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Treffen im St. Wendeler Missionshaus
Gemeinsam nicht mehr einsam

 Pater Oliver Heck und Eduard Alles im Gästesaal des Missionshauses. Hier sollen sich am Nachmittag des Heiligen Abends einsame Menschen treffen und etwas Zeit miteinander verbringen.
Pater Oliver Heck und Eduard Alles im Gästesaal des Missionshauses. Hier sollen sich am Nachmittag des Heiligen Abends einsame Menschen treffen und etwas Zeit miteinander verbringen. FOTO: Evelyn Schneider
St. Wendel. Erstmals gibt es im St. Wendeler Missionshaus an Heiligabend ein Treffen für Menschen, die alleine sind. Von Evelyn Schneider

Die vierte Kerze am Adventskranz brennt, alles ist still in der Wohnung. Alleine draußen eilen die Menschen am Fenster vorbei. Auf dem Weg nach Hause, um mit ihren Liebsten zu feiern. Es ist Heiligabend. Doch was, wenn es niemanden gibt, auf den man wartet? Es niemanden gibt, zu dem man gehen kann. Einsam an Weihnachten ... Dieser Gedanke hat Pater Oliver Heck von den Steyler Missionaren und Eduard Alles, Gemeindereferent in Pension, nicht gefallen. Daher haben sie beschlossen, etwas für jene zu tun, die am Heiligen Abend alleine sind. So entstand die Idee zu einer besonderen Veranstaltung. Diesen Montag, 24. Dezember, sind die Menschen zu einem besinnlichen Nachmittag in „lockerer Atmosphäre“ in den Gästesaal des Missionshauses eingeladen. „Der Nachmittag soll mit Kaffeetrinken beginnen“, verrät Pater Heck. Einen strikten Programmablauf soll es nicht geben. Einige Punkte haben die Organisatoren dennoch vorbereitet. „Wir singen Lieder, und Eduard spielt Saxofon“, sagt Heck. Auch Weihnachtsgeschichten von Heinrich Waggerl werden vorgelesen und anschließend soll über sie gesprochen werden. Das Wichtigste aber ist den Organisatoren, dass sich die Leute untereinander kennen lernen. Auch die Patres sind zu der Veranstaltung eingeladen.


„Wir freuen uns über jeden, der kommt“, betont Alles. Religion, Alter – das alles spiele keine Rolle. Pater Heck hofft, dass das Missionshaus und der Heilige Berg in den Köpfen der Menschen keine Hemmschwelle aufbauen. „Wir machen diese Veranstaltung, um den Leuten eine Freude zu bereiten.“

In anderen Häusern der Steyler Missionare, beispielsweise in München oder St. Augustin, gibt es solche Veranstaltungen an Heiligabend bereits. „Da lag der Gedanke nahe, es auch hier zu probieren“, sagt Heck. Wobei er glaubt, dass die Einsamkeit in Städten wohl größer sei, aber sicherlich gebe es auch im ländlichen Raum Menschen ohne Familie. Sein Organisationspartner nickt nachdenklich. „Ich weiß von einigen Frauen und Männern um die 80/90 Jahre, die ganz alleine in ihren Häusern leben.“



Wie es ist, den Heiligen Abend nur mit sich selbst zu verbringen, das weiß der Gemeindereferent in Pension aus eigener Erfahrung. „Wenn ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr an Heiligabend Dienst hatte und alleine im Zimmer saß. Dann  konnte ich sie spüren: die Einsamkeit.“ Solche Dienste habe er nie gemocht und ist froh, jetzt mit seiner Familie feiern zu können.

Gemeinsamkeit – die wird an den Festtagen auch außerhalb der geplanten Veranstaltung im Missionshaus zelebriert. Aktuell leben 100 Steyler Missionare im Missionshaus, das auch als Altersruhesitz samt Pflegeheim dient. Wie Pater Heck berichtet, wird an Heiligabend im Anschluss an die Messe zusammen gegessen. „Es ist sehr festlich. Das Personal hat einen Weihnachtsbaum geschmückt. und es gibt eine Krippe.“ Es gebe kein traditionelles Menü. Jahr für Jahr werden andere Speisen aufgetischt. „Aber das Essen ist immer sehr gut“, schwärmt Heck. Auch Gesprächsthemen am Tisch gibt es reichlich. Denn die Missionare erzählen von den Ländern, in denen sie waren, und den Traditionen dort.

Ob auch der Treff am Heiligen Abend im Missionshaus zur Tradition wird, muss die Zukunft zeigen. Die beiden Organisatoren freuen sich auf die Premiere. Mit Tannenzweigen soll der Gästesaal dezent geschmückt werden – für ein weihnachtliches Ambiente. Über allem steht der Wunsch, dass die Menschen eine schöne Zeit im Missionshaus verbringen und sie neue Kontakte knüpfen. Dann gibt es vielleicht in Zukunft jemanden, der nur einen Anruf entfernt ist.