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Abschied
Mister 100 Prozent sagt leise Servus

Sie waren ein gutes Team: Jetzt muss sich Ralf Kartes (links) vom ehemaligen St. Wendeler Polizei-Chef Martin Walter verabschieden.
Sie waren ein gutes Team: Jetzt muss sich Ralf Kartes (links) vom ehemaligen St. Wendeler Polizei-Chef Martin Walter verabschieden. FOTO: Evelyn Schneider
St. Wendel. Mit einer Feier hat sich Martin Walter als Polizei-Chef von St. Wendel verabschiedet. Die Amtszeit des Polizeioberrats endete bereits am 1. Oktober. Von Evelyn Schneider

Es sieht anders aus, sein ehemaliges Büro. Ende November hat Martin Walter die letzten Kartons mit Ordnern und Büchern ausgeräumt, Platz gemacht für einen neuen Chef. Auf dem Schild an der Tür ist die Funktion „Leiter der PI St. Wendel“ noch zu lesen. Doch Walters Name, der hier zuletzt noch stand, ist verschwunden. Wurde ersetzt durch Dirk Stepphun. Ein Scherz der Kollegen. Zwar sitzt Polizist Steppuhn tatsächlich übergangsweise in dem Raum. Doch ist er nicht der künftige Chef der Polizeiinspektion St. Wendel. Der wird erst im neuen Jahr seinen Arbeitsplatz in der Kreisstadt beziehen.


Zusammen mit Ralf Kartes, der fünf Jahre lang sein Stellvertreter war, schlendert Martin Walter noch einmal den Gang entlang in die  Einsatz-Zentrale im Dachgeschoss, die 2017 während der ADAC-Deutschland-Rallye eingeweiht wurde. Eines von mehreren Bauprojekten, die während der Zeit des PI-Leiters in der Inspektion realisiert wurden. Im Gegensatz zu den frisch renovierten Räumen oben ist der Kellerbereich noch „nostalgisch“ wie es Werner Wilhelm, Beigeordneter des Landkreises St. Wendel, formuliert. Und genau in einen dieser nostalgischen Räume hat Martin Walter am Dienstag zu seiner Verabschiedung geladen.

Seit 1. Oktober ist der Polizei- 
oberrat offiziell nicht mehr Leiter der St. Wendeler Inspektion, sondern Dozent im Fachbereich Polizeivollzugsdienst an der Fachhochschule für Verwaltung in Göttelborn (wir berichteten). „Es war eine gute Zeit hier“, sagt Walter und gesteht: „Viel Herzblut hat mit der Funktion zusammengehangen und tut es noch.“ Daher sei es auch schwierig gewesen, zu gehen. „Ich habe das Gefühl, dass noch einiges unerledigt geblieben ist. Ich hätte noch gerne einiges vollendet.“



Geändert hat sich in den zurückliegenden Jahren so manches. So gibt es beispielsweise seit 2014 das Brennpunktkonzept, das regelmäßige Kontrollen spezieller Örtlichkeiten in der Kreisstadt vorsieht. Beamte der Operativen Einheit unterstützen diese Kontrollen seit 2016. Walter hofft, dass das Konzept künftig weiterverfolgt wird. Auch baulich gab es Veränderungen. Ehe es an die Ausgestaltung des Dachgeschosses ging, wurde im Bereich Wach- und Servicedienst modernisiert. Allerdings gab es dabei auch Pannen, wie Walter verrät. „Ein Kabel wurde gekappt, Telefone, PCs – alles war tot. Es dauerte zwei Tage, bis alles wieder lief.“

Nur wenige Meter von dem Raum entfernt, in dem Walter nun Abschied feiert, ist der 37-Jährige 2014 offiziell zum St. Wendeler Polizeichef ernannt worden – im historischen Sitzungssaal des Landkreises. Damals habe er für sich selbst einen Anspruch formuliert: „Sage, was du tust und tue, was du sagst.“ „Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, diesen Satz mit Leben zu füllen“, sagt Walter.

„Mister 100 Prozent“ – so beschreibt Ralf Kartes, der die PI jetzt kommissarisch leitet, den 37-Jährigen. Als überaus korrekt habe  er ihn schon 2001 kennengelernt. Damals als Praktikant auf der Wache in Bous. In St. Wendel haben sich die beiden als Führungs-Duo wiedergetroffen. „Geduld, Energie und die Fähigkeit, mal Fünfe gerade sein zu lassen“ – das sind Kartes Wünsche und Tipps an den Kollegen.

Wie es ist, junge Menschen an der Fachhochschule zu unterrichten, das weiß Thomas Dräger-Pitz, Leiter der Polizeiinspektion Neunkirchen, aus eigener Erfahrung. Einer seiner Schüler damals hieß Martin Walter. „Dozent zu sein, ist eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe“, gibt er seinem einstigen Schützling mit auf den Weg. Gerade in Zeiten, in denen sich nicht mehr so viele junge Menschen wie früher für den Beruf des Polizisten entscheiden, brauche es junge und motivierte Lehrer.

Motiviert, das ist der Neu-Pauker Walter. Zwischen 25 und 30 Studierenden sind in einer Klasse. Da sei es eine erste Herausforderung, 250 Namen neu zu lernen. „Etwa zehn Prozent des Jahrgangs hat bereits ein abgeschlossenes Studium“, sagt der Polizeioberrat. Bei der Vorstellung der Studierenden habe er jeweils eine kurze Vita abgefragt. „Das war interessant.“

Es ist ein neues Leben für den 37-Jährigen fernab der Polizeiinspektion. Am frühen Nachmittag komme er nach Hause – ein ungewohntes Gefühl. Auch wenn er dann noch Unterricht vorbereite, es bleibe mehr Zeit für seine Ehefrau Vanessa und die Kinder. „Der Zeitgewinn wird am Ende auch der große Mehrwert sein“, glaubt Walter. Alles laufe etwas entschleunigt.

Zusammenarbeit – das war dem Polizei-Chef Walter immer wichtig. Ob mit Rettungs- und Hilfsorganisationen, der Bundeswehr oder Vertretern der Kommunen und des Landkreises. Und so sind zur Verabschiedung unter anderem auch einige Feuerwehrleute, Bürgermeister und Landtagsabgeordnete gekommen. St. Wendels Rathauschef Peter Klär (CDU) sagt zu Walter gerichtet: „Wir beide haben gut geschafft für St. Wendel.“ Die Chemie habe von Anfang an gestimmt. „Das Miteinander“ hat Landtagsabgeordnete Ruth Meyer (CDU) an dem 37-Jährigen geschätzt und Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) sagt stellvertretend für die Rathauschefs des Landkreises: „Herzlichen Dank für die Arbeit.“

Nach dem offiziellen Teil hat sich Martin Walter später noch in legerer Polizeirunde verabschiedet. Zu einer Feier gehören auch Geschenke – die meisten haben mit dem St. Wendeler Land zu tun. Von den Kollegen gibt es einen Korb mit Kulinarischem vom Wendelinushof. „Daran hat er fünf Jahre“, scherzt Kartes. In Gruppen stehen die Gäste zusammen, es werden Erinnerungen und Geschichten ausgetauscht. Ein bisschen Wehmut liegt in der Luft. „Danke fürs Kommen. Das hat mir gut getan“, sagt Walter abschließend und ein sanftes Zittern in der Stimme ist zu hören.