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Umfrage: Mehrheit sieht Verlust für Schulwahl

Noch werden die Klassensäle im Arnold-Janssen-Gymnasium gebraucht. Aber ihre Tage als Unterrichtsräume für die 1899 gegründete Schule sind gezählt. Foto: Bonenberger & Klos
Noch werden die Klassensäle im Arnold-Janssen-Gymnasium gebraucht. Aber ihre Tage als Unterrichtsräume für die 1899 gegründete Schule sind gezählt. Foto: Bonenberger & Klos FOTO: Bonenberger & Klos
St Wendel. Nicht repräsentativ, dennoch ein Stimmungsbild: Die St. Wendeler Zeitung stellte Fragen zur geplanten Schließung des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel. Tendenz: Viele bedauern dies. Matthias Zimmermann

Viele Menschen sind vom angekündigten Aus für die katholische Traditionsschule auf dem heiligen Berg überrascht. Wie eine nicht repräsentative Online-Umfrage ergab, sagten 43 Prozent: "Damit habe ich nicht gerechnet." Eine recht knappe Mehrheit, die sich so zur Schließung des Arnold-Janssen-Gymnasiums (AJG) in St. Wendel äußerten. Für 38 Prozent kam demnach das Ende nicht wie aus heiterem Himmel. 19 Prozent hatten sich nach ihren Angaben zuvor keine Gedanken darüber gemacht, ob die vom Orden Steyler Missionare geführte Schule auf der Kippe steht.

Wie steht es generell um private und Konfessionsschulen? "Sie sind eine Alternative zu staatlichen Einrichtungen", sagten 30 Prozent. Sozial größere Kompetenz trauen religiös geprägten Einrichtungen sogar 44 Prozent zu. Lediglich 15 Prozent sehen keinen Unterschied zu den Lehrplänen der staatlichen Schulen. Kosten als Pferdefuß für Privatschulen nannten sechs Prozent als Grund dafür, das AJG abzuwickeln. Fünf Prozent haben dazu keine Meinung.

War die Schulreform schuld am AJG-Niedergang? 51 Prozent sehen das nicht so, halten hausgemachte Probleme wie jahrelange Debatten um die Zukunft ausschlaggebend. 32 Prozent sehen den Grund darin, dass heute viele andere weiterführende Schulen auch Abiturprüfungen anbieten. Weder für die eine, noch die andere Aussage entschieden sich 17 Prozent.

Kann sich St. Wendel mehrere Gymnasien leisten? 58 Prozent bejahen dies, 41 sagen nein, ein Prozent hat keine Meinung dazu.

298 Menschen beteiligten sich von Mittwoch bis Freitag an der Umfrage.

Weitere Kommentare zum geplanten Aus fürs AJG stehen auf der kostenlosen Internetseite der St. Wendeler Zeitung beim sozialen Netzwerk Facebook .

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saarbrueckerzeitung.wnd


Meinung:
Tradition nicht vor Wandel gefeit

Von SZ-Redakteur Matthias Zimmermann

Mit Traditionen ist es so eine Sache: Sie werden in der Regel ob ihrer langen Existenz bis in die Gegenwart hoch gelobt, sind letztlich aber kein sich selbsterfüllender Garant für ewige Beständigkeit.

Das müssen jetzt jene schmerzlich verkraften, die sich mit dem Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) verbunden fühlen: Schüler, Lehrer, Eltern, Ehemalige. Denn die 1899 ins Leben gerufene Privatschule ist ein Auslaufmodell. Nach bisherigen Plänen schließt der Orden der Steyler Missionare spätestens in fünf Jahren die Pforten dieser katholischen Einrichtung.

Da hilft kein Wehklagen, dass just an jener Anstalt unter anderem Politikergrößen nach schulischer ihre berufliche Karriere starteten. An den Lehrplänen krankte es offensichtlich nicht, dass das AJG dahinsiecht. Es sind äußere, gesellschaftliche Entwicklungen, die das Traditionshaus beuteln. Drei Gymnasien in der Stadt buhlen um Schüler. Gleichzeitig bieten Gemeinschafts- und teils auch Berufsschulen Abiturprüfungen an. Das Alleinstellungsmerkmal kirchlich-christlicher Prägung ist für viele längst nicht mehr das Non-Plus-Ultra, das bei der Wahl der weiterführenden Schule eine wichtige Rolle spielt. Der Bevölkerungsschwund spiegelt sich zudem in den sinkenden Schülerzahlen wider, was im Schnitt alle Schulen betrifft. Und dann kommt noch die Finanznot des Trägerordens hinzu, die bereits seit Jahren die Diskussionen um die Unwägbarkeiten des Fortbestands beflügelte. So bahnte sich das Schicksal von langer Hand an.

Gesellschaftliche Veränderungen schrecken nicht vor Traditionen zurück. Was auch viele Vereine mit üppiger Geschichte realisieren. Wo Nachwuchs fehlt und sich Interessenslagen verschoben haben, brechen Mitglieder weg. Schade sicherlich, indes war und ist unsere Welt einem steten Wandel unterzogen und schert sich kaum um Traditionen .

Und das AJG möge vielen in guter Erinnerung bleiben - aus Tradition.