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Veränderung erhält die Tradition

St Wendel. Eine Zeitreise in die Vergangenheit durften die Besucher des Saalbaus miterleben. Dort nämlich gab das Stadtorchester 1865 Harmonie den musikalischen Auftakt zu seinem 150-jährigen Bestehen, das in diesem Jahr mit vielen weiteren Jubiläumsveranstaltungen gefeiert werden soll. Jennifer Sick

Unter dem Motto "Im Saalbau ist Musike" entführten die Musiker des Stadtorchesters 1865 Harmonie ihr Publikum in die 20er bis 50er Jahre, als vor allem in Berlin die Kunst- und Musikszene neu erblühte. Dementsprechend waren es vor allem Schlager und Gassenhauer der damaligen Zeit, die das Orchester zum Besten gab. Dazu gehörten bekannte Stücke wie "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn", "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" oder "Ich bin die fesche Lola", aber auch weniger populär gewordenes Material, darunter "Sellerie" oder "Wo sind deine Haare, August". Gesangliche Unterstützung erhielten die Musiker dabei von der Sopranistin Viktoria Bick, dem Bariton Dominik Konradt und Orchestermitglied Dietmar Federkeil, der auch mit Witz und etlichen Hintergrundinformationen zur damaligen Zeit durchs Programm führte.

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Stadtorchesters 1865 Harmonie gab es bei dem Konzert einige Neuerungen, die treuen Besuchern der vergangenen Jahre nicht verborgen blieben. Dies betraf sowohl die Besetzung als auch das Programm. "In diesem Jahr feiern wir 150 Jahre Harmoniemusik in St. Wendel ", hieß es dazu im Programmheft des Konzertes. "Im Laufe der Jahrzehnte bedeutete dies immer wieder Veränderungen, um den Fortbestand des Traditionsvereins wahren zu können. Eine solche Veränderung ist in den letzten Monaten vollzogen worden." Gemeint war der Zusammenschluss mit dem Musikverein Harmonie Selbach, aus dem sich eine musikalische Interessengemeinschaft ergab, die am Samstag erstmals in dieser Besetzung auftrat. Doch nicht nur in den Reihen der Musiker hatte es Neuerungen gegeben, auch die Programmgestaltung folgte einem völlig neuen Muster. Dies kündigte Moderator Federkeil schon gleich zu Beginn des Konzertes an: "Heute haben wir kein reines Blockkonzert. Sie sind nicht hier, um sich von uns berieseln zu lassen. Mitmachen ist Trumpf!" Das nahm das Publikum dann auch ernst und schon beim zweiten Medley war man in so guter Stimmung, dass alle klatschten und mitsangen. Allein zum Tanzen waren die Anwesenden nur schwer zu bewegen, trotz der mehrmaligen Aufforderungen durch Federkeil. Der guten Laune tat das aber keinen Abbruch.

Ebenfalls neu war die musikalische Unterstützung, die Dirigent Dirk Ost und seine Musiker vom Trio Nostalgio und Pianistin Ina Laub erfuhren. Ersteres brachte mit Songs wie "Wochenend und Sonnenschein" oder auch "Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt'" den Zeitgeist der 20er Jahre in den Saalbau und sorgte mit seinen humoristischen Einlagen - darunter zum Beispiel ein komplett gegackerter Part von "Ich wollt' ich wär' ein Huhn" - für einige Lacher. Laub dagegen überbrückte die Pausen mit Barmusik am Piano und spielte unter anderem "Mr. Sandman" oder auch "Somewhere over the rainbow".

Alles in allem entstand so ein abwechslungsreicher, bunter Abend, der ein würdiger Auftakt für das Jubiläumsjahr war.