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Tierische Romanze
Liebesglück für Jean-Jacques?

Da schnäbeln zwei: Weißstorch Jean-Jacques hat eine neue Storchendame in sein Nest gelassen.
Da schnäbeln zwei: Weißstorch Jean-Jacques hat eine neue Storchendame in sein Nest gelassen. FOTO: Otmar Becker
Werschweiler. Seit Freitagnachmittag ist der Werschweiler Weißstorch nicht mehr allein. Eine Storchedame hat sich zu ihm gesellt. Jetzt schnäbeln sie. Von Evelyn Schneider

Die Tage der Einsamkeit sind vorbei: Weißstorch Jean-Jacques hat Damenbesuch in seinem Nest. Wie der Niederkircher Naturfotograf Otmar Becker berichtet, kam eine unberingte Störchin am Freitagnachmittag nach Werschweiler. Dort inspizierte sie erst einmal den Boden des Horstes. Ganz so, als wollte sie schauen, ob der Hausherr dort auch wirklich ordentliche Arbeit geleistet hatte. Schon seit Tagen war Jean-Jacques damit beschäftigt, weiches Material, unter anderem Moos, in sein Zuhause zu bringen. Und diese Mühe scheint sich gelohnt zu haben. Denn das Storchenweibchen wollte einziehen.


Ob es sich bei dem Tier um Lady Gaga, eine alte Bekannte von Jean-Jacques handelt, können die Naturschützer nicht sagen. Otmar Becker, der die beiden Störche beobachtet hat, geht aber eher davon aus, dass ein bislang unbekanntes Weibchen den Weg nach Werschweiler gefunden hat. Bei ihrer Ankunft habe der stolze Storchenmann ein „aggressives Verhalten“ gezeigt. Sogar einen Rauswurf aus dem Nest mit einem kräftigen Schnabelhieb habe es gegeben, berichtet er der Saarbrücker Zeitung.

Ob alter Zwist mit Lady Gaga oder stürmisches Kennenlernen mit einer Unbekannten – am Ende wurde es dann doch friedlich, gar romantisch auf dem Horst. Die beiden schnäbelten vertraut und paarten sich bereits. Ist das der Beginn einer temperamentvollen Partnerschaft?

Peter Volz, Koordinator der „Aktion Storch“ beim Bund Naturschutz Ostertal (BNO), glaubt jedenfalls, dass es etwas werden könnte mit dem Storchennachwuchs für Werschweiler. Aber er mahnt auch: „Die beiden dürfen nicht von außen gestört werden.“ Während Jean-Jacques mit der Geräuschkulisse rund um den Horst vertraut ist, könnte diese für die Storchendame mitunter neue Erfahrungen bedeuten.

Und so sollten die Menschen den beiden etwas ungestörte Zweisamkeit in ihrem Liebesnest gönnen. Damit tatsächlich wieder Küken schlüpfen. Wie eine erfolgreiche Paarung funktioniert, könnten sich die beiden Weißstörche in der tierischen Nachbarschaft abgucken. Wie Otmar Becker berichtet, brüten unweit des Storchennestes zwei Graureiher in den Tannen.



Zuletzt konnte sich Werschweiler 2015 über Storchenküken freuen. Damals ein historisches Ereignis. War es doch der erste Adebar-Nachwuchs seit mehr als 100 Jahren. Zeitgleich zu Werschweiler schlüpften damals auch Jungtiere auf der Göckelmühle. Dort zog das Storchenpaar auch 2016 und im vergangenen Jahr Küken auf.

In Werschweiler lief es hingegen nicht so gut. Nachdem sich Jean-Jacques 2016 mit einer neuen Storchendame zusammengetan und seine Jacqueline barsch vertrieben hatte, mussten Tierfreunde eine traurig Nachricht wegstecken. Zwar gab es Jungtiere im Nest, doch die starben. Im vergangenen Jahr blieb der Weißstorch aus dem Elsass dann solo. Ungewöhnlich früh kehrte er dieses Mal aus seinem Winterquartier zurück. Schon Ende Januar wurde er in Werschweiler gesichtet. Möglicherweise um alles besonders gut vorzubereiten. Und siehe da, er konnte eine Storchendame anlocken.

Noch einsam ist ein Adebar in den Ottweiler Bliesauen. Während im Horst der Göckelmühle einmal mehr Zweisamkeit herrscht. Dort ist das Storchenpaar wieder vereint, wie zu erfahren war.