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Schüler setzen Irrsinn in Szene

St Wendel. „Irre ist menschlich“ heißt das Theaterstück, für dessen Aufführung die Schüler seit Monaten üben. Heute Abend um 19 Uhr hebt sich endlich der Vorhang für die Premiere. Jennifer Sick

"Das ist die bekloppteste Aufführung, die wir je hatten", stellt Nino Steffeck, Schüler am Wendalinum und Mitglied der dortigen Theater-AG, fest. Ganz frei heraus umschreibt er so das Stück "Irre ist menschlich", das am heutigen Donnerstag, 19. März, und am morgigen Freitag, 20. März, jeweils um 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums Wendalinum aufgeführt wird.

Und tatsächlich entspricht das Stück nicht unbedingt den Vorstellungen, die man bei einer Schultheater-AG hat. "Wenn man eine Handlung sucht, wird man enttäuscht", führt Regisseur und AG-Leiter Philipp Schneider aus. "Jede Szene steht für sich und man kann sich völlig unbedarft auf jede einzeln einlassen."

Möglich macht dies ein neues Konzept, das der Regisseur in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Darstellern verfolgt. Denn anders als sonst griff die Theater-AG nicht auf bestehendes Material wie Büchners "Leonce und Lena" oder Goethes "Faust" zurück, sondern entwickelte selbst ein Stück, das nun zur Aufführung gebracht werden soll.

"Wir trafen uns zu Beginn des Schuljahres und haben uns gemeinsam für die Thematik Irrenhaus entschieden", erinnert sich Darsteller Jacob Brill. Danach, so der 15-Jährige weiter, habe jedes Mitglied sich Rollen und Szenen selbst ausgedacht, um sie im Kollektiv zu verfeinern und dann schließlich auf die Bühne zu bringen. Der Vorteil dabei: Jeder konnte seine speziellen Talente einbringen und Rollen entwickeln, die ihm auf den Leib geschneidert sind. So zeigen Jacob Brill, sein Bruder Clemens und seine Schwester Clara beispielhaft eine Szene, in der es um den Irrsinn in Familien geht - inklusive Tanzeinlage, denn die Geschwister können eben nicht nur gut schauspielern, sondern eben auch hervorragend tanzen.

"Ich fand es spannend, diese Freiheit zu haben", erzählt Philipp Schneider. "Es ist doch undankbar, wenn man nur ein, zwei Hauptrollen hat und alle anderen Darsteller, nur wenige Sätze vorbringen dürfen."

Genau das ist bei "Irre ist menschlich" nicht der Fall. Denn alle Darsteller übernehmen durch den szenarischen Aufbau mehrere Rollen. "Ich bin mal eine Betreuerin, dann wieder ein Patient und am Ende eine Ärztin", berichtet Hannah Geitlinger.

Stück bietet Abwechslung


Die Möglichkeit, so viele Rollen zu übernehmen, ist für die erfahrene Theater-AGlerin eine willkommene Abwechslung: "Das ist natürlich viel interessanter, als auf einen Charakter festgelegt zu sein", freut sie sich über die Herausforderung.

Doch nicht nur die vielen Rollen, in die die Schüler schlüpfen müssen, stellen eine Herausforderung dar. Auch das Thema selbst ist kein leichtes. "Wir möchten auf einer Seite natürlich unterhalten", erklärt Nino Steffeck die Schwierigkeit des Stückes, "aber wir wollen auch die unterschiedlichen psychischen Krankheiten, die wir ausgewählt haben, realistisch darstellen und zeigen, wie bedrückend es im Innern kranker Menschen aussehen kann." Eine schwierige Aufgabe, für deren Meisterung die Schüler seit Monaten dreimal die Woche proben.

Ob und wie es ihnen gelingt, kann man bei den beiden Aufführungen am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag selbst beurteilen. Auf jeden Fall erwartet den Besucher ein ungewöhnliches Stück, engagierte junge Darsteller und - wie Regisseur Philipp Schneider verspricht - noch die "ein oder andere Überraschung".