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Kulinarischer Brückenschlag

St Wendel. Neue Gerüche, Geschmäcker, Gewürze: Für Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea veranstaltet die Caritas Kochkurse. Bislang wurden abwechselnd Speisen aus deren Heimat und deutsche Hausmannskost aufgetischt. Daniel Ames

Rouladen, Spätzle und Rotkohl - altbewährte Hausmannkost. Für die Koch-Lehrlinge in der Küche der St. Wendeler Tafel sind das ganz neue Geschmäcker. Ein gutes Dutzend eritreische und syrische Flüchtlinge probieren sich an den deutschen Speisen. Frank Huster leitet sie ehrenamtlich an. "Den Speck lassen wir heute bei den Rouladen weg," sagt der gelernte Koch aus Bliesen. Auch ohne Schweinefleisch werden die Fleischrollen nach kurzer Anleitung fachmännisch gefüllt.

Auf dem Tresen wird derweil Spätzleteig angerührt und anschließend per Presse ins sprudelnde Kochwasser gedrückt. Jeder hilft mit. Die Atmosphäre ist entspannt. Filmawit und ihr Partner Filmon stammen aus Eritrea . Filmawit über die deutsche Kochkunst: "Es hat immer gut geschmeckt." Ungewohnt seien aber die starken Gewürze . In Eritrea werde viel Gemüse gegessen, auch Kartoffeln. In ihrer Heimat sei das gemeinsame Essen sehr wichtig; stets zusammen in der Großfamilie.

Die saarländische Kartoffelspeise schlechthin, der Dibbe-labbes, hatten sie bereits vor einer Woche auf dem Speiseplan. Der ist auch gut angekommen, wie Winfried Maurer vermeldet. Der Sozialarbeiter vom Jugendmigrationsdienst der Caritas berichtet nach bislang acht Kochkursen, dass das Angebot sehr gut angenommen wird: "Kochen ist ein wichtiges Medium. Hier haben die Flüchtlinge auch die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen." Caritas-Praktikantin Inessa Zidaev über die Stimmung beim Kochen: "Die Leute sind alle sehr offen."

Trotz Sprachproblemen versuchten sie stets freundlich aufeinander zuzugehen. Wichtig für die Kurse ist auch die Mitarbeit ehrenamtlicher Helfer. "Ich gebe gerne etwas zurück", sagt Angelo Diliberto, der als Fußball-Schiedsrichter über den Sport schon Kontakt mit den Flüchtlingen geknüpft hat. Und nachdem die Teller leer geputzt sind, nimmt sich Kochlehrer Huster die Zeit, die Leute von außerhalb nach Hause zu fahren.