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Peter Klär setzt auf seinen langen Atem

Der Bosenberg in der Kreisstadt: Hier ist Peter Klär des Öfteren anzutreffen, wenn er joggt. Der Hobby-Läufer trainiert hier auch für Marathonteilnahmen. Foto: Bonenberger & Klos
Der Bosenberg in der Kreisstadt: Hier ist Peter Klär des Öfteren anzutreffen, wenn er joggt. Der Hobby-Läufer trainiert hier auch für Marathonteilnahmen. Foto: Bonenberger & Klos FOTO: Bonenberger & Klos
St Wendel. Langstreckenläufer – sowohl in sportlicher Hinsicht als auch auf der politischen Bühne. So sieht sich Peter Klär. Sollte er zum Bürgermeister gewählt werden, will er auf Bestehendes aufbauen, setzt dabei auf Bürgerideen. Matthias Zimmermann

Die Gaststätte "Zum Ochsen" - nicht nur die älteste Restauration des Saarlandes, nicht nur der Ort, an dem Peter Klär aufwuchs. Für ihn ist diese historische Stelle weitaus mehr: "Von hier aus haben wir St. Wendel umgekrempelt. Es hieß deshalb über Jahre im Jargon auch das heimliche Rathaus III." Der sonst eher sachlich-nüchtern auftretende Politiker lächelt schon fast schelmisch, während er von jener Zeit berichtet, als er der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) angehörte, mit Klaus Bouillon und weiteren Jungspunden Pläne schmiedete. Damals war der Stadtrat, insbesondere seine Fraktion, eine "Alt-Herren-Liste", sagt der heute 53-Jährige.

Den Laden zusammenhalten


Heute sieht er seine Stunde gekommen, im Rathaus den Chefposten zu übernehmen. Nach 30 Jahren seines Parteikollegen Bouillon als Bürgermeister, der als Innenminister nach Saarbrücken wechselte. Klär attestiert ihm ordentliche Dienste. "Das Gebäude ist gut gebaut." Was der christdemokratische Bürgermeisterkandidat darunter konkret versteht? "Die Öffentlichkeit steht hinter dem, was aus dem Rathaus kommt." Und damit das so bleibt, will "ich den Laden zusammenhalten", kündigt Klär zielstrebig an, sollte er am 15. März gewählt werden. Den Laden zusammenhalten, in dem er seit fünf Jahren als Erster Beigeordneter Bürgermeister-Stellvertreter ist.

Und da möchte er anknüpfen. Ohne das Rad neu zu erfinden, auf Bestehendem aufbauen. Wie beispielsweise auf das neue Rathaus gegenüber dem Dom. Hier sollen "Tradition und Innovation" zusammenwachsen. Im historischen Haus die klassische Stadtverwaltung, gepaart mit Bürgerbüro. "Es sollen nicht alle Ideen von mir kommen, sondern auch von außen." Von den Menschen, die hier leben, erwarte er Anregungen und Vorschläge. Das geschehe schon heute. Klär: "Seit 12. Januar habe ich die Aufgabe übernommen und bekomme täglich Anrufe von Bürgern."

Dabei mangle es ihm an eigenen Ideen nicht. So liege ihm die Mott am Herzen, die er "gestalterisch aufwerten" möchte. Einen neuen Fußweg vom neuen Rathaus und der bestehende Parkplatz hinter dem Mia-Münster-Haus sowie das Terrain über der Tiefgarage müsste seiner Ansicht nach neu gestaltet werden. Denn "da fehlt mir was", gesteht er. Nach 40 Jahren müsse sich hier etwas tun. Studenten könnten sich an einem Konzept beteiligen.

Was Klär des Weiteren bewegt: "Eine Stadt muss ordentliche Wohnverhältnisse schaffen, Schulen erhalten und ein attraktives Kulturangebot bieten." Dafür sei er zu haben. In diesen Bereichen werde sich St. Wendel mit ihm weiterentwickeln. "Eine Stadt darf nicht langweilig werden, sonst verschwindet sie vom Markt." Trotz fehlender Autobahnanschlüsse habe sich St. Wendel während der vergangenen Jahrzehnte weiterentwickelt. Betriebe schätzten die Unterstützung durch die Verwaltung.

Das schaffte Arbeitsplätze. Dies soll so fortlaufen. Die Stadt selbst beschäftige 280 Menschen. Wie sieht das künftig aus? "Die Kommunalstruktur wird sich verändern, das Ergebnis kenne ich nicht." Überzeugt ist er allerdings, dass St. Wendel im Wettstreit mit anderen Gemeinden eine "hervorgehobene Stellung" behalten werde.

