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Bilanz und Ausblick
Touristen schätzen St. Wendel als Einkaufsstadt

Ein Model präsentiert während des Moonlight-Shoppings Dessous. Solche Modenschauen könnte sich der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft auch bei verkaufsoffenen Sonntagen vorstellen.
Ein Model präsentiert während des Moonlight-Shoppings Dessous. Solche Modenschauen könnte sich der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft auch bei verkaufsoffenen Sonntagen vorstellen. FOTO: Josef Bonenberger/Stadt
St. Wendel. Das ist etwas, das den Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ positiv stimmt. Im SZ-Gespräch geht er auch auf Sorgen des Einzelhandels sowie auf neue Eventideen ein. Von Evelyn Schneider

Vom Blumengruß über kulinarische Leckereien bis hin zum atmosphärischen Späteinkauf – die Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ hat in diesem Jahr ganz unterschiedliche Veranstaltungen gestemmt. Neben den Klassikern stand auch ein neues Event im Terminkalender – ein dreitägiges Street-Food-Festival am dritten Septemberwochenende. „Das haben wir innerhalb von zwei Monaten auf die Beine gestellt“, sagt Wolfgang Zeyer, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft. Der Start am Freitag sei in Ordnung gewesen, der Samstag gut besucht. Dann folgte am Sonntag das, was im Sommer  und Spätsommer 2018 Seltenheitswert hatte: Regen. Der ergoss sich sintflutartig über der Region. Trotzdem: Zeyer hadert nicht mit dem Wetter, sondern sieht das Positive: „Wir hatten sogar Angst, die komplette Veranstaltung würde ins Wasser fallen.“ 2019 soll es eine zweite Auflage geben. Das Datum steht allerdings noch nicht fest. Dafür gibt es schon Ideen, neben Street-Food auch Street-Fashion in das Event zu integrieren. „Vor zwei Wochen hatten wir einen Kreativtag. Da ist einiges angeregt worden.“


Mit dem verkaufsoffenen Sonntag anlässlich der Wendelskirmes ist für die Aktionsgemeinschaft der Eventreigen 2018 zu Ende gegangen. Übers Jahr verteilt sind insgesamt vier Sonntage terminiert, an denen in der Kreisstadt geshoppt werden darf: Anlässe sind der Ostermarkt, das Stadtfest, der Lebensart-Markt und eben die Kirmes. „Die Termine sind ganz gut verteilt“, wertet Zeyer. Deshalb werde man daran wohl festhalten. Einige der großen Feste in der City, die Besucher anlocken, nutzen also auch die Händler für sich. Was fehlt, ist eines der Aushängeschilder: der Weihnachtsmarkt. Das Ladenöffnungsgesetz im Saarland sieht vor, dass an den Adventssonntagen die Geschäfte geschlossen bleiben. Ausnahme ist der 1. Advent. Doch startet der St. Wendeler Weihnachtsmarkt erst danach. Aber selbst wenn es terminlich passen würde, sieht Zeyer ein Problem: Viele Städte nutzten den ersten Advent zum Verkaufsevent. Dann sei die Konkurrenz groß. Generell achtet die Aktionsgemeinschaft darauf, Daten für ihre verkaufsoffenen Sonntage festzulegen, die nicht auch von den Nachbarstädten gewählt wurden.

Was Zeyer freuen würde, wäre eine Verlängerung des Weihnachtsmarkts auf zwei Wochen. „Ich weiß, es gibt viele Gegenargumente“, sagt der Aktionsvorsitzende schmunzelnd. Und hat auch prompt einen Kompromiss parat: „Vielleicht könnte der Markt schon am Donnerstag statt Samstag beginnen.“ Jeder Markttag mehr helfe den Einzelhändlern. Und diese Mini-Verlängerung könnten vielleicht auch die Budenbesitzer stemmen. Opfern würde Zeyer dafür den Nikolausmarkt, der längst nicht mehr so gut besucht sei wie früher. Generell möchte Zeyer anregen, die Krammärkte – mit Ausnahme des Wendelsmarkts – auf den Prüfstand zu stellen. Das Angebot habe abgenommen ebenso die Zahl der Besucher. Als gescheitert betrachtet Zeyer auch die Samstagsmärkte, die die Aktionsgemeinschaft mit wechselnden Themen initiiert hatte. „Wenn sich 30 Händler anmelden und am Ende nur zehn kommen, funktioniert das nicht“, lautet das Fazit des Vorsitzenden.



Im kommenden Jahr startet die Aktionsgemeinschaft am 13. und 14. April mit der Autoausstellung in die Open-Air-Saison. „Das ist inzwischen ein Selbstläufer“, sagt Zeyer. Dabei sei es am Anfang schwierig gewesen, die Autohändler davon zu überzeugen, mit ihren Fahrzeugen in die Innenstadt zu kommen. Jetzt tun sie es gerne.

