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Jahresrückblick
Von Ufos und anderen Überfliegern

Frühe Weihnachten: Bei den Mountainbike-Rennen in Freisen gibt’s schon Mitte September Bescherung.
Frühe Weihnachten: Bei den Mountainbike-Rennen in Freisen gibt’s schon Mitte September Bescherung. FOTO: Jannik Scheer
Das Sportjahr 2017 brachte uns viele interessante Erkenntnisse. Ein Rückblick auf zwölf bewegte und bewegende Monate.

Wahnsinn, wie schnell das Jahr an uns vorbeigeflogen ist. Und wenn wir jetzt – so auf der Zielgeraden – in den Rückspiegel schauen, stellen wir fest: Ja, es war nicht immer leicht. Und ja – es gab böse Rückschläge. Aber unterm Strich war es für die Sportler aus dem Kreis eigentlich ein ziemlich gutes Jahr. Mit wirklich erstaunlichen Ereignissen. Im Mai etwa sorgte sogar ein Ufo für Schlagzeilen. Ganz real. Die AH-Fußballer der SG Ufo (Urweiler-Freisen-Oberthal) landen nämlich im dritten Jahr ihres Bestehens ihren dritten Titelgewinn – und schweben auf Wolke sieben. Eine wahrlich galaktische Bilanz.


Was wir abgesehen von der Existenz von Ufos 2017 sonst noch so lernen? Zum Beispiel das: Nicht immer, wenn es auf einem Fußballplatz hoch hergeht, ist tatsächlich auch ein Fußball der Grund. Das zeigen uns jedenfalls die Footballer der neu gegründeten South-West Wolves. Ab Ostern fliegen die Eier im St. Wendeler Sportzentrum, zum ersten Spiel kommen 800 Zuschauer, später kaum weniger. Zahlen, von denen viele Fußballvereine der Region nur träumen können.

Eine weitere Erkenntnis dieses Jahres: Es gibt Tage, nach denen ist tatsächlich nichts mehr so wie vorher – nicht mal mehr eine Meisterschale. Die Fußballer der SF Winterbach lassen es jedenfalls nach ihrem Titelgewinn in der Kreisliga A so richtig krachen. Die Saison war makellos, doch die Meisterfeier hinterlässt Spuren – nicht nur bei den Spielern. „Die Schale ist nicht ganz so schlimm beschädigt wie der Pokal damals bei Real Madrid. Aber ein paar Kratzer hat sie leider abbekommen“, erzählt Trainer Thorsten Kunz. Die Real-Spieler hatten den Pott vom Bus fallen lassen. Besser als die Silberschale hatten die Winterbacher übrigens die gegnerischen Stürmer unter Kontrolle. Nur 14 Gegentore in 28 Spielen – das waren die wenigsten aller aufstiegsberechtigten Teams im Saarland.



Auch die Jungs der SG Marpingen-Urexweiler drehen 2017 ganz schön auf. Erst entscheidet die Mannschaft von Trainer Oliver Braue ein spannendes Titelrennen in der Landesliga für sich, dann marschiert sie als Aufsteiger in der Verbandsliga gleich wieder an die Spitze und geht als Herbstmeister in die Winterpause. Auch die SG Dirmingen-Berschweiler jubelt. Das Team von Spielertrainer Patrick Beia setzt sich in der Bezirksliga knapp gegen den TuS Nohfelden durch. Und auch die SG Gronig-Oberthal darf 2017 endlich jubeln. Nach mehreren vergeblichen Anläufen schafft sie die Rückkehr in die Bezirksliga.

Die Nummer eins im Fußball bleibt allerdings der VfL Primstal. Der schon seit Jahren stetig anhaltende Aufwärtstrend setzt sich auch 2017 fort, die Mannschaft etabliert sich als Top-Team der Saarlandliga. Den Titel verspielt sie erst ganz am Schluss, in einem echten Endspiel vor 3000 Zuschauer gegen den FV Eppelborn. Die 0:2-Niederlage sorgt zunächst für einen Knick. In der Relegation der Tabellenzweiten um den Oberliga-Aufstieg ist Primstal chancenlos, auch in der neuen Saison tut sich das Team zunächst schwer. Doch dann schaffen Trainer Andreas Caryot und seine Jungs die Wende. Mit einer Aufholjagd arbeitet sich der VfL wieder bis auf sechs Punkte an den Tabellendritten Herrensohr heran.

