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Teamarbeit für Flüchtlinge

Büffeln steht für viele Flüchtlinge auf dem Programm. Die deutsche Sprache in Kursen zu erlernen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/dpa
Büffeln steht für viele Flüchtlinge auf dem Programm. Die deutsche Sprache in Kursen zu erlernen, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/dpa
St Wendel. Seit gut zwei Jahren kommen verstärkt Kriegsflüchtlinge aus Syrien im Landkreis St. Wendel an. Aber auch Menschen aus Ländern wie Afghanistan oder Eritrea verlassen ihre Heimat und wollen hier ein neues Leben beginnen. Dazu braucht es einige Voraussetzungen: Die deutsche Sprache muss erlernt, sich mit der Kultur auseinandergesetzt werden. In einer Serie will die Saarbrücker Zeitung einen Einblick geben, wie es im Landkreis in Sachen Integration läuft. Zum Start erklärt Thomas Schmidt, Dezernent Kommunale Arbeitsförderung beim Landkreis, welche Aufgaben das Landratsamt in Sachen Flüchtlinge zu bewältigen hat. Evelyn Schneider

Seit 2013 sind insgesamt 2008 Flüchtlinge in den Landkreis St. Wendel gekommen. Höhepunkt der Migrationswelle war bislang das Jahr 2015. Damals suchten 1293 vom Krieg vertriebene Menschen im St. Wendeler Land Zuflucht. Im aktuellen Jahr waren es bislang 478. Überwiegend Syrer kamen hierher, um ein neues Leben zu beginnen (94 Prozent). Vereinzelt flohen Menschen aus Afghanistan, Eritrea und dem Irak (sechs Prozent).


"Sicherstellung der Unterbringung und Versorgung mit Geld- und Sachleistungen": Mit diesen Worten beschreibt Thomas Schmidt, Dezernent Kommunale Arbeitsförderung - Jobcenter , die Herausforderungen der Flüchtlingswelle 2015. Es galt damals, Zelt- und Containerunterkünfte sowie Massenbelegungen zu verhindern. Außerdem, so Schmidt, brauchten die Flüchtlinge Hilfe bei der Orientierung im neuen Umfeld.

Von jetzt auf gleich waren damals Gemeinden und Landkreis gefordert. Inzwischen haben sich die Behörden auf das Thema Flüchtlinge eingespielt. Die Optimierung des Sprachkursangebotes nennt Schmidt als aktuelle Herausforderung. Außerdem ginge es darum, Ausbildung und Beschäftigung für die Geflüchteten zu organisieren.



Arbeit wird das große Thema

Da mit der Betreuung der Flüchtlinge verschiedene Arbeitsfelder verbunden sind, beschäftigen sich Menschen in verschiedenen Bereichen mit der Thematik. In Zahlen lässt sich der personelle Aufwand nur schwer darstellen. Schmidt versucht es dennoch. "In den unterschiedlichen Gemeindeverwaltungen waren/sind zirka 20 Personen ganz oder teilweise mit der Unterbringung beschäftigt, unterstützt durch Personal der Bauhöfe." Was die Leistungen für die Flüchtlinge betrifft, seien zu Spitzenzeiten beim Sozialamt des Landkreises sechs Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt gewesen. Beim Ordnungsamt kümmerte sich eine Mitarbeiterin um die Verteilung der Neuankömmlinge. In der Kreisvolkshochschule organisieren zwei Mitarbeiterinnen die Sprach- und Integrationskurse. "Beim Jobcenter bearbeiten aktuell sechs Sachbearbeiter ausschließlich die Geldleistungen an Flüchtlinge", rechnet Schmidt weiter vor. Im Fallmanagement (Betreuung der Menschen) seien zwei Stellen zusätzlich geschaffen worden, drei weitere folgen ab Herbst. 30 Prozent der Leistungsberechtigten im Jobcenter seien Flüchtlinge. Tendenz steigend.

Die Flüchtlinge den Gemeinden zuweisen, Leistungen an die Vertriebenen verteilen, Sprach- und Integrationskurse organisieren, sich um die Jugendlichen und die Betreuung von Kindern kümmern, die Gemeinden bei der Suche nach Wohnraum unterstützen, Gesundheitsvorsorge oder Eingliederung in den Arbeitsmarkt: Die Aufgaben des Landkreises in Sachen Flüchtlinge sind umfangreich. So werden diese auch auf verschiedenen Ebenen koordiniert. Es gibt drei Arbeitsgruppen, wöchentlich bespricht sich der Landrat mit seinen Dezernenten , und auch bei den regelmäßigen Bürgermeisterbesprechungen sind die Flüchtlinge Thema.

Ruhrgebiet ist beliebtes Ziel

Von jenen, die dem Landkreis St. Wendel zugewiesen worden waren, sind bereits einige weggezogen. Wie Schmidt berichtet, hat es 542 der 2008 Zuwanderer in andere Regionen verschlagen. 30 Prozent verließen das St. Wendeler Land in Richtung Saarbrücken, 28 Prozent gingen nach Nordrhein-Westfalen. "Vier Städte sind dort besonders beliebt: Duisburg, Essen, Herne und Dortmund", weiß Schmidt.

Hier ankommen ist das eine, hier ein geregeltes Leben führen das andere. Dazu brauchen die Flüchtlinge auch einen Job. Die Unabhängigkeit der Zugereisten von Sozialleistungen des Staates bezeichnet Schmidt als Daueraufgabe. "Ohne eine gesellschaftliche und soziale Integration kann eine berufliche Integration aber nicht gelingen", glaubt Schmidt.

Zum Thema:

Hintergrund Stationen eines Flüchtlings nach seiner Ankunft im Saarland: Erster Anlaufpunkt ist die Erstaufnahmestelle in Lebach. Von dort aus geht es entweder weiter in ein anderes Bundesland oder der Flüchtling wird hier registriert, untergebracht und der Asylantrag gestellt. Dann wird er einem Landkreis und einer Gemeinde zugewiesen. In der Regel geschieht dies nach etwa vier Wochen in Lebach. In der zuständigen Gemeinde angekommen, stehen Behördengänge an. Hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Heimatvertriebenen als asylberechtigt anerkannt, steht ein Integrationskurs an, und der Flüchtling ist berechtigt, in Deutschland zu arbeiten. Vom Asylbewerberleistungsgesetz folgt der Wechsel zum Jobcenter . Es wird unter anderem eingeordnet, wie gut seine Deutschkenntnisse schon sind. Kindergeld ist ein Thema oder Ein-Euro-Jobs sowie Qualifizierungsmaßnahmen. evy