| 00:00 Uhr

Vereinspost kommt aus dem St. Wendeler Rathaus

St Wendel. Es geht nicht um hohe Beträge. Aber die Verwunderung einiger war groß. Wieso verschickt die Stadt Versammlungseinladungen für einen Verein auf ihre Kosten? Matthias Zimmermann

Vereinspost auf Porto der städtischen Kasse - wo gibt's denn sowas? In St. Wendel . Hier verschickt die Verwaltung Briefe der privaten MCW-Motorsport-Historiker. Ein eingetragener Verein, wie es etliche in der Kreisstadt gibt. Von Musikern über Bienenzüchter bis hin zu Fußballern.

Jeder von ihnen sendet Einladungen und Informationen an seine Mitglieder. Auf eigene Kosten . Nicht so die Motorsport-Historiker. Deren Einladungen zur für Sonntag, 22. März, anberaumten Jahreshauptversammlung kam mit einem Stempel der Frankiermaschine aus dem Rathaus. Der Absender: Amt für Stadtmarketing in der Schlossstraße. Geht das in Ordnung?

Vereinschef Werner Klär, der übrigens selbst Mitarbeiter des Stadtmarketings ist, sagt eindeutig: Klar. "Wir gewähren auch anderen Vereinen Zuschüsse", begründet er. In der Regel als Geldzuschüsse. Der Versand der Vereinsbriefe auf Stadtkosten habe der ehemalige Bürgermeister Klaus Bouillon (CDU ) seinerzeit zur Anschubfinanzierung des neu gegründeten Vereins der Motorsport-Historiker veranlasst. Das laufe laut Klär bereits seit 2011 so ab. Rund 120 Kuverts à 62 Cent seien so verschickt worden. Macht 74,40 Euro summa summarum. Einwände hat da die SPD . Deren Fraktionschef im Stadtrat, Jürgen Möller: "Vereinsförderung ist gut und wichtig. Es ist aber unerhört, Steuergelder nach Gutsherrenart an bestimmte Vereine zu verteilen." So fordere seine Partei mehr Transparenz und klare Regeln für die Vergabe von Zuschüssen. Erst dadurch hätten künftig alle Vereine die gleichen Chancen, "angemessen gefördert zu werden". Die Regeln für Vereinszuschüsse seien nicht nur den Sozialdemokraten, sondern wohl auch einigen anderen Vereinen nicht bekannt, lässt der Kommunalpolitiker wissen.