Was laut Aktionsgemeinschaftsvorsitzendem immer besser angenommen werde, ist das „Frühlingsshoppen“. Bei dieser Aktion erhalten die Leute zu ihrem Einkauf in den teilnehmendenGeschäften einen Blumen-Gutschein. Den können sie dann an einem Stand auf dem Schlossplatz einlösen, sich einen Strauß Blumen zusammenstellen oder zusammenstellen lassen. „Ich könnte mir vorstellen, auch bei anderen Events mit Blumen zu arbeiten“, sagt Zeyer.

Ebenfalls inzwischen etabliert hat sich das Moonlight-Shopping. Obwohl anfänglich etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. Doch gleich die Premiere sei ein Erfolg gewesen. Neben dem Einkaufen setzt dieses Event auf Atmosphäre durch Kerzen und Lichterinstallationen. Außerdem gibt es über den Abend verteilt Aktionen wie Modenschauen in den einzelnen Geschäften. So etwas könnte sich Zeyer auch bei den klassischen verkaufsoffenen Sonntagen vorstellen.

Die Aktionsgemeinschaft tut etwas, auch deshalb weil es den Geschäftsleuten nicht gut geht. „Man muss sich schon Sorgen machen um den Einzelhandel in St. Wendel“, so Zeyer. Die Konkurrenz außerhalb der Innenstadt sei groß. Und daher zu wenige Menschen in der City unterwegs. Zeyer nennt ein Beispiel. Wenn die Leute früher morgens nüchtern zur Blutuntersuchung zum Arzt gegangen sind, führte der Weg danach in eines der Cafés zum Frühstück. Das falle inzwischen weg, weil es Ärztehäuser außerhalb des Kerns gebe.

Ein gutes Instrument um Umsatzeinbußen auszugleichen, seien aber die Touristen. Sie kämen immer mehr zum Einkaufen nach St. Wendel. Gezielte Werbung macht die Aktionsgemeinschaft bei Center-Parcs am Bostalsee. Dort läuft ein Imagefilm im Wechsel mit einem Center-Parcs-Streifen in der Dauerschleife. Außerdem liegen in allen Hotels am See Flyer aus. Es gelte, die Leute von außerhalb zu begeistern, gezielt anzusprechen, beispielsweise auch  mit Fahnen und Wimpeln, die die Gäste willkommen heißen. St. Wendel ist für Zeyer eine typische Sommerstadt. „Wenn schönes Wetter herrscht, sind die Menschen da. Bei schlechtem Wetter und im Winter fehlen sie.“ Auch der Gastronomie. Daher gibt der Aktionsgemeinschafts-Chef die Anregung, auch in der kälteren Jahreszeit eine Außenbestuhlung zu ermöglichen. Er kenne es aus anderen Städten, in denen Cafébetreiber mit Markisen und Heizstrahlern arbeiten, damit die Gäste gemütlich im Freien sitzen können.

Als große Herausforderung für die nähere Zukunft bewertet Zeyer die Umgestaltung der Bahnhofstraße. Werde dort gebaut, sei das ein Problem  für den Einzelhandel. Doch begreift der Rechtsanwalt das Projekt auch als eine Chance. Seine Idealvorstellung einer künftigen Bahnhofstraße würde so aussehen, dass es für den Verkehr nur noch eine Spur gibt, die Bürgersteige würden verbreitert, Gastronomie und Einzelhandel sich abwechseln. Die Aktionsgemeinschaft sei mit der Stadt im Gespräch. Das allerwichtigste ist es für Zeyer, dass das, was immer auch in der Hauptgeschäftsstraße umgesetzt wird, frühzeitig bekannt gegeben wird. Dann könnten eventuell auch Hausbesitzer die Zeit der Bauphase für Arbeiten nutzen.

Ein Dauerthema bei der Aktionsgemeinschaft sind die Öffnungszeiten an Samstagen. Hier gibt es keine einheitliche Lösung für die Innenstadt. Wobei Zeyer schon froh sei, dass inzwischen sehr viele Geschäfte von 10 bis 16 Uhr öffnen. Einige Skeptiker hätten gemerkt, dass sie gerade zwischen 14 und 16 Uhr gute Umsätze machen. Weniger Betrieb sei der Erfahrung nach in der Mittagszeit.

Es naht die Adventszeit und damit auch das traditionelle – wenn auch hier und da abgewandelte – Weihnachtsgewinnspiel der Aktionsgemeinschaft. Wolfgang Zeyer blickt auf den Kalender 2019. „Es ist in der Planung, vielleicht zwischen Weihnachten und Neujahr etwas hinzukriegen.“ Konkrete Idee gibt es noch nicht. Doch würden erfahrungsgemäß unterm Tannenbaum einige Gutscheine oder Bargeld liegen. Und beides könnte ja in St. Wendel verjubelt werden.

Ein Blumenmeer passend zum Frühlingsshopping in St.Wendel.
Ein Blumenmeer passend zum Frühlingsshopping in St.Wendel. FOTO: Bonenberger