| 20:04 Uhr

Präventionstheater
Nur wer sich wehrt, kann etwas ändern

Tine (Gonca Morgentau, links) und Schutzengelanwärter Teugel (Charalampos Lavassas) spielten im Präventions-Bühnenstück „Ganz schön blöd!“ mit.
Tine (Gonca Morgentau, links) und Schutzengelanwärter Teugel (Charalampos Lavassas) spielten im Präventions-Bühnenstück „Ganz schön blöd!“ mit. FOTO: Frank Faber
Bliesen. Das Präventionstheater Zartbitter aus Köln zeigte mit ihrem Stück Schülern, wie sie sich bei sexuellen Übergriffen richtig verhalten. Von Frank Faber

An zwei Tagen besuchten 800 Grundschüler aus dem Landkreis die Aufführung „Ganz schön blöd!“ vom Kölner Präventionstheater Zartbitter in der Bliesener Mehrzweckhalle.


„Wir haben das Stück schon zum vierten Mal hier“, sagt Ellen Lenz, Schoolworkerin beim Landkreis St. Wendel. Denn das Zwei-Personen-Stück „Ganz schön blöd!“ vermittelte den Schülern Handlungskompetenzen gegen sexuellen Missbrauch durch Erwachsene. Es stärkt Mädchen und Jungen gegen Angstmache und sexuelle Übergriffe durch Jugendliche und Gleichaltrige und setzt auf eine altersgerechte Art und Weise einen deutlichen Schwerpunkt in der Vorbeugung von Gewalt im Internet, per Handy und Spielkonsole. Dabei benennt das Theaterstück nicht nur die Problematik, sondern fördert die Widerstandskraft und Solidarität der Kinder untereinander, die Übergriffe per Handy und Internet keineswegs cool, sondern gemein finden. Und das passierte auf der Bühne.

Die Geschichte von Tine (Gonca Morgentau) und dem leicht tolpatschigen Schutzengelanwärter Teugel (Charalampos Lavassas), befasst sich mit fast alltäglichen Problemen der Schüler. Wo Eltern und Lehrer mit Themen wie Mobbing in der Schule und Belästigungen im Schwimmbad oder dem Problem von Nacktfotos in Whatsapp-Gruppen oft an ihre Grenzen stoßen, setzte das Theaterstück an. Weil Tine in der Geschichte eben mit solch einem Dilemma konfrontiert war und plötzlich Nacktbilder von ihr und ihrer Freundin bei Whatsapp auftauchten, wusste sie nicht weiter. Der bislang eher glücklose Schutzengel tat das Richtige: Er machte dem Übeltäter vor, dass er bereits Polizei und Jugendamt eingeschaltet hat.



Seine Strategie ging vollends auf. Der Fotograf entschuldigte sich, zeigte Reue, und sorgte dafür, dass die Bilder gelöscht wurden.

Nach dem Theaterstück unterhielten sich die beiden noch mit den Grundschülern. „Das Stück soll den Schülern nicht nur gut gefallen, vielmehr sollen sie verstanden haben, was es ihnen vermittelt hat“, sagte Tine. Und dazu ging die Darstellerin ins Detail. „Keiner darf euch fotografieren, ohne dass ihr es wollt“, erklärte Tine. Bei Belästigungen und Mobbing riet sie den Kindern, sich bei Eltern und Lehrern Hilfe zu holen. „Blöde Geheimnisse darf man weitererzählen“, meinte die Schauspielerin. Die Botschaft am Ende des Bühnenstücks war eindeutig: Nur, wer sich um seine Probleme kümmert, wer eine Vertrauensperson einschaltet und nur wer seinen Sorgen entgegentritt, kann eine Verbesserung der Situation erwarten.