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Mit Clowns Nähe gewinnen

St Wendel. Elf Teilnehmer des Qualifizierungsprojekts wollen künftig als Clowns vor dementen Senioren auftreten. Im Impuls-Forum der St. Wendeler Stiftung Hospital hat der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes erstmals ein Clown-Seminar für die Betreuung von Menschen, die an der Krankheit Demenz leiden, angeboten. Frank Faber

Zur Weiterentwicklung und Verbesserung von demenzkranken Menschen hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Saarland ein bisher einmaliges Seminar organisiert. Elf Teilnehmer haben sich zum Demenz-Clown qualifiziert. "Es ist nicht einfach, die Therapie innerhalb des Verbandes einzusetzen", berichtete Martin Erbelding von der DRK-Stabsstelle.

Lebensgefühl verbessern


Doch die Befürchtungen, die älteren Menschen könnten sich bei einem Auftritt des Demenz-Clowns auf den Arm genommen fühlen, seien unbegründet. "Der Clown will die kognitive Situation und das Lebensgefühl der älteren Menschen verbessern", erklärte Seminarleiter und Humor-Coach Ulrich Fey. Seine Kursteilnehmer sind größtenteils Schauspieler und arbeiten teilweise schon als Kinder- oder Klinikclown. "Eine derartige Ausbildung war Voraussetzung für die Teilnahme an der Qualifizierungsmaßnahme. Es ist eine Fortbildung und kein Schnupperkurs", stellte Fey klar. Durch sein Buch "Clowns für Menschen mit Demenz " war Erbelding auf den professionellen Spaßmacher aufmerksam geworden, der darauf den 57- jährigen Ex-Sportjournalisten als Kursleiter engagiert hat. "Egal, ob die Leute einen als Clown erkennen, Hauptsache die Leute freuen sich. Ziel ist die Begegnung, bis dann etwas passiert", vermittelte Fey seiner Gruppe. Der Weg dahin führe über Zeit, Ruhe, die Absichtslosigkeit und die Harmlosigkeit, dass kriege jeder kognitiv eingeschränkter Mensch mit. "Es ist ein Leben in einem Paradoxum", umschrieb der Lehrgangsleiter. Über Gefühle und Emotionen wollen die Demenz-Clowns die Menschen erreichen. Ein Erfolgserlebnis sehen sie darin, den Menschen, die ihr Leben vergessen haben, ein Lächeln zu entlocken. Die komische Kunst dabei sei, so Fey, keinerlei Absicht zu verfolgen. Er erläuterte warum. "Die Leute mit Demenz sind immer echt und authentisch, weil sie einfach nicht anders können." Deshalb existiere der gestikulierende Comic-Clown bei der Annäherung mit dem dementen Menschen nicht. "Die Erwartungsphase ist jedes Mal neu, geht nichts, dann geht halt nix", sagte Fey. Alle Leute im Pflegedienst verfolgten ein bestimmtes Ziel oder eine Absicht. Der Clown nicht.

An vier Tagen wurden die elf Demenz-Clowns auf ihren künftigen Einsatz vorbereitet. "Hauptsächlich geschieht das mit Rollenspielen", so Fey. Dabei ging es um das Vertrauen und den Mut zum Nichtstun oder die Wahrnehmung und Langsamkeit im Kontakt miteinander. Der Heilerziehungspfleger Jörg Weiland referierte über die medizinischen Aspekte von Demenz , Marion Kronauer über den Umgang mit Menschen, die daran leiden. Nach den Sommerferien sollen die Demenz-Clowns in den Rotkreuz-Betreuungseinrichtungen Café Vergissmeinnicht tätig werden. "Sie sollen die soziale Bereuung von dementen Menschen übernehmen und gleichzeitig deren Angehörige stundenweise entlasten", erläuterte Erbelding. Für die zertifizierten Demenz-Clowns besteht zudem die Möglichkeit, sich bei anderen sozialen Trägereinrichtungen zu bewerben.