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Tischfußball
Volle Konzentration vorm entscheidenden Klack

Junioren-Weltmeister Maurice Klass (18) aus Limbach spielte sich bis ins Viertelfinale vor, schied dann aber gegen den späteren Sieger aus.
Junioren-Weltmeister Maurice Klass (18) aus Limbach spielte sich bis ins Viertelfinale vor, schied dann aber gegen den späteren Sieger aus. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. 570 Tischfußballspieler aus aller Welt kämpften in St. Wendel um die Kicker-Krone. Am Ende hatten zwei Luxemburger die Nase vorne. Von Frank Faber

Die Blicke der zwei Spieler sind fokussiert auf ein Plastikmännchen an der vorderen Stange, das den Ball einklemmt. Plötzlich folgt eine schnelle, kurze Bewegung mit dem Handgelenk – und der Schuss sitzt. Klack. Krachend schlägt der Ball im Tor ein. Tischfußball ist eine dynamische Sportart. Permanent wechseln die Akteure zwischen Offensive und Defensive, das Tempo ist immens.


 570 Spieler aus mehr als 20 Ländern waren am Wochenende bei der Leonhart-World-Series und dem Nationen-Cup in der St. Wendeler Sporthalle am Start. „Es ist das größte Turnier überhaupt, das an Leonhart-Tischen gespielt wird“, sagte Pascal Pütz aus Heusweiler. Die Firma Leonhart produziert seit 50 Jahren Kicker-Tische und zählt weltweit zu den führenden Herstellern.

Tischfußball ist ein taktisch geprägtes Spiel. „Es muss mit Köpfchen gespielt werden. Dazu ist die Hand-Augen-Koordination wichtig. Und der Spieler muss gute Reflexe haben“, meinte Pütz. Bei manchen Partien war es für den Außenstehenden kaum zu erkennen, wer da an der umlagerten Spielstätte eigentlich Spieler und wer Kiebitz ist. „Wenn du dran bist, musst du dich nur noch auf dein Spiel konzentrieren, alles andere musst du ausblenden“, meinte Pütz zu den engen Bedingungen, bei denen es um Weltranglistenpunkte, Edelmetall und Preisgeld ging. Im Einzelwettbewerb war für ihn in der Hauptrunde Schluss.



Bei den Junioren schaffte es der für den TFC St. Wendel spielende Limbacher Maurice Klass ins Viertelfinale, unterlag dort aber dann dem späteren Sieger David Bruhn mit 1:3 Sätzen. „Meine Erwartungen waren nicht so hoch, mit dem Erreichen des Viertelfinales bin ich zufrieden“, resümierte Junioren-Nationalspieler Klass.

Der Belgier Frédéric Collignon gilt als unschlagbar, darüber ist sich die Tischkickerszene einig. Doch in diesem Jahr fehlte der Vorjahressieger – und der offene Wettbewerb bei den Männern wurde zu einer ganz spannenden Angelegenheit. Im Endspiel besiegte der Luxemburger Yannick Correia den Deutschen David Ziphel mit 3:1. „Ich bin komplett am Ende, in sechs von acht Partien lag ich hinten und habe es dann noch umdrehen können“, freute sich Correia.

Bei den Frauen legte das kleine Luxemburg nach. Cindy Ferreira Da Fonte gewann den Einzelwettbewerb und besiegte mit ihrer deutschen Partnerin Stefanie Schmid die Konkurrenz im Doppel. „In Luxemburg haben wir rund 200 aktive Tischfußballer – und wir halten auf europäischem Niveau mit“, berichtete Correia. Beim Nationen-Cup belegte Luxemburg Rang drei hinter den Niederlanden und Sieger Tschechien. Nach dem Sieg im Vorjahr reichte es diesmal für die Brüder Claus und Josef Cornelius aus Ottweiler nur zu Platz fünf im Klassik-Senioren-Doppel.

Erstmals wurde auch die Rollstuhldisziplin für Tischfußballer mit Handicap ausgetragen. „Es ist bei uns noch alles im Aufbau, gerade im Saarland versprechen wir uns da aber viel für die Zukunft“, teilte Trainer Volker Schwinn mit, der das deutsche Rollstuhlfahrer-Nationalteam betreut. Fünf Mannschaften spielten in St. Wendel an den modifizierten Tischen, am erfolgreichsten schnitten dabei die Belgier ab.

Auch der Ausrichter TFC St. Wendel leistete ganze Arbeit. „Beispielsweise am Freitag haben wir 3100 Sätze gespielt, von der Organisation schafft man das deutschlandweit nur bei diesem Turnier“, verdeutlichte Giuseppe Messina, der Trainer des Junioren-Bundesliga-Teams des TFC, welche Logistik hinter der Veranstaltung gesteckt hat.