| 20:23 Uhr

Wendelin
Roadmovie auf den Spuren Wendelins

Das Filmteam um Max Kern (von links), Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs sowie Regisseur und Kameramann Philipp Majer.
Das Filmteam um Max Kern (von links), Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs sowie Regisseur und Kameramann Philipp Majer. FOTO: Bonenberger / Bonenberger & Klos
St. Wendel. Eine neue Dokumentation zeigt, dass der Schutzpatron in aller Welt zuhause ist. Bald gibt es die DVD dazu.

Premierenfeier am Mittwoch über den Mythos des heiligen Wendelin im St. Wendeler Neuen Theater. Der informative und unterhaltsame 70-minütige Dokumentarfilm „Wendelin weltweit“ erzählt 1400 Jahre nach seinem Tod von den Spuren des heiligen Wendelin, die noch heute weltweit zu finden sind. „Wir haben ein Jahr gedreht. Klinkenputzen und Straßenkampf waren für Finanzierung nötig“, berichtet Produzentin Barbara Wackernagel-Jakobs.



Film ab. Max Kern, ein 24-jähriger Saarbrücker, macht sich von St. Wendel aus auf die Suche nach den Spuren des Schutzpatrons, der im 6. und 7. Jahrhundert im nördlichen Saarland gelebt und gewirkt hat. „Zuvor habe ich mich damit nicht befasst“, erklärt Kern. Von der Kreisstadt ausgehend waren es Auswanderer und Missionare, die die Verehrung Wendelins in die Welt hinausgetragen haben. Kern ist bei seiner Spurensuche auf die Hilfe von Experten angewiesen. Im Heimatmuseum des Bohnentaldörfchen Neipel berichtet ihm der Hasborner Klaus Lauck über die einstige Auswanderungswelle nach Brasilien, und er besucht Sao Vendelino im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Statuen und Kapellen begegnen ihm in Südamerika zuhauf. „Bei uns wird Wendelin noch immer verehrt“, entgegnet Pastor Marcio Weber dem Saarländer mit einem hunsrückerischen Dialekt. In der Schweiz erfährt er von einer langen Tradition des Wendelin-Feiertages am 20. Oktober in den Kantonen Wallis und Graubünden.

„Es war Brauch, bei Bedarf den heiligen Wendelin anzurufen, alle Bauern wollten seine Hilfsmacht“, sagt Pfarrer Thomas Müller. Bei den Eidgenossen galt Wendelin in der Not früher wie eine Versicherung, weil es noch keinen Tierarzt gab. Zurück in der Heimat will Kern wissen, welche Strahlkraft Wendelin in Nordamerika hat. Erste Anlaufstelle ist für ihn Heimatforscher Roland Geiger aus Alsfassen. Im Luxemburg/Minnesota besichtigt er später eine nach Wendelin benannte Schule und Kirche. „Wie Jesus Christus ist Wendelin bei uns ein Glaubensheiliger“, erklärt ihm Pfarrer Bechthold, der erfolgreich vom Trierer Bischof Ackermann eine Relique des Schutzheiligen erbeten hat. Das Basketball-Schulteam in Perkinsville/New York hat St. Wendel Mohawks auf dem Trikot stehen. „Ich dachte zunächst, Wendelin wäre eine Frau, es hat sich nach Gwendolin angehört“, erzählt Pfarrer Matthews aus Butler im US-Bundesstaat Ohio. Dem katholischen Kirchenmann hat bei seinen Recherchen nach Wendelin das Wappen von St. Wendel so gut gefallen, dass es nun den Briefkopf der Kirchengemeinde in Butler schmückt. Stolz schildern die Slowaken in Zuberec dem neugierigen Kern, dass sie während der Wallfahrtswoche 2007 vom damaligen St. Wendeler Pastor Anton Franziskus eine Reliquie des heiligen Wendelin erhalten hatten. Auf seiner letzten Stippvisite begleitet er den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Anton Stier auf die Mittelmeerinsel Lampedusa, wo die Kirchengemeinde Flüchtlingsprojekte des Insel-Pfarrers Don Momo finanziell unterstützt, die zur Wallfahrt 2013 ins Rollen gekommen sind. „Wendelin ist nun für mich ein Stück Heimat“, stellt Kern am Ende des Roadmovies fest.

Für Regisseur Philipp Majer war Wendelin anfangs ein Begriff. Daraus sei ein spannendes Thema geworden, weil es um mehr als nur um Glaube, Statue und Religion gegangen sei.

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