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Umzug
Nach 131 Jahren: Wingertschule verlässt St. Wendel

Das Gebäude der Wingertschule in St. Wendel: Noch bis Ende des Schuljahres 2018/19 werden die Schüler der staatlichen Förderschule hier unterrichtet.
Das Gebäude der Wingertschule in St. Wendel: Noch bis Ende des Schuljahres 2018/19 werden die Schüler der staatlichen Förderschule hier unterrichtet. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Die staatliche Förderschule für soziale Entwicklung findet zum nächsten Schuljahr eine neue Bleibe in Neunkirchen. Von Evelyn Schneider

Seit 131 Jahren gibt es die Wingertschule. Zunächst auf dem Gelände der Stiftung Hospital beheimatet, zog sie im Herbst 2006 aus Platzgründen in die ehemalige Annenschule nach Alsfassen. Nun steht ein erneuter Umzug bevor. Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 geht es für die aktuell 82 Schüler und ihre Lehrer in ein neues Gebäude – und in eine neue Stadt: Neunkirchen.


Die Zukunft der Wingertschule war Thema in der jüngsten Stadtratssitzung. Für die SPD-Fraktion fragte Marc André Müller nach dem genauen Umzugsdatum und möglicher neuer Nutzung des Gebäudes. Dieses ist nämlich im Besitz der Kreisstadt St. Wendel. Das Land als Träger der Förderschule für soziale Entwicklung hat die Räumlichkeiten lediglich gemietet.

Wie Bürgermeister Peter Klär (CDU) im SZ-Gespräch berichtet, habe er beim Durchsehen der Landes-Haushaltspläne einen Posten für die Wingertschule entdeckt. So habe er von deren Umzug erfahren. Laut einer Sprecherin des Bildungsministeriums sei die Stadt „im Vorfeld in die Überlegungen einbezogen und rechtzeitig über die Standortverlagerung informiert worden“. Der Mietvertrag wiederum sei fristgerecht vom Innenministerium zum Ende des Schuljahres 2018/19 gekündigt worden. Dies bestätigt auch Klär. Wobei er gerne der Bitte entsprochen habe, dass die Schule die Räume auch länger nutzen kann, sollte sich der Umzug verzögern.



Denn aktuell stehen an dem künftigen Zuhause der Wingertschule noch Arbeiten an. Wie die Sprecherin des Kultusministeriums berichtet, zieht diese in einen Leerstand der Schule am Ziehwald im Jägermeisterpfad 5 in Neunkirchen. Die Räumlichkeiten dort werden baulich für die Bedürfnisse einer gebundenen Ganztagsschule hergerichtet. Pünktlich zum Beginn des Schuljahres 2019/20 soll alles fertig sein. Um die Arbeiten am Gebäude kümmert sich der Kreis Neunkirchen als Eigentümer. Die Kosten, so das Ministerium, werden vom Land als Schulträger erstattet.

Der neue Standort für die Wingertschule sei bewusst gewählt worden. Geografisch gesehen, befinde sich das künftige Schulgebäude in der Mitte des Einzugsgebietes. Denn Schüler aus den Landkreisen St. Wendel, Neunkirchen sowie dem Saarpfalz-Kreis werden an der staatlichen Förderschule unterrichtet. „Mit dem Standortwechsel soll ein anderes pädagogisches Konzept verfolgt werden“, erläutert die Ministeriums-Sprecherin weiter. Die bisher in Halbtagesform geführte Schule wird in eine gebundene Ganztagsschule umgewandelt. Dabei würden auch die drei je nach Wohnort der Schüler zuständigen Jugendhilfeträger einbezogen. So sollen Schule und Jugendhilfe gezielt aufeinander abgestimmt werden und voneinander profitieren. Die Umstellung auf ein Ganztags-Schulsystem ist auch der Grund für den Umzug nach Neunkirchen. Die dadurch veränderten Anforderungen an das Schulgebäude wären in der einstigen Annenschule in St. Wendel nicht zu realisieren gewesen, schreibt das Ministerium. Den Weggang der Schule bedauert Bürgermeister Klär, auch wenn nicht die Stadt, sondern das Land deren Träger ist.

Aber wie geht es mit dem dann leerstehenden Gebäude weiter? Eine konkrete Nutzungsidee gibt es noch nicht. In den Jahren 2014 bis 2017 sind, so erläutert Klär, gut 450 000 Euro in die energetische Sanierung, den Brandschutz, in  Dach und Treppenhaus investiert worden. Somit stehe das Gebäude erstmal ganz gut da. „Es bleibt kein Leerstand“, betont Klär. Ob Wohnraum oder Dienstleistung – der Rathauschef ist, was Ideen betrifft, noch offen. Was ihm wichtig ist, ist ein Gesamtkonzept. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den gesamten Bereich entwickeln können.“ Damit meint Klär das Areal mit dem Schulgebäude samt Schulhof, dem Platz vor dem Gemeindezentrum weiter hinauf zu Jugendverkehrsschule und Sportplatz. 10 000 Quadratmeter groß ist diese Fläche, im Schulgebäude verteilen sich zirka 2500 Quadratmeter auf drei Etagen. Bewusst sei dieser Bereich bereits ins Stadtentwicklungskonzept aufgenommen worden. Denn in Alsfassen leben laut Klär etwa 5000 Menschen, aber eine richtige Ortsmitte gebe es nicht. So müsse der Platz vor dem Gemeindezentrum befestigt werden. Doch im nächsten Jahr wird er erstmal gebraucht, um dort Baugeräte abzustellen. Denn in der St. Annenstraße stehen Kanalarbeiten an.