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Lotsen sollen Älteren den Alltag erleichtern

Das Angebot von „mobisaar“ im Saarpfalz-Kreis richtet sich an Personen, die allein mit Bus und Bahn unterwegs sind oder im Rollstuhl sitzen. Foto: Oliver Dietze
Das Angebot von „mobisaar“ im Saarpfalz-Kreis richtet sich an Personen, die allein mit Bus und Bahn unterwegs sind oder im Rollstuhl sitzen. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
St. Wendel. Einstiegs- und Ausstiegshilfen in Bussen und Bahnen, Begleitung von der Haustür bis zum Zielort – und das saarlandweit. Das Projekt „mobisaar“ will überall im Land Mobilitätsbarrieren im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) abbauen. Der Saarpfalz-Kreis wird sich künftig an dem Modellprojekt in Dörfern und Städten beteiligen. bea

Im Zuge des Demographie-Paktes, der im vergangenen Jahr auf Initiative des Saarpfalz-Kreises von den Städten und Gemeinden des Kreises unterzeichnet wurde, beteiligt sich der Saarpfalz-Kreis an verschiedenen Projekten, um den demographischen Wandel aktiv zu gestalten. Die Kooperation mit dem Projekt mobisaar ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Dies teilte Anika Bäcker von der Pressestelle des Saarpfalz-Kreises mit.


Gerade wenn es um Bewegung im Alltag, wie den Besuch beim Arzt, Friseur oder das Erledigen von Einkäufen geht, es sind immer mehr Menschen auf Unterstützung im Personennahverkehr angewiesen. Hier setzt das Projekt mobisaar an, das einen kostenlosen Lotsen-Begleitservice bietet - gerade auch im ländlichen Raum. Das Angebot richtet sich auch an Personen, die es sich nicht zutrauen, allein mit Bus und Bahn unterwegs zu sein, weil sie etwa schlecht sehen oder hören, im Rollstuhl sitzen oder einen Rollator benötigen. Die Lotsen bieten Ein- und Ausstiegshilfen in Bus und Bahn, begleiten von der Haustür zum Zielort, geben Orientierungshilfe an Umstieghaltestellen und beraten bei Fragen zum Fahrplan.

Zum Einsatz kommen sowohl hauptamtliche wie auch ehrenamtliche Lotsen. Die hauptamtlichen Mobilitätshelfer sind Personen, die mit Unterstützung der Jobcenter diese Aufgabe übernehmen. Das Lotsennetz wird insbesondere in den ländlichen Regionen durch ehrenamtliche Lotsen unterstützt. Alle Lotsen, ob haupt- oder ehrenamtlich, werden natürlich entsprechend ausgebildet und geschult. Um Kunden und Lotsen zusammen zu bringen, wird ein technisches Konzept entwickelt, das eine übergreifende Koordination der haupt- und ehrenamtlichen Lotsen ermöglicht und dem mobilitätseingeschränkten Fahrgast zudem weitere Infos über den Fahrplan und die Beschaffenheit der Fahrzeuge und Haltestellen liefert.



An dem auf fünf Jahre angelegten Projekt sind neun Unternehmen, Organisationen und Verbände aus dem Saarland und Baden-Württemberg beteiligt. Finanziert wird mobisaar vom Bundesforschungsministerium. Das Projekt startete Ende 2015 im Regionalverband Saarbrücken. In den Jahren 2017 bis 2019 werden die einzelnen Landkreise sukzessive in das Projekt einbezogen, so dass ab 2020 ein saarlandweites Angebot vorhanden ist, das in dieser Form nach Abschluss des Forschungsprojektes auch auf andere Regionen in Deutschland übertragen werden kann. Neben vier weiteren Projekten wurde mobisaar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wettbewerb "Innovationen für Kommunen und Regionen im demographischen Wandel - InnovaKomm" aus einem Pool von 140 Bewerbern ausgewählt. Die fünf Projekte werden seit dem 1. November mit 23 Millionen Euro gefördert. Das finanzielle Volumen im Saarland beträgt 8,09 Millionen Euro . Der Förderanteil des Bundes beläuft sich auf 59 Prozent (4,8 Millionen Euro ).

Alle Bürger, die als ehrenamtliche Lotsen tätig werden wollen oder die sich Begleitung und Unterstützung im ÖPNV wünschen, sind zu einer Informationsveranstaltung eingeladen: Mittwoch, 24. August, 18 bis 19.30 Uhr in der Bliesgau-Festhalle in Blieskastel.

Mehr als andere Regionen ist nach Expertenmeinung das Saarland vom demographischen Wandel betroffen. Bis 2030 wird die Zahl der über 75-Jährigen stark zunehmen. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die öffentliche Daseinsvorsorge, zu der auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gehört. Dabei steht der ÖPNV vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen wird sich seine Kundenstruktur stark ändern, zum anderen wird die Versorgung auf dem Land immer schwieriger, da die Nachfrage tendenziell sinkt und angesichts der Schuldenbremse mit geringeren staatlichen Ausgleichszahlungen gerechnet werden muss.

Neben den Älteren sind auch Menschen mit Behinderungen auf ein ihren besonderen Anforderungen entsprechendes Angebot im ÖPNV angewiesen. 11 Prozent der Saarländer leiden unter einer Behinderung, mehr als die Hälfte davon an einer Gehbehinderung. Nach den Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes muss bis 2022 durch eine vollkommene Barrierefreiheit des ÖPNV ihren besonderen Belangen entsprochen werden. "Mobisaar" hat sich zum Ziel gesetzt, die Mobilitätsmöglichkeiten für ältere Personen, Behinderte - auch in ländlichen Gegenden - zu verbessern. Die zu entwickelnden Dienstleistungen und Techniken sollen dazu beitragen, bestehende Barrieren im ÖPNV zu überwinden und damit die Attraktivität des Verkehrsangebotes zu verbessern.

Zum Thema:

Auf einen Blick Weitere Informationen beim Iso-Institut, Kathleen Schwarz, Tel. (06 81) 9 54 24 34, Bahnhofsmission, Diakonisches Werk an der Saar, Renate Ritter-Hoffmann, Tel. (06 81) 91 03 21 72, LAG Pro Ehrenamt, Kristina Lemke, Tel. (06 81) 3 79 92 65 oder Sozialverband VdK Saarland, Ingrid Wacht, Tel. (06 81) 58 45 91 29. red

Selbst mit Hilfe gelangen Behinderte nur unter großer Mühe in den Zug. Dieses Problem sollen Lotsen lösen helfen. Foto: Engel&Seeber
Selbst mit Hilfe gelangen Behinderte nur unter großer Mühe in den Zug. Dieses Problem sollen Lotsen lösen helfen. Foto: Engel&Seeber FOTO: Engel&Seeber
Lotsen helfen auch beim Einsteigen in den Bus. Foto: S. Konrad
Lotsen helfen auch beim Einsteigen in den Bus. Foto: S. Konrad FOTO: S. Konrad
Für viele ältere Menschen sind die Fahrkartenautomaten bei der Deutschen Bahn oft ein Hindernis für ihre Mobilität. Auch hier sind die Lotsen gefragt. Foto: dpa
Für viele ältere Menschen sind die Fahrkartenautomaten bei der Deutschen Bahn oft ein Hindernis für ihre Mobilität. Auch hier sind die Lotsen gefragt. Foto: dpa FOTO: dpa