zuerst beschreiben die Vereine oder Initiativen ihr jeweiliges Projekt auf der Plattform und legen die Summe fest, die sie einzunehmen anstreben. In der zweiwöchigen Startphase müssen zunächst ausreichend Fans gewonnen werden, die das Projekt gut finden – und das mit einem Klick belegen. Je mehr Geld eingesammelt werden soll, desto mehr Fans sind notwendig.

Wenn es gelungen ist, entsprechend viele Menschen für eine Idee zu begeistern, wird das Projekt für die Finanzierungsphase freigeschaltet. Für diese Phase sind drei Monate angesetzt. In denen müssen die Initiatoren eines Projekts genügend Spender finden, um das im Vorfeld festgelegte Finanzziel zu erreichen. Ist das gelungen, beginnt die Umsetzung. Über die Plattform erfahren die Unterstützer, wie es mit dem Projekt vorangeht. Wurde das zuvor festgelegte Ziel in der dreimonatigen Finanzierungsphase nicht erreicht, bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück. „Was wir uns aber nicht wünschen, denn das macht uns zusätzliche Arbeit“, sagt scherzhaft Helmut Brandt, der gemeinsam mit Mike Recktenwald das Projekt leitet.

Die Volksbank in St. Wendel ist nicht die erste, die eine Crowdfunding-Plattform für regionale Projekte freischaltet. Eine ähnliche Internetseite gibt es beispielsweise bereits in Saarbrücken. Auch in manchen Regionen in Rheinland-Pfalz habe man seit 2013 erste Erfahrungen sammeln können. „90 bis 95 Prozent der Projekte, das zeigt eine Erhebung in Rheinland-Pfalz, sind erfolgreich. Davon sind 60 bis 70 Prozent sogar überfinanziert“, berichtet Recktenwald. Überfinanziert meint, dass mehr Geld eingesammelt wurde, als zunächst angepeilt. Daher empfiehlt der Volksbank-Marketingleiter „einen Plan B“, was mit dem zusätzlich eingesammelten Geld gemacht werden soll.

Bei der offiziellen Inbetriebnahme der Plattform stellten die Beteiligten auch gleich die ersten beiden Projekte vor, die sich um Spendengelder bemühen. Zum einen ist das der Musikverein Hirstein, der sich seit 110 Jahren in vielfältiger Art und Weise für die Dorfgemeinschaft engagiert. Nun sollen die Sanitäranlagen am Vereinsheim saniert werden, was auch der Gesamtbevölkerung zugute kommen soll. Denn das Musikheim mit Festplatz bietet regelmäßig Platz für Feste, wie die Kirmes oder den Weihnachtsmarkt.

Zweiter Spendengeld-Sammler ist die Gruppe „First-Responder Freisen“. Das sind ehrenamtliche Helfer, die bei medizinischen Notfällen schnelle erste Hilfe leisten und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagen sinnvoll verkürzen. Die Helfer brauchen eine neue Schutzausrüstung, wofür sie 5000 Euro benötigen. Diese Summe strebt auch der Musikverein Hirstein an. Beide Vereine haben das Glück, dass die Volksbank einen mit 15 000 Euro gefüllten Anschub-Topf bereitgestellt hat. Das bedeute, so Brandt, dass jede Spende ab fünf Euro, die eingeht, von der Bank verdoppelt wird.