Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 21:27 Uhr

Bilanz
Wenn das Wild springt, kracht es regelmäßig

Erneut ist die Zahl der Wildunfälle im Landkreis St. Wendel gestiegen.
Erneut ist die Zahl der Wildunfälle im Landkreis St. Wendel gestiegen. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
St. Wendel. Die Zahl der Zusammenstöße mit Wild ist 2017 erneut gestiegen. Insgesamt weist die Polizei-Statistik mehr Unfälle im Landkreis St.Wendel aus. Von Evelyn Schneider

Wie heißt es so schön: Des Deutschen liebstes Kind ist das Auto. Und das der Saarländer erst recht. Doch keiner scheint es mehr zu lieben als die Menschen im St. Wendeler Land. Diesen Eindruck könnte zumindest der Betrachter der Verkehrsunfallstatistik des Jahres 2017 gewinnen. Dort ist nämlich auch die Zahl der zugelassenen Wagen im Saarland insgesamt sowie die der einzelnen Landkreise erfasst. Im vergangenen Jahr bewegten sich demnach 738 769 Fahrzeuge auf den Straßen. 72 788 davon sind im Landkreis St. Wendel zugelassen, der damit Platz eins im Saarland einnimmt, gefolgt vom Landkreis Merzig-Wadern. „Es sind also die eher ländlichen Regionen, in denen besonders viele Autos genutzt werden“, sagt St. Wendels Polizeichef Martin Walter. Das wiederum hat auch Einfluss auf die Verkehrssicherheit. „Wo viele Fahrzeuge unterwegs sind, ergeben sich viele Gelegenheiten für Unfälle“, fasst Polizeihauptkommissar Albert Feidt zusammen.

Kurven, Säulendiagramme, Ausschnitte von Landkarten – die Verkehrsunfallstatistik beinhaltet verschiedene Aspekte. Ist Jahr um Jahr ein umfangreiches Zahlenwerk. Saarlandweit wurden im vergangenen Jahr 34 862 Unfälle registriert. Knapp zehn Prozent davon haben sich im Landkreis St. Wendel ereignet: 3425. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 2774 Unfälle, 2016 schon 3163. „Seit 2014 steigen die Zahlen kontinuierlich“, erläutert Walter. Und nicht nur die reinen Zusammenstöße nehmen zu. Es gibt auch mehr Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr. 2017 starben im Landkreis St. Wendel sechs Menschen (je einer in der Kreisstadt St. Wendel sowie in den Gemeinden Marpingen und Nohfelden, drei in der Gemeinde Nonnweiler). „Die Zahlen schwanken in der Regel zwischen zwei und sechs“, erläutert der St. Wendeler Polizei-Chef. Einen traurigen Spitzenwert gab es 2013 mit acht Toten.

Bei insgesamt 314 Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden, kamen 329 mit leichten Verletzungen davon, 108 Schwerverletzte verzeichnet die Statistik. Rein rechnerisch wirken die Zahlen auf den ersten Blick unlogisch. Doch die Erklärung ist ganz einfach: Die Zahlen kommen zustande, da oft mehrere Insassen in einem Wagen unterwegs sind und verletzt werden.

Meist sind Autos an Unfällen mit verletzten Personen beteiligt (230), gefolgt von Zweirädern (32) und Radfahrern (24). Hauptursache für Zusammenstöße ist nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit (25,2 Prozent der Unfälle) gefolgt von zu geringem Abstand (12,4 Prozent) und missachteter Vorfahrt (12,1 Prozent). In letzterem Fall, so erläutert Walter, könnte baulich etwas getan werden, wenn der Polizei anhand der Statistik Stellen mit erhöhten Umfallaufkommen auffallen.

„Abstand zum Vordermann zu halten, das hat etwas mit dem Verhalten der Fahrer zu tun, und kann nur schwer beeinflusst werden“, so der Inspektionsleiter. Was das zu schnelle Fahren betrifft bliebe nur die Überwachung samt Sanktionen. Eine Strecke, auf der gerne Mal das Gaspedal durchgedrückt wird, ist die B 41. Albert Feidt berichtet von zwei aktuellen Verkehrsmessungen an zwei Positionen entlang der Bundesstraße. „Dabei wurden lediglich die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge erfasst“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Gemessener Spitzenwert: 190 Kilometer pro Stunde.

Raserei, das wird gerne mal mit jungen Autofahrern in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen am häufigsten in Unfälle verwickelt (53), unmittelbar gefolgt von Personen zwischen 45 und 54 Jahren (42 Unfälle).

Was die leichten Verkehrsunfälle betrifft, die meist aus Unachtsamkeit passieren, so gibt es auch hier eine Tendenz nach oben. Waren es 2010 noch 2469 Parkrempler und ähnliches, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 2841 gestiegen.

Auf den ersten Blick erfreulich gering ist die Zahl der Unfälle, die unter Einfluss von Drogen und Alkohol verursacht wurden: 43. Doch Martin Walter relativiert: „Wahrscheinlich ist die Zahl höher, doch in der Statistik wird nur die Hauptursache erfasst.“ Das bedeutet, ist ein Autofahrer deutlich zu schnell unterwegs, weil er getrunken hat oder berauscht ist, wird der von ihm verursachte Unfall unter „erhöhter Geschwindigkeit“ verbucht. Denn dies war der unmittelbare Grund für den Zusammenstoß.

Große Sorgen bereitet der St. Wendeler Polizei ein hoher Wert in der Statistik. Dieser weist unter dem Stichwort „Wildunfälle“ für 2017 die Zahl 1147 aus. Das ist ein erneuter Anstieg gegenüber 2016. Damals waren Wildschweine, Rehe und Co. an 951 Unfällen beteiligt. Martin Walter appelliert im SZ-Gespräch an die Autofahrer, in der Morgen- und Abenddämmerung in bewaldeten Gebieten sorgsam unterwegs zu sein, das heißt: Runter vom Gas, bremsbereit sein und nach links und rechts schauen. Im Landkreis St. Wendel gibt es verschiedene Strecken, die durch die Häufigkeit an Wildunfällen auffallen. So wurden in den Jahren 2015 bis 2017 auf der B 41 zwischen St. Wendel und Pinsweiler 101 Zusammenstöße mit Wild registriert. Auch bei Bliesen gibt es regen Wildwechsel. Auf der L 134 zwischen St. Wendel und Bliesen zählte die Polizei innerhalb der drei Jahre 36 Wildunfälle. Genauso viele waren es auf der L 133 zwischen Bliesen und Winterbach.

Und so ist der St. Wendeler Polizeichef dann auch froh um jede Bemühung, diese Zahlen zu senken. Kürzlich wurden auf der Strecke zwischen St. Wendel und Werschweiler zwei neue LED-Schilder aufgestellt. Fährt ein Wagen darauf zu, blinken das Wildwechsel-Symbol und das Wort Achtung auf (wir berichteten). Verkehrssicherheit, so sagt Walter, sei immer ein Zusammenspiel mehrerer Zuständiger. So arbeiten in der Unfallkommission Vertreter des Landesbetriebs für Straßenbau, der Straßenverkehrsbehörden, der Ordnungsämter der Kommunen und der Polizei zusammen. Für die St. Wendeler Wache übernehmen diese Aufgabe Vize-Inspektionschef Ralf Kartes und Polizeihauptkommissar Albert Feidt.

15WND-Verkehrsunfälle
15WND-Verkehrsunfälle FOTO: SZ / Steffen, Michael