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Sehgewohnheit gerät ins Wanken

Aus Rechtecken formt Horst Linn dreidimensionale Objekte. Foto: Horst Linn
Aus Rechtecken formt Horst Linn dreidimensionale Objekte. Foto: Horst Linn FOTO: Horst Linn
St Wendel. Was zunächst flach wirkt, gewinnt auf einmal Tiefe: Bildhauer Horst Linn spielt mit seinen Betrachtern. Dabei ist ihm die farbliche Neutralität wichtig. Eine neue Ausstellung gibt Überblick über sein Werk. red

"Über-Blick": Das ist nicht nur Name, sondern auch Inhalt der Ausstellung mit Werken von Horst Linn. Die Schau, die am Freitag, 2. September, 19.30 Uhr, im Museum St. Wendel eröffnet wird, zeigt das Schaffen des Bildhauers vom Beginn der 1960er-Jahre bis in die Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt auf den plastischen Arbeiten aus Metall, aber auch Exemplaren aus Karton, Zeichnungen und Kunstpostkarten sind zu sehen.



Linn ist die farbliche Neutralität in seinen Objekten wichtig, da sich so Materialeigenschaften und Formveränderungen authentischer zeigen können. Die Arbeiten entwickeln sich von einer geometrischen Grundfläche aus in den Raum. Aus planen Rechtecken werden dreidimensionale Parallelogramme. Der Herstellungsprozess der gleichmäßig gefalteten Reliefs lässt sich vom Betrachter rückläufig nachvollziehen. Der Künstler legt Wert auf den industriellen Charakter seiner Werke. Ihm geht es um die Umwandlung eines Industrieproduktes in ein ästhetisches, lebendig pulsierendes Gebilde, ein Kunstwerk.

In späteren Arbeiten erlaubt der Künstler Durchblicke auf die Wand und Einblicke in den Raum. Der Bildhauer spielt mit der Doppeldeutigkeit von Fläche und Raum und bringt dadurch unsere Sehgewohnheiten ins Wanken. Je nach Standpunkt verändert sich der Bildeindruck: Was zunächst flach wirkte, gewinnt auf einmal an Tiefe. Was räumlich erschien, zeigt sich von der Seite betrachtet nicht selten als reine Fläche. Bis Sonntag, 23. Oktober, ist die Ausstellung zu sehen. Kunsthistorikerin Petra Wilhelmy stellt am Sonntag, 18. September, um 15 Uhr, das von ihr erarbeitete Werkverzeichnis "Horst Linn - Relief 1961-2015" vor. Gleichzeitig lädt das Museum zum Werkgespräch mit dem Künstler.

Öffnungszeiten des Museums im Mia-Münster-Haus: Di, Mi, Fr, jeweils 10 bis16.30 Uhr; Do, 10 bis18 Uhr; Sa 14 bis 16.30 Uhr; Sonntags (und an Feiertagen) 14 bis 18 Uhr. Montags geschlossen.