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Musik
Vom Traum, einmal mit Queen zu singen

Julian Rolinger (Zweiter von rechts) mit seinen 21 Octayne-Bandkollegen beim Videodreh in Los Angeles.
Julian Rolinger (Zweiter von rechts) mit seinen 21 Octayne-Bandkollegen beim Videodreh in Los Angeles. FOTO: Julian Rolinger
St. Wendel. Sänger Julian Rolinger machte sein Hobby zum Beruf. Mit der Band 21 Octayne hat der 21-Jährige noch viel vor. Von Evelyn Schneider

„Für dich beginnt ein neues Leben“. An diesen Satz kann sich Julian Rolinger noch ganz genau erinnern. Es war der Moment, in dem sich der Schritt, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, endgültig vollzog. Jener Moment, der die Musik in den Mittelpunkt rückte. „Du bist jetzt Mitglied bei 21 Octayne“, sagte die Stimme am Telefon. Sie gehörte dem Gitarristen der Formation, Marco Wriedt. Das war im Juli 2016.


Dann ging alles ganz schnell. Online verkündete die 2011 gegründete Band den Namen des neuen Sängers. „Es gab positive und negative Reaktionen“, erinnert sich Julian Rolinger beim Besuch in der St. Wendeler Redaktion. Bereits im Spätsommer folgte die Feuertaufe auf der Bühne: der erste Auftritt vor 300 bis 400 Zuhörern. „Ich habe mich gefragt: Wie werden wohl die Fans reagieren?“ Trotz Nervosität lief alles gut. Kurz darauf ging es auf Tournee als Supportband der Heavy-Metal-Formation Pretty Maids. „Ich wurde damals quasi ins kalte Wasser geworfen“, sagt der 21-jährige Furschweiler. „Heute bin ich froh darüber.“

Neben den Auftritten ging es auch gleich ans Schreiben eigener Lieder. Im vergangenen Herbst veröffentlichte 21 Octayne die Single „Addicted to thrill“. „Die Arbeit an unserem nächsten Album ist, was das Schreiben betrifft, gerade abgeschlossen“, verrät der Sänger. Bevor es auf den Markt kommt, stünden noch die Veröffentlichungen einiger Singles an. Wie beispielsweise „Neo“, dessen Text Rolinger verfasste. Das Lied beziehungsweise dessen Videodreh führte den Saarländer Ende Januar nach Los Angeles (USA). Da die Band zu diesem Zeitpunkt anlässlich der Musikmesse Namm ohnehin im kalifornischen Anaheim war, sei die Idee aufgekommen, das Video vor Ort zu drehen. „Der Song ist Kalifornien. Er klingt frisch und energetisch. Das passt.“ Teils wurde mit einer Drohne in den Straßen der Hollywood-Metropole gefilmt oder auch in „downtown Disney.“ „Es war ein unglaubliches Gefühl, durch L.A. zu schlendern und all die Orte, die man aus Filmen oder Serien kennt, live zu sehen.“



Demnächst geht es nach London, in ein bekanntes Studio, in dem schon internationale Musikgrößen wie Elton John ihre Songs produzierten. „Das ist schon verrückt und irgendwie unwirklich.“ Und so sollte der Bandgitarrist und inzwischen auch gute Freund des 21-Jährigen recht behalten, als er sagte: Es beginnt ein neues Leben.

Wichtig war Julian Rolinger die Musik schon in Kindertagen. Auch wenn er, wie er gesteht, den Klavierunterricht, den er mit fünf Jahren begonnen hatte, nach einigen Jahren beendete. Intensiver stieg er mit dem Hobby nach dem Realschulabschluss ein. Ein Klassenkamerad, der Schlagzeug spielte, habe ihn damals gefragt, ob er Lust habe, mit ihm eine Band zu gründen. Der Furschweiler, der inzwischen in Saarbrücken wohnt, entschied sich dafür. Ein halbes Jahr habe die Band nur im Probenraum verbracht, dann folgten die ersten Auftritte. Nach einer klassischen Gesangsausbildung begann Julian Rolinger im Alter von 14 Jahren mit dem Unterricht bei Jennifer Kloos aus Ottweiler. Die Gesangslehrerin, die er liebevoll seine Mentorin nennt, brachte den Metal- und Hard-Rock-Musiker mit langen Haaren schließlich zum Musical. Das lag dem Sänger. Und so stieg er beim Gunni Mahling Show Ensemble ein. „Da bin ich noch heute. Es ist meine erste musikalische Familie.“

Als der Gedanke, Musik zu seinem Beruf zu machen, in Julian Rolinger reifte, war es seine Gesangslehrerin, die ihn auf die Band 21 Octayne und deren Suche nach einem Sänger aufmerksam machte. „Ich hörte mir die Lieder der Band an und war eingeschüchtert von deren Qualität“, gesteht der 21-Jährige. Dennoch schickte er eine Bewerbung ab und sollte daraufhin mehrere Demos einsingen. Dann kam es zum Treffen mit der Band – in seinem Probenraum in den ehemaligen Kasernen in St. Wendel. Klein sei er gewesen und mit zerfranstem Teppich ausgelegt. Das schien die Musiker nicht abzuschrecken. Sie ließen den Sänger zwar noch etwas zappeln. Dann aber kam der erlösende Anruf.

Als Progressive Rock beschreibt Julian Rolinger die Musik von 21 Octayne. Die neuen Lieder seien aber etwas poppiger. Es gebe einen schmalen Grad zwischen massentauglich und oberflächlich, wie der Musiker weiß. Daher orientiere er sich an der Kultband Queen, deren Lieder im Radio gespielt werden, aber dennoch höchste Ansprüche erfüllen.

Moderne Technik gebe gerade Sängern die Möglichkeit, etwas gut klingen zu lassen. Doch es ginge bei Liedern nicht nur um den perfekten Ton. „Es geht um den Gänsehauteffekt, der sich einstellt, wenn jemand aus der Seele singt.“

Auch wenn sich die Band selten live sieht, stehen die Mitglieder in stetigem Kontakt. Einmal in der Woche gebe es eine Videokonferenz. Aber eigentlich sei 21 Octayne jeden Tag präsent. Außerdem gibt Rolinger Gesangsunterricht und steht mal mit dem Gunni Mahling Show Ensemble oder der Coverband Night Stars auf der Bühne. Dann schlüpfe er in eine Rolle, versuche das Original zu treffen. Ganz anders sei das mit den eigenen Liedern. Da gebe er mehr von sich preis. „Außerdem bin ich bei 21 Octyane extrovertierter auf der Bühne“, verrät er und lächelt.

Sein Ziel mit der Band ist es, ein Stadion zu füllen – mit der eigenen Musik. Aber davon träume wohl jede Gruppe. Und sein ganz persönlicher Traum? „Einmal mit Queen auf Tour zu sein“, sagt er und ergänzt: „Oder sie einfach mal kennen zu lernen.“

Seit Sommer 2016 singt Julian Rolinger bei 21 Octayne.
Seit Sommer 2016 singt Julian Rolinger bei 21 Octayne. FOTO: Julian Rolinger