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Nach Streit
Messerangriff: Schüler fliegt vorerst von Schule

Polizeieinsatz an der Dr.-Walter-Bruch-Schule in St. Wendel nach der Messerattacke am Mittwochvormittag. Foto: frf
Polizeieinsatz an der Dr.-Walter-Bruch-Schule in St. Wendel nach der Messerattacke am Mittwochvormittag. Foto: frf FOTO: frf
St Wendel. Polizei geht bei blutiger Auseinandersetzung an der Dr.-Walter-Bruch-Berufsschule in St. Wendel von Einzelfall aus. Matthias Zimmermann

Noch ist nicht abschließend geklärt, was zu dem Ausraster eines 16-Jährigen geführt hatte. Warum der in der Gemeinde Nohfelden lebende Schüler mit einer scharfen Teppichmesserklinge auf einen Mitschüler (17) aus Illingen losging. "Die Vernehmungen von Zeugen laufen noch", berichtete am Freitagmittag St. Wendels Polizeichef Martin Walter. Deshalb wollten er und seine Kollegen zum jetzigen Zeitpunkt auch keine neuen Details zu Ursache und Verlauf der handfesten Krawalle an die Öffentlichkeit geben.


Nur so viel: "Der Zwischenfall ist weniger dramatisch, als er sich beim Alarm dargestellt hat." Damit widersprach die Polizei anderslautenden Darstellungen in sozialen Netzwerken des Internets, in denen bis hin zu einem Blutbad mit schweren Verletzungen die Rede war. Die jungen Leute seien, ergänzt ein Sprecher der Polizeiinspektion, nach ambulanter Behandlung im Marienkrankenhaus wieder entlassen, keiner sei stationär aufgenommen worden.

Allerdings hat die Tat für den mutmaßlichen Angreifer jetzt schon schwerwiegende Folgen. Die Pressesprecherin des Saar- Bildungsministeriums, Marija Herceg: "Bis zur abschließenden Klärung des Vorfalls wurde dieser Schüler mit sofortiger Wirkung der Schule verwiesen."



Nach bisherigem Sachstand entbrannte der Streit am Mittwoch kurz vor halb zwölf auf dem Parkplatz des technischen Zweiges der Dr.-Walter-Bruch-Berufsschule in der Kreisstadt. Es ging um den Aufenthaltsort einer Schülergruppe nahe der Autos, was einem Jugendlichen gestunken haben soll. Er verlangte sodann, dass sich die Truppe einen anderen Platz sucht. Darauf bekamen sich der 16-Jährige und der 17 Jahre alte Jugendliche zunächst wortreich in die Haare. Kurz darauf rauften sie sich, Mitschüler brachten sie erst einmal auseinander.

Im Schulgebäude zückte der Jüngere die Klinge und verletzte den Illinger an Arm und Hand. Ein St. Wendeler (22) sprang dazwischen und bekam dabei einen kleinen Schnitt an der linken Schläfe ab. Ein junger Mann aus Ottweiler wollte ebenfalls eingreifen, um den Angriff zu stoppen. Nach Angaben des Polizeisprechers wurde er dabei gekratzt. Eine Blessur durch das Messer habe der 20-Jährige aber nicht davongetragen. Abermals wiederholte der Polizeisprecher, dass es sich nur um leichte Verletzungen gehandelt habe. Die Darstellung im Internet, wonach einige Beteiligte "zum Teil ernsthaft verletzt wurden", treffe keineswegs zu. Interimsschulleiterin Kirsten Prams bestätigte dies. Weiter wollte sie sich allerdings nicht zu dem Streit äußern. Dafür kam eine Stellungnahme aus dem Ministerium, wonach die drei Angegriffen "nur kurz im Krankenhaus versorgt werden mussten". Schon eine Stunde später seien sie in die Schule zurückgekehrt und sollen wenig später zur Zeugenaussage bei der Polizei erschienen sein, teilte Marija Herceg mit.

Schüler sprachen indes via sozialem Netzwerk Facebook von einem für sie "schockierenden Vorfall". Dieser hätte deren Ansicht nach "weitaus schlimmer" ausgehen können. Insbesondere gebe es ihnen zu denken, "dass der Angreifer (…) während der Schulzeit bewaffnet war und nicht zögerte, diese Waffe einzusetzen".

Um das Erlebte zu verarbeiten, werde sich um die Betroffenen gekümmert. Ministeriumssprecherin Herceg teilte mit, dass die drei Verletzten schulpsychologisch betreut würden.

Für die Polizei sei die Schlägerei an einer Schule ein Einzelfall in der Region. Weitere Vorkommnisse ähnlicher Art seien aus jüngster Vergangenheit nicht bekannt. Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, gehen die Akten an den Staatsanwalt, kündigte der Behördensprecher an. Noch stünden Zeugenvernehmungen an.

Über die Staatsangehörigkeit des mutmaßlichen Täters schwieg die Polizei. Inspektionsleiter Walter: "Die Nationalität spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle." Auch der Polizeisprecher wollte übers Internet verbreitete Angaben dazu nicht kommentieren.

Leser debattieren im Internet weiter zu dem Vorfall. Das geht auch über die Seite der St. Wendeler Zeitung beim sozialen Netzwerk Facebook. www.facebook.de/

saarbrueckerzeitung.wnd