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Entsorgung
Grüngutannahme wandert und wird teurer

 Derzeit wird das Gelände neben dem Wertstoffhof gerodet. Hier soll die Grüngutsammelstelle der Stadt St. Wendel hinkommen. Im Hintergrund sieht man den Wertstoffhof.
Derzeit wird das Gelände neben dem Wertstoffhof gerodet. Hier soll die Grüngutsammelstelle der Stadt St. Wendel hinkommen. Im Hintergrund sieht man den Wertstoffhof. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Städtische Kompostieranlage zieht von Oberlinxweiler neben den Wertstoffhof in St. Wendel. Keine gemeinsame Sammelstelle mit Namborn. Von Thorsten Grim

Die gelbe Tonne kommt und löst in St. Wendel den ungeliebten Plastiksack ab (wir berichteten). Und bei den Gartenabfällen beziehungsweise den kommunalen Kompostieranlagen stehen ebenfalls Veränderungen ins Haus. „Anders als bei der Abfallentsorgung konnten wir beim Grüngut nicht aus dem EVS aussteigen“, sagt dazu St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU). Die nordsaarländische Kreisstadt hatte vor nunmehr 19 Jahren dem Entsorgungsverband Saar (EVS) den Rücken zugekehrt und die Müllentsorgung selbst in die Hand genommen. Beim Grüngut gilt jedoch: Alle müssen mit. Und alle haben der Novellierung sowohl des saarländischen Abfallwirtschaftsgesetzes (SAWG) als auch der des Gesetzes über den Entsorgungsverband Saar (EVSG) Rechnung zu tragen.


Im Juli 2014 haben die saarländischen Landtagsabgeordneten beschlossen, die Verwertung des Grüngutes aus privaten Haushalten von den Kommunen auf den EVS zu übertragen. Wohingegen die Zuständigkeit für die Sammlung bei den Kommunen verbleibt. Inkraftgetreten ist die Neuregelung bereits zum 1. Januar des vergangenen Jahres. Per Übergangsregelung darf St. Wendel aber noch bis zum Jahresanfang 2020 selbst sammeln und verwerten. Dann wandert die Verwertung zum EVS, St. Wendel bleibt – wie alle Kommunen – zuständig für die Sammelstelle. Nun sind die Betreiber der Grüngut-Sammelstellen jedoch gesetzlich verpflichtet, diese gemäß den heutigen umwelttechnischen Anforderungen einzurichten.

Die 1992 gebaute St. Wendeler Kompostieranlage auf der ehemaligen Mülldeponie „Auf Arlesbruch“ in Oberlinxweiler entspricht nicht mehr diesen Anforderungen. Insbesondere nicht beim Ableiten des Wassers, da das anfallende Oberflächenwasser nicht über einen Kanal einer Kläranlage zugeleitet wird, sondern im Land versickert beziehungsweise über Gräben abgeführt wird. Die Fläche müsste mit einer wasserundurchlässigen Decke asphaltiert und das anfallende Oberflächen- und Sickerwasser in ein Rückhaltebecken geleitet werden. Dessen Überlauf wäre dann an einen Schmutzwasserkanal anzuschließen. Das Stadtbauamt schätzt, dass alleine dafür Kosten in Höhe von 280 000 Euro anfielen. Darüber hinaus müsste zusätzlich ein neuer Abwasserkanal gebaut werden, der nach Angaben aus der Verwaltung „jeglichen Kostenrahmen sprengen“ würde. „Den alten Standort aufzuwerten, würde unverhältnismäßig teuer“, sagt dementsprechend Bürgermeister Klär.



