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Bildung
Verbund mit anderen oder eigene Oberstufe?

Gemeinschaftsschule St. Wendel.
Gemeinschaftsschule St. Wendel. FOTO: Frank Faber
St. Wendel. Der Landkreis St. Wendel ist unter anderem Träger von sechs Gemeinschaftsschulen. Sie alle bieten künftig das Abitur an. Doch ist dies ganz unterschiedlich organisiert. Von Evelyn Schneider

Gebäude erweitern oder eine Mensa einrichten  — solche und ähnliche Arbeiten sind in den nächsten Jahren an weiterführenden Schulen im St. Wendeler Land geplant. Aufgelistet sind diese Investitionen in einem Schulentwicklungsplan, den der Kreistag unlängst verabschiedet hat (wir berichteten). Ein Berufsbildungszentrum (BBZ), zwei Förderschulen, zwei Gymnasien und sechs Gemeinschaftsschulen sind in Trägerschaft des Landkreises St. Wendel. Die meisten Schüler zählen derzeit die Gemeinschaftsschule in Türkismühle (1197) und die Gemeinschaftsschule in Marpingen (938). Diese beiden Schulen sind damit nicht nur die größten im Landkreis, sie haben auch eine ähnliche Historie. Denn die beiden ehemaligen Gesamtschulen konnten ab 2008 eine eigenständige Oberstufe und somit den Abschluss Abitur anbieten. „Das hat das Bildungsministerium so entschieden“, erinnert sich Landrat Udo Recktenwald (CDU). Neben Gesamtschulen und Gymnasien gab es damals noch die Erweiterten Realschulen. Diese sind heute ebenso wie die Schulen in Marpingen und Türkismühle Gemeinschaftsschulen.


Also gilt inzwischen: Gleiche Schulform, gleiche Bedingungen? Nicht ganz. Denn das Abitur nach neun Schuljahren gab es bis jetzt weiterhin nur an den beiden ehemaligen Gesamtschulen im Kreis. Zum nächsten Schuljahr wird sich das ändern. Alle Gemeinschaftsschulen bieten dann den  Abschluss Abitur an. Doch ist die Oberstufe anders organisiert als in Marpingen und Türkismühle. Die Schüler an den Gemeinschaftsschulen in St. Wendel, Freisen und Theley können ihr Abitur nicht am jeweiligen Standort  ablegen. Diese Schulen gehen jeweils einen Oberstufenverbund ein: St. Wendel und Theley mit dem Oberstufengymnasium in St. Wendel, Freisen mit Türkismühle.

Im Falle von Freisen und Theley haben sich zuletzt jeweils die Gemeinderäte stark gemacht für eine eigenständige Oberstufe beziehungsweise für Klasse 11 am eigenen Schulstandort (wir berichteten). Die Entscheidung, wo welche Klasse im Oberstufenverbund unterrichtet wird, obliegt dem Bildungsministerium. Nach Informationen eines Behördensprechers müssen die Schulen gewisse Kriterien erfüllen, um die Klasse 11 am eigenen Standort zu unterrichten. Beispielsweise müssen genügend Schüler in die gymnasiale Oberstufe übertreten und genügend Lehrer mit einer entsprechenden Lehrberechtigung an der Schule sein. Unter diesen Bedingungen sei den Gemeinschaftsschulen zugestanden worden, die Klasse 11 am eigenen Standort zu unterrichten — das gilt auch für Freisen.

Dessen Schulleiter Marc André Müller verweist darauf, dass verlässliche Zahlen, was die Anmeldung für die gymnasiale Oberstufe betrifft, erst im Januar vorliegen. Doch er geht davon aus, „dass wir zwei Elfer-Klassen bilden.“ In Klasse 12 und 13 wechseln die Schüler dann nach Türkismühle. Dort würden sie, so berichtet Müller, teils von bekannten Lehrern der Freisener Schule unterrichtet. Für Müller ist die Möglichkeit, die Klasse 11 am eigenen Standort in Freisen unterrichten zu können, ein erster Erfolg. Der Wunsch nach mehr, sprich der kompletten gymnasialen Oberstufen am eigenen Standort, bleibe.

Und wie sieht es mit St. Wendel und Theley aus? Wie das Bildungsministerium auf SZ-Nachfrage mitteilt, wurde für jene Gemeinschaftsschulen, die einen Oberstufenverbund mit einem Berufsbildungszentrum (BBZ) bilden, festgelegt, dass die Einführungsphase in dieser ersten Runde am BBZ angesiedelt ist. Somit gehen die Schüler der Gemeinschaftsschulen in St. Wendel und Theley, die Abitur machen wollen, direkt in Klasse 11 aufs Oberstufengymnasium des BBZ St. Wendel. Dort können Schüler in diesem Verbund sowohl den allgemeinbildenden als auch den beruflichen Zweig wählen. Beide führen nach drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife. Die Leiter der Verbund-Schulen, Kirsten Prams (BBZ), Eric Planta (Gemeinschaftsschule Theley) und Ursula Zeyer (Gemeinschaftsschule St. Wendel) bewerten in einer gemeinsamen Pressemitteilung diesen Verbund positiv. Dadurch entstehe ein vergrößertes Wahlangebot für die Schüler. Nach Ansicht von  Landrat Udo Recktenwald biete das berufliche Abitur im Verbund mit einem Oberstufengymnasium eine Möglichkeit, sich von anderen Schulen abzuheben. Generell würde er sich eine Gleichberechtigung aller Schulen in seinem Landkreis wünschen. Doch darauf hat er keinen Einfluss. „Die Entscheidungen werden in Saarbrücken getroffen – ohne den Schulträger.“ Dessen Aufgabe ist es, sich um die Ausstattung der Schulen zu kümmern, beispielsweise bei Raumnot zu bauen.



Wie sieht die Zukunft der Schulen im Landkreis St. Wendel aus? „Ich gehe davon aus, dass die Standorte, die wir haben, sicher sind“, sagt Recktenwald. Und bezieht sich dabei auf zunehmende Anmeldezahlen in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Eigentlich hätte der Landrat gerne in jeder Gemeinde eine weiterführende Schule. „Doch das ist nicht mehr zu erreichen.“ Mit den Sommerferien 2015 endete der Schulbetrieb an der Namborner Gemeinschaftsschule. „Der Standort konnte nicht gerettet werden“, sagt Recktenwald. Der Träger habe noch versucht, durch eine gemeinsame Schulleitung mit St. Wendel etwas zu bewegen, doch dies gelang nicht. Vor dem Aus steht die Ringwallschule in Primstal. Diese läuft spätestens zum Schuljahr 2019/20 aus.

Gemeinschaftsschule Freisen.
Gemeinschaftsschule Freisen. FOTO: Evelyn Schneider