| 21:06 Uhr

Aktion
Laufen, um das Leid in der Welt zu lindern

Die Wunden von Lepra-Patienten werden im Zentrum im Osten Indiens medizinisch versorgt.
Die Wunden von Lepra-Patienten werden im Zentrum im Osten Indiens medizinisch versorgt. FOTO: Pater Nelson SVD
St. Wendel. Bereits am Sonntag, 23. September, startet der Hungermarsch. Im SZ-Gespräch verrät Peter Adams, welche Projekte unterstützt werden. Von Evelyn Schneider

Aussätzige – so sind Menschen, die an Lepra erkrankt waren, genannt und auch dementsprechend behandelt worden. Sie lebten außerhalb der Stadt und außerhalb der Gesellschaft. Schon in der Bibel finden sich Geschichten von Menschen mit Aussatz, die Jesus geheilt hat. Für viele ist Lepra Geschichte, eine Krankheit aus fernen Tagen. Doch dem ist nicht so. Im Osten Indiens gibt es beispielsweise ein Lepra-Zentrum, in dem sich Helfer um die Kranken kümmern. Dieses ist teils renovierungsbedürftig. Doch dazu fehlt das Geld. „Der Staat sagt: Es gibt keine Lepra“, berichtet Peter Adams, stellvertretender Vorsitzender des Jochen-Rausch-Zentrums. Deshalb ist von dieser Seite her kein finanzieller Zuschuss zu erwarten. Doch jetzt gibt es Hoffnung für Pater Nelson und das St.-Antony-Leprosy-Centre. Denn es ist das Hauptprojekt der 42. Auflage des St. Wendeler Hungermarsches.


Seit 41 Jahren treffen sich Menschen im Zeichen der Solidarität und setzen sich gegen Hunger, Not und Ungerechtigkeit in der Welt ein. Traditionell startet der Marsch immer am letzten Sonntag im September. Doch wegen der Herbstferien wurde der Termin verschoben. Die Aktion unter dem Motto „Wandern für die Andern – Solidarität mit Menschen in Not“ startet bereits am Sonntag, 23. September. Organisiert wird diese vom Jochen-Rausch-Zentrum, der Aktion Hungermarsch und den Steyler Missionaren.

Eher zufällig stieß Peter Adams auf die Idee zum diesjährigen Hauptprojekt, das mit 6000 Euro unterstützt werden soll. Er blätterte in dem Magazin „Stadt Gottes“ der Steyler Missionare und fand darin einen Bericht über das 1998 gegründete Lepra-Zentrum. Dieses war ihm nicht unbekannt. Er erinnerte sich an den Bau der Gebäude, der von hier aus unterstützt wurde.



1993 gründete der St. Wendeler Toni Leismann samt Team die Indienhilfe St. Wendel. Er reiste mehrmals in das asiatische Land, drehte Filme vor Ort und zeigte diese wiederum in der Heimat, um Geld für die bedürftigen Menschen Indiens zu sammeln. Das Engagement für das Lepra-Zentrum möchte nun die Aktion Hungermarsch fortsetzen. Viele Fotos hat Pater Nelson geschickt, um zu dokumentieren, in welch’ schlechtem Zustand jenes Gebäude ist, in dem die Lepra-Patienten untergebracht sind. Ein anderes Gebäude, in dem früher HIV-Patienten medizinisch versorgt wurden, steht leer. Könnte dieses auf Vordermann gebracht werden, böte es den an Lepra erkrankten Menschen eine bessere Unterkunft. Es sind unter anderem Reparaturen am Dach nötig, die Elektrik muss ausgetauscht, Fenster und Türen müssen ersetzt werden.

Neben dem Hauptanliegen des 42. Marsches gilt es, mit den Spendengeldern die eigenen Projekte der Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums fortzuführen, wie das Schnüren von Lebensmittel-Pakten, mit denen jeden Monat zwischen 20 und 30 HIV-infizierte Kinder und Jugendliche versorgt werden. „Es erreichen uns auch immer wieder Anfragen, um junge Menschen bei der Finanzierung des Colleges zu unterstützen“, berichtet Adams.

Neuigkeiten gibt es auch aus dem Kinderheim Shanti Bhavan im Süden Indiens, das von St. Wendel aus unterstützt wird. In der Region falle zu wenig Regen, was die Wasserversorgung schwierig mache. Als Adams zuletzt Anfang des Jahres dort war, wurde eine Bohrung veranlasst. Doch man stieß dabei nicht auf genügend Grundwasser. Da es aber im benachbarten Kinderheim einen Brunnen gibt, der genügend des flüssigen Elements liefern kann, wird jetzt eine Leitung gelegt. „Dann kann auch das Land am Kinderheim kultiviert und bepflanzt werden“, sagt Adams. Dabei sollen die 42 Jungs, die aktuell in Shanti Bhavan leben, mithelfen. So würden sie neben der Schulbildung auch noch etwas über Landwirtschaft lernen.

Im vergangenen Jahr sind beim Hungermarsch Spenden in Höhe von 13 000 Euro zusammengekommen. Adams wäre froh, wenn diese Summe in etwa gehalten werden könnte. Denn wie auch bei Vereinen, fehle der Aktion der Nachwuchs. „Es ist eine eingeschworene Hungermarsch-Gemeinde, die sich in der Regel trifft“, sagt Adams. Über die Jahre ist die Zahl der Teilnehmer stetig gesunken. Peter Adams erinnert sich an die Anfänge zurück – mit 500 Teilnehmern und einer Spendensumme von 50 000 Mark.

Der Aktionstag beginnt am Sonntag, 23. September, 11 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Missionshauskirche, zelebriert von dem indischen Pater Joseph Xavier Alangaram, Missionssekretär der Steyler Missionare. Anschließend geht es über einen einstündigen Rundweg um den Wendelinushof und zurück zum Missionshaus. Der Abschluss ist im ehemaligen Internat geplant. Dort gibt es auch Informationen zu den einzelnen Projekten.

Spendenkonto: Jochen-Rausch-Zentrum bei der Kreissparkasse St. Wendel, IBAN: DE 47 5925 1020 0000 0846 16, BIC: SALADE51WND
Kennwort „Hungermarsch“

Essensausgabe im Lepra-Zentrum im Osten Indiens.
Essensausgabe im Lepra-Zentrum im Osten Indiens. FOTO: Pater Nelson SVD
Fleißig lernen die indischen Jungs für eine bessere Zukunft.
Fleißig lernen die indischen Jungs für eine bessere Zukunft. FOTO: Peter Adams