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Vertrag unterzeichnet
Tochter der Lebenshilfe St. Wendel rettet 162 Arbeitsplätze

 Pressekonferenz zur Übernahme der B. Paulus GmbH durch die Lebenshilfe Nordsaarland Werkstätte gGmbH, einer Tochter der Lebenshilfe St. Wendel.
Pressekonferenz zur Übernahme der B. Paulus GmbH durch die Lebenshilfe Nordsaarland Werkstätte gGmbH, einer Tochter der Lebenshilfe St. Wendel. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
St. Wendel. Die Nordsaarland Werkstätte gGmbH übernimmt insolventes Unternehmen B. Paulus GmbH. Von Evelyn Schneider

Angespannt, aufgeregt und zugleich entspannt – so hat Bernhard Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe St. Wendel, am Freitagnachmittag seine Gefühlslage beschrieben. An jenem Tag wurde besiegelt, woran viele Beteiligte bereits seit 2017 arbeiteten und tüftelten. Es ging darum, die berufliche Zukunft von 151 Arbeitskräften zu sichern – 100 Menschen davon leben mit einer Behinderung. Ihre berufliche Heimat war die B. Paulus GmbH, die „einzige Werktstatt für Behinderte im Saarland, die privatrechtlich geführt wurde“, wie Müller erläuterte. Ende Dezember 2017 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Gleiches gilt für dessen Tochter, die Delimar Tiefkühlspezialisten GmbH. Auch die elf Mitarbeiter aus diesem Inklusionsbetrieb sitzen nicht auf der Straße. Sie arbeiten ebenso wie das Team des Paulus-Unternehmens künftig für die Lebenshilfe Nordsaarland Werkstätte gGmbH (Lebenshilfe NSW). Diese 100-prozentige Tochter der Lebenshilfe St. Wendel übernimmt zum 1. April den Geschäftsbetrieb an den beiden Produktionsstandorten in Merzig und Rehlingen-Siersburg.


Aber warum engagiert sich die Lebenshilfe St. Wendel in den Nachbarkreisen? Zum einen, so Müller, sei man historisch verwachsen mit der Lebenshilfe Merzig, die sich für die Rettung der Paulus-Mitarbeiter stark gemacht habe. Zum anderen „ist es unser Auftrag, uns für die Belange der Menschen mit Behinderung einzusetzen“, verdeutlichte der Aufsichtsratsvorsitzende.

„Während der Verhandlungen habe ich manchmal das Gefühl gehabt, uns geht die Kraft aus“, gestand Müller. Doch als Teamleistung sei die Übernahme am Ende gemeistert worden. Durchhaltevermögen bewiesen aber nicht nur die Verantwortlichen an den Verhandlungstischen, sondern auch die Mitarbeiter in den Betrieben. „Sie sind alle an Bord geblieben“, so Müller. Insolvenzverwalter Günter Staab hatte zwischenzeitlich das Unternehmen übernommen, das Tiefkühlprodukte produziert und auch in Zukunft produzieren wird.



Die Posten der Geschäftsführer der Lebenshilfe NSW übernehmen  Dionysius Eisenbarth und Rudi Geßner. Letzterer lobte die Arbeit von Justizrat Staab, der das Unternehmen während der Insolvenz gut geführt habe. Es war nicht das erste Mal, dass die Paulus GmbH in Schieflage geraten war. Bei einer ersten Insolvenz in Eigenregie wurden zwei Standorte in Thüringen geschlossen. Außerdem, so Geßner, habe das Unternehmen versucht, die Gebäude zu verkaufen. Damit sollte die Firma wieder auf solide Beine gestellt werden. Der Verkauf aber scheiterte. Jetzt, so der einmütige Tenor der Verantwortlichen, soll alles besser werden.

Stephan Kolling (CDU), Staatssekretär aus dem Sozialministerium, glaubt an das Konzept, mit dem die  Lebenshilfe NSW den Tiefkühlkost-Hersteller in eine gute Zukunft führen möchte. Bisher habe die Landesregierung den Paulus-Betrieb jährlich mit 1,2 Millionen Euro unterstützt. Künftig sollen es pro Jahr mehr als 1,5 Millionen Euro sein.
< weiterer Bericht folgt