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Wallfahrt
Wahrung des christlichen Menschenbildes

Bei seiner Festrede mahnt Ministerpräsident Tobias Hans in der Basilika einen verantwotungsvollen Umgang mit digitalen mMedien an.
Bei seiner Festrede mahnt Ministerpräsident Tobias Hans in der Basilika einen verantwotungsvollen Umgang mit digitalen mMedien an. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Auf der Zielgerade der Wallfahrtswoche gab es den Festvortrag des Ministerpräsidenten sowie den Tag der geistlichen Berufe. Von Frank Faber

Sein eigenes soziales Netzwerk und der Umgang mit digitalen Medien bedeutet für Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) eine spannende Sache. „Es ist eine gegenseitige Wechselwirkung. Die zentrale Fragestellung ist, dass wir im Umgang mit dem digitalen Netzwerk eine vernünftige Herangehensweise brauchen“, leitet der Ministerpräsident seinen Vortrag ein.


Bei der Wallfahrtswoche hat er am Sonntag vor 150 Zuhörern in der Wendelinus-Basilika den Festvortrag zum Thema „Frieden beginnt im eigenen (sozialen) Netz – Vom Umgang miteinander im digitalen Zeitalter“ gehalten. Laut einer Statistik, so Hans, würden 90 Prozent der Menschen die digitalen Medien nutzen. „Das bringt auch viel Positives mit sich“, sagt der Politiker. Doch der digitale Wandel sei tiefgründig in die Gesellschaft eingedrungen und werfe Fragen auf: „Eine besondere Rolle spielen die digitalen sozialen Netzwerke, über sie wickeln wir unsere Kommunikation ab“.

Kommunikation ist für den 40-jährigen Familienvater der Schlüssel zum Menschsein und zum Zusammenhalt der Gesellschaft schlechthin. Doch genau jene Kommunikation habe sich grundlegend verändert. „Wir kommunizieren gleichzeitig mit mehreren Empfängern und geben unsere Daten preis“. Die Techniken, die gut sind für uns, würden zudem missbraucht. „Hass, Hetze, Lügen und Fakenews, wir stolpern über Umgangsformen, alles ist schwer kontrollierbar“, weiß er. Dies sei nicht unproblematisch, deshalb müsse in virtuellen Räumen eine rechtsstaatliche Ordnung gelten. „Der Staat muss handeln, um den schwierigen Dingen im Netz zu begegnen“, fordert der Ministerpräsident. Eventuell müssten die Gesetze geändert werden. Für ihn stelle das Internet nicht die Quelle allen Übels dar, „wir haben doch selbst die Möglichkeit digitale Medien zu nutzen oder nicht“. Die sich breitmachende Ausgrenzung im Netz verurteilt er. „Die Gesellschaft muss menschlicher werden, egal ob im digitalen oder realen Leben“, appelliert Hans. Denn Frieden fange bei jedem einzeln an und die Menschenrechte seien Orientierungen für das Handeln zum friedlichen Umgang miteinander. „Ohne inneren Frieden können wir nicht existieren“, meint er. Auch im Netz müssen Wahrheit, Gerechtigkeit und die Menschenrechte ihre Gültigkeit besitzen. „Das sind Teile eines christlichen Menschenbildes. Wir entfernen einfach die Freunde aus unseren Listen, die sich daran nicht halten“, legt Hans den Besuchern in der Basilika nahe.



Freundschaft, Liebe, Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen sind ihm wichtiger, als Facebook-Freunde und Smilies. „Glauben, lieben, hoffen, das ist mehr“, betont Hans. Dazu könne beispielsweise die Wallfahrtswoche eine Art Neuausrichtung sein.

Für den Limburger Bischof Georg Bätzing hat bei der diesjährigen Pilgerwoche die kurzzeitige Rückkehr zu seiner früheren Dienststelle auf dem Programm gestanden. Zwischen 1986 und 1987 hat er als Diakon bei Pastor Bruno Holschbach in St. Wendel erste pastorale Erfahrungen gesammelt. „Es ist ein besonderes Gefühl , wieder hier an der Ambo zu stehen“, freut sich Bischof Bätzing, der am Montag mit Priestern und Ordensleuten das Pilgeramt zelebriert hat. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellt er den Begriff Berufung. „Das Wort hat einen zeitgenössischen Klang in der Gesellschaft, ist aber in der Kirche zeitweise verstummt“, sagt Bätzing. Und es gebe Menschen, die würden die Berufung mit romantischen Vorstellungen verbinden. „Diejenigen, die in Casting-Shows auftreten, sehen dabei die Berufung ihres Lebens“, erklärt er. Viele seien jedoch unter dem Durchschnitt, fallen durch und fliehen in ein Leben mit Alkohol und Drogen. „Nur wer sich selbst kennt, findet seine Berufung, der muss sich dann einlassen auf sein eigenes Leben“, rät der Kirchenmann.

Einer, bei dem sicher sei, dass er seine Berufung gefunden habe, sei der Heilige Wendelin. „Wendelin ist dem Ruf Gottes gefolgt, um seine eigene Berufung zu finden“, berichtet der Bischof.

Wer den Ruf des Lebens entdecken will, muss ganz lange in die Schule gehen und sich bilden. „Das hat Wendelin gemacht und ist hier geblieben, dafür ist er heute der Stolz des St. Wendeler Landes“, so Bätzing. Bildung, eine ruhige Gelassenheit und den Mut hier zu bleiben, hätten den Stadtpatron immer wieder bestärkt, seine Berufung zu suchen – und gefunden hat er Gott. Dazu meint Bätzing: „Wendelin, du bist unser Fürsprecher“.

Heitere Gelassenheit zeigt Bischof Georg Bätzing am Tag der geistlichen Berufe beim Pilgeramt. Für ihn ist es eine Rückkehr zur alten Wirkungsstätte.
Heitere Gelassenheit zeigt Bischof Georg Bätzing am Tag der geistlichen Berufe beim Pilgeramt. Für ihn ist es eine Rückkehr zur alten Wirkungsstätte. FOTO: B&K / Bonenberger/