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Volleball
TV Bliesen gewinnt nach Achterbahnfahrt

Jubel beim Punktgewinn: Lukas Kaiser (Nummer sechs), Samy Schuhmacher (Nummer zwei), Jonas Weber (Nummer drei) und mitten drin Neuzugang Stephen Braswell (Nummer sieben).
Jubel beim Punktgewinn: Lukas Kaiser (Nummer sechs), Samy Schuhmacher (Nummer zwei), Jonas Weber (Nummer drei) und mitten drin Neuzugang Stephen Braswell (Nummer sieben). FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Die Volleyballer des TV Bliesen haben am Samstag in ihrem ersten Heimspiel der neuen Saison gleich eine Spitzenmannschaft geschlagen. Der TV setzte sich vor knapp 500 Zuschauern mit 3:2 gegen den TSV Stuttgart durch. Von Philipp Semmler

Um Punkt 20 Uhr begann die wilde Fahrt im Sportzentrum St. Wendel. Um 22.11 Uhr war sie zu Ende: Der TV Bliesen gewann am Samstag sein erstes Heimspiel in der 3. Liga Süd nach einem packenden Krimi. Beim 3:2-Erfolg gegen den favorisierten TSV Stuttgart erlebten die Besucher eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Phasen, in denen sich die Gastgeber extrem stark zeigten, wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit mit schwächeren Phasen ab.


„Für die Zuschauer war das sicher ein Spektakel. Ein Trainer ist mit einem Spektakel aber nicht immer zufrieden“, sagte Bliesens neuer Trainer Michael Hefter nach seiner gelungen Heimpremiere. „Ich lasse die Jungs jetzt noch ein wenig feiern, danach sage ich ihnen aber auch, was sie nicht so gut gemacht haben.“ In dieser Analyse dürften kaum Szenen aus dem ersten Satz vorkommen. Denn in diesem brannte Bliesen ein Feuerwerk mit Punktgewinnen und Abwehr-Aktionen ab. Folgerichtig ging dieser Durchgang mit 25:21 an die Gastgeber.

Doch im zweiten Satz lief bei Bliesen plötzlich nichts mehr. Das Team lag schnell mit 1:7 und wenig später mit 11:19 hinten. Danach kam der TV zwar noch einmal heran, aber die Bürde des hohen Rückstandes war zu groß: Stuttgart glich durch ein 25:19 zum 1:1 nach Sätzen aus. Danach fing sich Bliesen wieder. Als Aushilfs-Zuspieler Lukas Bennoit drei Asse in Folge schlug, hatten die Nordsaarländer im dritten Satz beim Stand von 24:20 vier Satzbälle. Was Hefter dann sah, trieb dem Übungsleiter aber die Schweißperlen auf die Stirn. Sein Team verlor völlig die Nerven und musste den Satz noch mit 24:26 abgeben. „Dass dir das nicht passieren darf, muss ich, glaube ich, nicht extra erwähnen“, meinte Hefter kopfschüttelnd.



Doch danach zeigte der TV, dass er auch nervenstark agieren kann. Im vierten Durchgang wehrten die Gastgeber beim Stand von 24:25 einen Matchball der Baden-Württemberger ab. Augenblicke später hatte Bliesen beim 26:25 Satzball. Dieses Mal blieb das Hefter-Team cool. Lukas Kaiser schlug ein Ass zum 27:25 ins rechte hintere Eck des gegnerischen Feldes. Es hieß 2:2 nach Sätzen und der Tie-Break musste entscheiden. In dem ließ sich Bliesen nicht davon beirren, dass die Baden-Württemberger nach einer 7:3- und einer 9:7-Führung des TV noch zum Ausgleich kamen. Mit dem Publikum, das es nun nicht mehr auf seinen Sitzen hielt, im Rücken, machte Bliesen den Sack zu. Tobi Merkel sorgte mit einer starken Blockaktion für eine 14:10-Führung – und für vier Matchballe. Den ersten wehrten die Gäste ab, doch nachdem ein Stuttgarter Schmetterball im Aus landete, hieß es 15:11 für den TV.

Der zweite Saisonsieg war eingetütet. Sehr zur Freude des stark aufspielenden Bliesener Neuzugangs Steven Braswell, der zum „Man of the match“ gekürt wurde. „Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben. Es war sehr schwierig, Stuttgart zu schlagen, weil das eine richtig gute und erfahrene Mannschaft war“, erklärte der Amerikaner. Auch von der großen Kulisse zeigte sich Braswell angetan. „Die Atmosphäre war fantastisch. Unsere Fans sind phänomenal“, erklärte der Außenangreifer aus Pennsylvania. „In meiner Heimat kommen zu einigen großen Spielen mal ein paar hundert Zuschauer. Aber nicht so wie hier, wo es bei jeder Partie so viele sind.“

Auf den TV Bliesen warten nun am kommenden Wochenende gleich zwei schwere Aufgaben. Zunächst spielt der TV am Samstag um 20 Uhr in der Liga beim TV Waldgirmes. Am Sonntag um 11 Uhr tritt der amtierende Saarlandpokalsieger dann im Südwestpokal an. Im Halbfinale in Kriftel geht es gegen Zweitligist TG Rüsselsheim II, für den der Ex-Bliesener Max Jungmann ans Netz geht. Der Sieger dieser Partie trifft im Endspiel am selben Tag entweder auf Zweitligist TG Mainz-Gonsenheim oder Drittligist TuS Kriftel.