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Marienhausklinik
St. Wendeler Klinik: Wo führt der Weg hin?

Quo vadis, Marienhaus? Nach Angaben aus dem Sozialministerium muss sich die St. Wendeler Marienhausklinik umstellen.
Quo vadis, Marienhaus? Nach Angaben aus dem Sozialministerium muss sich die St. Wendeler Marienhausklinik umstellen. FOTO: HGN
St Wendel. Sparen beim Marienhaus: Neue Wege zur Rehabilitierung Älterer angekündigt. Saarland stellt neuen Krankenhausplan auf. Matthias Zimmermann

Drohen Einschnitte bei der ärztichen Versorgung Älterer im Landkreis St. Wendel und in angrenzenden Regionen? Bedenken hinsichtlich eines solchen Szenarios sind groß. Das wissen auch die Verantwortlichen im Saarbrücker Sozialministerium. Und deshalb wollen sie beruhigen, in vorderster Front Staatssekretär Stephan Kolling (CDU).


Der 45-Jährige: "Es gibt einen Versorgungsauftrag durch das Land. Der ist für die Krankenkassen verpflichtend." Ihnen allerdings hatten die Führung sowie die Mitarbeitervertretung des St. Wendeler Marienhausklinik unisono eine Mitschuld an der akuten Misere zugewiesen, eine wichtige Fachabteilung abwickeln zu müssen. Ende Juni wird die geriatrische Rehabilitation (Reha)dichtgemacht.

Allerdings muss und soll Ersatz her, werde sich die Klinik mediznisch anderweitig auf die entsprechenden Patienten einstellen. Nicht nur die Krankenhausleitung postulierte dies unlängst, als sie öffentlich Mitte April - auch für die Belegschaft überraschend - das Ende ankündigte.



Wenn es nach den politisch Verantwortlichen geht, soll der Schwerpunkt ausgebaut werden, der sich mit der Behandlung älterer Menschen befasst, um sie nach einem Klinikaufenthalt wieder ans vertraute Umfeld zu gewöhnen. Betagte sollen so gut wie möglich durch altersgerechte Therapien in die häusliche Selbstständigkeit zurückkehren.

Trotzdem sind die Befürchtungen bislang nicht zu überhören, dass es zu Einschnitten in der regionalen Versorgung kommt. Besonders mit Hinblick auf die beschleunigt alternde Gesellschaft (demografische Wandel) werden Kritiker der Entscheidung nicht müde, auf die Notwendigkeit geriatrischer Einrichtungen hinzuweisen.

Umso überraschender kommt da die Aussage des Sozialstaatssekretärs Kolling: "Die geriatrische Versorgung im Landkreis St. Wendel wird ausgebaut." Wie passt dies mit dem Konzept zusammen, die Reha abzuwickeln? Kolling spricht von einem "Strukturwandel", den sein Ministerium eingeleitet habe, weg von unrentablen Abteilungen wie in St. Wendel hin zu einer "verbesserten Angebotsstruktur für ältere kranke und pflegebedürftige Menschen". Konkret: Am Marienkrankenhaus soll trotz des aktuellen Abbaus das Angebot der Übergangspflege mit ärztlicher Betreuung aufgebaut werden. Dazu sei unter anderem ein geriatrisches Zentrum mit Kurzzeitpflege geplant.

In direkter Nachbarschaft zur Klinik soll es sogar einen Ausbau der Bettenzahl in der geriatrischen Reha geben. Nach SZ-Informationen beantragte der Betreiber Mediclin der St. Wendeler Bosenberg-Rehakliniken 30 Betten. Und das ist noch nicht alles: Die Illinger Reha-Fachklinik St. Hedwig (Betreiber: Cusanus-Trägergesellschaft Trier, kurz: CTT) möchte in diesem Bereich sogar um 40 Betten aufstocken. Zum Vergleich: Am Marienkrankenhaus gehen spätestens am 30. Juni 47 Plätze verloren (wir berichteten).

Für das Aus ausschlaggebend seien wirtschaftliche Gründe, wie Kolling die Angaben der Klinikleitung bestätigt. Denn der Nutzungsgrad sei zwischen 2012 und 2016 um rund zehn Prozent zurückgegangen. Gründe dafür nannte er nicht. In der Führungsetage des Marienkrankenhauses wurden die Chefs deutlicher: Die restriktive Handhabe der Krankenkassen, Reha zu genehmigen, habe der Abteilung mit 94 Beschäftigten den Todesstoß versetzt. Dies scheinen die Konkurrenten offensichtlich nicht zu fürchten.

Ob Ausbau des geriatrischen Reha-Angebots oder der Übergang im Krankenhaus nach Operation und stationärer Behandlung in die Rehabilitation - beides mit dem Ziel, wieder nach Hause zu kommen - Kolling ist überzeugt: Patienten müssten sich keine Sorgen machen. "Die wohnortnahe Versorgung mit einem entsprechenden Angebot bleibt im Saarland und vor allem im Landkreis St. Wendel auf hohem Niveau erhalten."

Auch ohne die geriatrische Reha an der Klinik. Die war 1995 gestartet worden. Das Projekt erhielt staatliche Förderung von 27 Millionen Euro. Unter anderem beteiligten sich der Bund und der Landkreis St. Wendel daran. Auf 25 Jahre war es angelegt. Jetzt endet es zwei Jahre früher, was grundsätzlich zu einer Rückforderung führe. Kollings Angaben nach verzichte der Landkreis darauf. Und wie sieht's mit Berlin aus? Hier ist der Staatssekretär ebenfalls frohen Mutes.

Um die ärztliche Altersversorgung flächendeckend dauerhaft zu sichern, soll ein neuer Krankenhausplan fürs Land Ende des Jahres ausgearbeitet sein. Dieser gelte dann bis 2025. Gutachter ermittelten zurzeit den wahrscheinlichen Bedarf. So solle das St. Wendeler Krankenhaus mit der Uni-Klinik in Homburg zusammenarbeiten. Das gemeinsame Feld: ein neues alterstraumatisches Zentrum.