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Wachsamer Blick aufs Weihnachtsdorf 

Ein Hinweisschild an einer Laterne weist auf dem Weihnachtsmarkt auf einen Fluchtweg hin.
Ein Hinweisschild an einer Laterne weist auf dem Weihnachtsmarkt auf einen Fluchtweg hin. FOTO: Josef Bonenberger B&K
St. Wendel. Wenn der St. Wendeler Weihnachtsmarkt am 9. Dezember startet, greift ein erweitertes Sicherheitskonzept. Von Evelyn Schneider

Die mächtige Tanne vor dem Dom steht bereits, das Lager für die Heiligen Drei Könige samt Kamelen ist aufgeschlagen. Es dauert nicht mehr lange, dann erfüllt wieder der Duft von Zimt und Glühwein die Gassen. Denn am Samstag, 9. Dezember, beginnt der St. Wendeler Weihnachtsmarkt. Über die neun Tage, in denen an etwa 160 Buden Leckereien und Kreatives angeboten wird, rechnet der St. Wendeler Polizeichef Martin Walter mit 200 000 Besuchern. Und für deren Sicherheit gibt es ein eigens entwickeltes Konzept. Dabei arbeiten Stadt, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und private Sicherheitsfirmen zusammen.


Dieses Konzept ist erprobt, lief bereits im vergangenen Jahr quasi wenig auffällig im Hintergrund ab. Nach dem Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr zogen Veranstalter und Polizei ein positives Fazit. Hatten doch 250 000 Besucher friedlich das Programm und die vorweihnachtliche Atmosphäre genossen. Knapp acht Tage später wollten sich auch die Menschen in Berlin am Abend einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gönnen, als ein Sattelzug in die Menge fuhr. Dabei starben elf Menschen, 55 wurden teils schwerst verletzt. Es war ein Anschlag. Nicht der erste und nicht der letzte, bei dem ein Fahrzeug als Waffe eingesetzt wurde. Nach den Eindrücken in der Bundeshauptstadt hatte St. Wendel beim Fastnachtsumzug erstmals mobile Barrieren positioniert, um so zu verhindern, dass jemand in die Menge rast. Fahrzeuge der Feuerwehr und des St. Wendeler Bauhofs parkten an markanten Punkten. Für Martin Walter, der sich zusammen mit den Verantwortlichen der Stadt damals gegen Betonblöcke als Schutz entschieden hatte, bieten Fahrzeuge entscheidende Vorteile „Sie verbreiten keine Angst, sind, wenn nötig, schnell wegzubewegen und haben dennoch einen Schutzfaktor.“

Auf den werden die Verantwortlichen dieses Mal auch beim Weihnachtsmarkt setzen. Ein Fahrzeug soll auf der Straße nahe des Saalbaus in Richtung Balduinstraße Position beziehen.  Alle übrigen Punkte, so erläutert der Polizeirat, seien ohnehin abgesichert oder schwierig zu erreichen. Als Beispiele nennt er den Schlossplatz, den Poller und Ketten an der Straßenseite umgeben sowie die Mott, auf die ein Auto nicht mit Tempo zusteuern könnte.



Zum Bild des Weihnachtsmarktes gehören auch Schilder. Diese weisen auf die Fluchtwege hin. Außerdem gibt es zwei auf ein Meter große Übersichtstafeln, die Orientierung bieten und auf die Sammelstelle im Stadtpark hinweisen. Sollte die Polizei gezwungen sein, das Fest zu evakuieren, sei die Leitung der Menschen das wichtigste. Daher sind auf dem Marktgelände an mehreren Punkten Megafone hinterlegt. Da auch US-Amerikaner, Franzosen oder Luxemburger den St. Wendeler Weihnachtsmarkt besuchen, wurden die deutschen Beamten in den zurückliegenden Jahren jeweils von Kollegen aus diesen Ländern unterstützt. An den Wochenenden liefen die Polizisten gemeinsam Streife. Martin Walter hofft, dass diese Kooperation einmal mehr zustande kommt. Denn den ausländischen Gästen vermittle es ein gutes Gefühl, wenn ein Muttersprachler Auskunft geben kann.

Seit 2015 gibt es bei der St. Wendeler Polizei einen Einsatzleiter Weihnachtsmarkt. Das ist jeweils der Dienstgruppenleiter. Er hat drei Teams an seiner Seite: Verkehrspolizei, Präsenzstreife und wenn nötig Kriminalbeamte. „Wir werden konsequent auf dem Markt Präsenz zeigen“, betont Martin Walter. Neben Beamten in zivil und Kontaktpolizist Karl-Heinz Fischer seien Streifenteams unterwegs. Sie sollen, so der Polizei-Chef, ein Auge auf typische Marktdelikte wie Taschendiebstahl haben, als Ansprechpartner zur Verfügung stehen oder auch verlorene Kinder oder Senioren wieder zu ihren Familien zurückbringen. In Uniform und mit Signalweste sind die Polizisten in der Besuchermenge gut zu erkennen. Ihre Ausrüstung entspricht dem Standard. „Sie werden nicht mit Maschinenpistolen unterwegs sein“, sagt Walter. Ein landesweites Konzept habe sich bewusst dagegen entschieden. In anderen Bundesländern, beispielsweise Rheinland-Pfalz, sei dies anders. „Wir sind sensibel und wachsam“, sagt Walter. „Aber mit einer gewissen Zurückhaltung, damit die vorweihnachtliche Stimmung nicht zerstört wird.“

Chef der St. Wendeler 
Polizeiinspektion, Polizeirat Martin Walter.
Chef der St. Wendeler Polizeiinspektion, Polizeirat Martin Walter. FOTO: Feller / Feller/Polizei