Von solchen Positionen kann der SV Hasborn derzeit nur träumen. Schon die erste Jahreshälfte ist nicht einfach, am Saisonende springt Platz zwölf heraus. Im Sommer soll dann alles besser werden. Doch schon in der Vorbereitung knirscht es. Zwar kommt mit Lukas Biehl der ersehnte Torjäger, doch mit Kapitän Thomas Holz und Urgestein Karsten Rauber gehen auch zwei Schlüsselspieler. Für Trainer Mathäus Gornik wird es eine schmerzhafte Saison. Erst holt er sich bei einem Zweikampf eine blutige Nase und fällt mit Nasenbeinbruch aus – dann folgt ein echter Nackenschlag: Es ist ja fast schon so etwas wie ein Naturgesetz, dass der SV Hasborn keine Trainer entlässt. Seit mehr als 25 Jahren hat es das nicht mehr gegeben. Doch 2017 zeigt uns, dass auch Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden können. Nach der 1:2-Niederlage im Derby in Primstal und dem Abrutschen auf den vorletzten Tabellenplatz trennt sich der Verein von seinem Übungsleiter.

Was uns das Jahr 2017 außerdem lehrt? Zum Beispiel das: Wenn Frauen mal in Fahrt sind, sind sie nicht mehr zu stoppen. Nicht mal von einem Stau. Das jedenfalls stellen die Kegel-Damen der KF Oberthal unter Beweis. Trotz Problemen bei der Anfahrt zum Finale in Lünen werden sie im Februar zum vierten Mal in Folge deutscher Meister. Das hat vor ihnen noch kein anderes Damen-Team geschafft. Weil der Mannschaft-Bus im Stau steht und nicht rechtzeitig ankommt, stellt die Mannschaft um. Katja Ricken, die nicht im Bus mitgereist war, startet und überbrückt die Zeit, bis die anderen kommen – und gewinnen. Die Männer lassen sich danach auch nicht lange bitten und feiern ihre insgesamt 20. deutsche Meisterschaft. Souverän holt sich das Team nach einem Jahr den „ausgeliehenen“ Titel von Holten-Duisburg zurück. KF-Kegler Christian Junk darf wenig später gemeinsam mit Vereinskollegin Yvonne Ruch sogar bei der „WM dahemm“ in Oberthal ran – und beide räumen richtig ab. Ruch wird sogar Weltmeisterin im Einzel und holt – wie auch Junk – Gold mit der Mannschaft.

Auch die Volleyballerinnen des SSC Freisen sind nicht zu stoppen. Als Spitzenreiter der Regionalliga sind die 2017 so gut wie nie und haben derzeit beste Aussichten, erstmals in die 3. Liga aufzusteigen. Dort, wo die Männer des TV Bliesen bereits länger spielen – und auch dieses Jahr wieder für spektakuläre Spiele sorgen.

Doch nicht alles läuft so glücklich. Auch das müssen wir 2017 leider feststellen. Wir lernen auch die Schattenseiten des Sports kennen. Beim Supermoto-Rennen in St. Wendel verunglückt Philipp Prestel im Mai so schwer, dass er wenige Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen erliegt. Es ist die traurigste Nachricht des Jahres im regionalen Sport. Die ganze Szene steht unter Schock.

Gott sei Dank überwiegen im abgelaufenen Jahr aber die positiven Dinge. Die Billardspieler des BC St. Wendel etwa mischen munter an der Spitze der 2. Liga mit. Die Handballer der HSG Nordsaar beenden im Mai die Saison als starker Dritter. Die Damen der HSG Marpingen-Alsweiler schaffen es nach einem schwierigen ersten Halbjahr zumindest in der neuen Saison, die Kräfteverhältnisse im Saarland gerade zu rücken. Zum Jahresende gibt es einen 19:10-Erfolg im Derby beim Erzrivalen Püttlingen. Mit Tabellenplatz vier in der Oberliga ist die Mannschaft von Trainer Jürgen Hartz bestes Saar-Team.