Eine Lösung präsentierte die Stadtverwaltung mit ihrem Grüngutkonzept bei der jüngsten Stadtratssitzung im Kulturzentrum in Alsfassen. Das Konzept erläutert ausführlich die Ist-Situation und empfiehlt letztlich das Aus für die Grüngut-Sammelstelle in Oberlinxweiler, deren Bau seinerzeit 678 000 D-Mark kostete. Eine neue soll neben dem Wertstoffhof in der Dr.-Walter-Bruch-Straße im St. Wendeler Gewerbegebiet entstehen. Dort besitzt die Stadt nach Angaben aus dem Rathaus ein Grundstück von rund 1200 Quadratmetern, das sich für eine Grüngut-Sammelstelle geradezu anbiete. Zwar ist auch diese Fläche derzeit unbefestigt und muss asphaltiert werden. Aber der Anschluss an einen Schmutzwasserkanal sei völlig unproblematisch. Der liege direkt vor Ort. Die Sammelstelle müsse nur noch angeschlossen und eine Zaunanlage um das Gelände gezogen werden. Nicht gebaut werden muss indes ein Büro oder ein Kassenhäuschen. Beides gibt es schon auf dem benachbarten Wertstoffhof und kann mitgenutzt werden. Die Stadtverwaltung kann zudem auf das Personal des Wertstoffhofs zurückgreifen, für das bereits Toilettenanlagen und Duschen vorhanden sind. Ebenso gibt es vor Ort einen Radlader. Aus Bürgersicht ebenfalls positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass die Kompostieranlage künftig an sechs Tagen die Woche geöffnet sein soll – statt wie bisher an drei. Alles in allem kalkuliert die Stadtverwaltung mit Gesamtkosten von 190 000 Euro, um das Gelände zu ertüchtigen.

Ein Nachteil der Anlage am Wertstoffhof ist, dass die Lagerfläche kleiner ist als die der Kompostieranlage in Oberlinxweiler. Da jedoch der EVS das Grüngut regelmäßig wird abfahren lassen, werden keine Rottenmieten mehr aufgesetzt beziehungsweise kompostiert. Darum wird auch weniger Lagerfläche benötigt. Aber dennoch so viel, dass Bürger der Gemeinde Namborn ihr Grüngut in St. Wendel nicht los werden. Die Gemeinde Namborn hatte in einem Schreiben vom 10. Januar 2018 die Errichtung einer gemeinsamen Grüngut-Sammelstelle angeregt. Zu dieser interkommunalen Zusammenarbeit wird es nicht kommen.

Kommen wird indes eine Gebührenerhöhung. Denn aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen müssen die Kommunen die Gebühren so festsetzen, dass die Gesamtkosten der Grüngutverwertung gedeckt sind. Hier fließt demnach sowohl der örtliche Anteil, also die Kosten der Stadt für den Betrieb der Sammelstelle, als auch der überörtliche Anteil ein – Kosten des EVS für Logistik, Transport, Behandlung und Verwertung. Die örtlichen Kosten werden voraussichtlich etwa ein Viertel der Gesamtkosten ausmachen, der Rest geht an den EVS. Zurzeit werden für Kleinmengen (Kofferraum) keine Entgelte erhoben, bei mehr als 500 Litern werden 2,50 Euro fällig und ab 1000 Litern sind fünf Euro zu berappen. Um die vorgegeben Kostendeckung zu erreichen, wäre es nach Angaben der Stadtverwaltung notwendig, künftig für Kleinmengen Geld zu verlangen und die anderen Tarife um mehr als das Doppelte zu erhöhen.

Um nun wildem Ablagern des Grünguts in Feld, Wald und Flur nicht Tür und Tor zu öffnen und die Bürger nicht über Gebühr zu belasten, soll nun geprüft werden, ob die Grüngutsammlung dem Abfallbetrieb der Stadt übertragen werden kann. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob und in welchem Umfang eine Quersubventionierung über die Abfallgebühren möglich ist. „Aber wir kommen nicht daran vorbei, dass es teurer wird“, bereitet Klär die Bürger vor. „Das liegt aber wie gesagt nicht in unserer Verantwortung“, betont der St. Wendeler Umweltbeauftragte Rauber.