Das betreffe insbesondere die medizinische Versorgung und den Einzelhandel vor Ort. Peter Klär denkt an die alternde Gesellschaft, sieht die Stadt samt Stadtteilen als Wohnraum für Bürger ab 60. "Die fragen: ‚Wo ist ein Arzt, wie komme ich dahin?' Dafür müssen wir eine Infrastruktur bieten."

Neue Sporthalle

Das geht auch den Sport an. So macht sich Klär für eine neue Drei-Feld-Halle stark, um Großveranstaltungen anzuwerben. Sie solle mit neuem Freibad und Schulen einen Komplex bilden. Was die Finanzierung betrifft, könnten sich Stadt, Landkreis und Saarland die von ihm auf "unter zehn Millionen Euro" geschätzten Baukosten teilen. Realisierungszeit? Laut Klär zwei bis drei Jahre.

Kleine Schritte, die sich der Kommunalpolitiker vornimmt. Was seine Einstellung bestätigt: "Alles neu machen will ich nicht, aber den ersten Platz halten", sagt er. Und lehnt sich auf seinem knorrigen Holzstuhl zurück. Lässt die Blicke durch das alte Interieur des Lokals "Zum Ochsen" schweifen. Und lächelt abermals schelmisch beim Hinausgehen, während er die Tür hinter sich zuzieht: "Die klemmt wie früher."Wo sehen Sie die Stärken von St. Wendel ?

Peter Klär: Was ich an unserer Stadt besonders schätze, ist der starke Zusammenhalt und das ausgeprägte soziale Miteinander.

Was würden Sie am liebsten jetzt direkt ändern?

Klär: Direkt würde ich kleine Geschäfte in alle Stadtteile bringen.

Was bedeutet Macht für Sie?

Klär: Mit Macht und besonders Machtstreben verbinde ich gerade aktuell eher etwas Bedrohliches, weil sie zu oft in der Hand Einzelner liegt. Deshalb muss sie durch demokratische Regeln und Prozesse begrenzt werden. Ich rede lieber von der Pflicht, übertragene Verantwortung bewusst wahrzunehmen.

Wo liegen Ihre Schwächen?

Klär: Ich kann meinen Töchtern selten einen Wunsch abschlagen.

Was würden Sie durchsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Klär: Kindern, die unterdrückt und misshandelt werden, ihre verlorene Kindheit zurückgeben.

Welcher Politiker ist Ihr Vorbild?

Klär: Angela Merkel macht eine gute Arbeit. Das gefällt mir.

Mit welcher Filmfigur können Sie sich identifizieren? Und warum?

Klär: William von Baskerville, gespielt von Sean Connery in "Der Name der Rose ". Ein nachdenkender, in sich ruhender, verständnisvoller Mensch, der etwas von der eigenen Lebenserfahrung an Jüngere weitergibt.

Was ist Ihre Lebensphilosophie ?

Klär: Nicht immer und überall der Erste sein zu müssen und nicht vergessen, wo die eigenen Wurzeln sind.

Welche Stärken haben Sie?

Klär: Geduldig und moderat zu sein, würde ich sagen.

Worüber können Sie lachen?

Klär: Über gute Witze und manchmal auch über mich selbst.

Was bringt Sie eigentlich zur Weißglut?

Klär: Unverbesserliche Rechthaberei.

Wenn Sie sich etwas von den Bürgern wünschen könnten (außer, dass sie am 15. März zur Wahl gehen), was wäre das?

Klar: Die St. Wendeler Bürgerinnen und Bürger sollen sich weiter für ihre Stadt interessieren und sich gemeinsam für unsere Zukunft engagieren.

Was schätzen Sie an Ihrem politischen Gegner?

Klär: Politische Gegnerschaft ist nicht meine Wortwahl. Also, dass er sich für unsere Stadt einbringt, finde ich gut. So soll das unter Demokraten auch sein.

Zum Thema:

Zur PersonPeter Klär (53), verheiratet, drei Töchter. Gebürtiger St. Wendeler. Abitur, Bundeswehr, Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Leitende Funktionen in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft mit Personal- und Finanzverantwortung. Zuletzt Geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Geschäftsführer, unter anderem für Investitionen, Bautätigkeit und Organisation verantwortlich.Seit zehn Jahren Abteilungsleiter im Saar-Innenministerium. Dort zuständig für Bevölkerungsschutz, Jugendhilfe, Integration, Sportinfrastruktur und Sportförderung. Mitglied in der saarländischen Krankenhauskonferenz und im Kuratorium der Stiftung Hospital St. Wendel .Hobbys: Fußball, Musik, Marathonlauf .Politische Laufbahn: Seit 1984 Stadtratsmitglied, seit mehr als zehn Jahren Stadtbeigeordneter, davon die vergangenen fünf Jahre Erster Beigeordneter, damit Stellvertreter des Bürgermeisters. red