Auch andere feiern große Erfolge: Radsportler Sascha Weber fährt bei der Radcross-WM auf Platz zehn – und ist damit bester Deutscher. Im Tennis macht der Marpinger Simon Junk mit dem Gewinn der Saarlandmeisterschaft und der deutschen Jugendmeisterschaft von sich reden. Katharina Hobgarski aus Haupersweilerin startet Ende August sogar erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier, den US Open in New York. Auch wenn sie in der Qualifikation scheitert, ist das ein Meilenstein. Im August kehrt die Rallye-WM nach zehn Jahren zurück in den Kreis. Drei Tage sorgen die besten Drifter und Lenker der Welt für Spektakel rund um den Bostalsee. Am Start ist auch Marian Griebel – und er ist schnell. Zu schnell sogar. Der Lokalmatador aus dem rheinland-pfälzischen Hahnweiler, im Hauptberuf Polizist, geht zwischen zwei Wertungsprüfungen seinen saarländischen Kollegen in die Radarfalle. Elf km/h kosten 300 Euro. Pech hat auch Bernhard Grissmer. Der Leichtathlet des TV St. Wendel gewinnt bei der Hallen-WM der Senioren in Daegu (Südkorea) Gold mit der deutschen 4x200-Meter-Staffel – und verliert es wieder. Ein Läufer soll die Bahnbegrenzung übertreten haben. Es bleibt ihm aber Bronze über die 60 Meter, seine Frau holt Silber und Bronze im Hammerwurf und mit der Staffel. Ein starkes Jahr.

Was uns 2018 nun so alles an unglaublichen Ereignissen und Erkenntnissen bringen wird? Wir sind gespannt. Auf ein gutes Neues.

Ein Rudel Wölfe im Anmarsch: Die Footballer der South West Wolves feiern ihre Premiere im Liga-Spielbetrieb. 800 Zuschauer kommen zum ersten Spiel ins Sportzentrum St. Wendel.
Ein Rudel Wölfe im Anmarsch: Die Footballer der South West Wolves feiern ihre Premiere im Liga-Spielbetrieb. 800 Zuschauer kommen zum ersten Spiel ins Sportzentrum St. Wendel. FOTO: Bonenberger Klos / Bonenberger
Viel Freude in Freisen: Die Volleyballlerinnen des SSC spielen die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte.
Viel Freude in Freisen: Die Volleyballlerinnen des SSC spielen die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. FOTO: B&K / Bonenberger/
REL 24.05.17 SV Holz-Wahlschied (sw) - TuS Nohfelden (blau)_Im Bild (v.l.): Die Spieler des TuS Nohfelden bejubeln den Sieg._Foto: Kerosino
REL 24.05.17 SV Holz-Wahlschied (sw) - TuS Nohfelden (blau)_Im Bild (v.l.): Die Spieler des TuS Nohfelden bejubeln den Sieg._Foto: Kerosino FOTO: Kerosino / Achim Thiel
Kurve gekriegt: Nach zehn Jahren Pause gehen die weltbesten Rallye-Piloten wieder rund um den Bostalsee an den Start. Rund 220 000 Besucher lockt das Spektakel an. Nicht alle Anwohner aber freuen sich darüber.
Kurve gekriegt: Nach zehn Jahren Pause gehen die weltbesten Rallye-Piloten wieder rund um den Bostalsee an den Start. Rund 220 000 Besucher lockt das Spektakel an. Nicht alle Anwohner aber freuen sich darüber. FOTO: ADAC
Schlammschlacht: Sascha Weber fährt bei der Radcross-WM auf Platz zehn.
Schlammschlacht: Sascha Weber fährt bei der Radcross-WM auf Platz zehn. FOTO: Augenklick/Roth / Roth/Augenklick
Saubere Sache: Hans-Günter Klein vom PZSV St. Wendel wird in Heiligenwald Saarlandmeister der Springreiter. Anschließend gibt’s ein Bad im Wassergraben.
Saubere Sache: Hans-Günter Klein vom PZSV St. Wendel wird in Heiligenwald Saarlandmeister der Springreiter. Anschließend gibt’s ein Bad im Wassergraben. FOTO: Christina Schneider