| 20:06 Uhr

Krippenausstellung in St. Wendel
Maria und Josef kehren in ihre Herberge heim

Noch stehen die Figuren, die aus einer Kirchenkrippe stammen, auf einem Tisch und warten darauf, ihren Platz in der Ausstellung einzunehmen.
Noch stehen die Figuren, die aus einer Kirchenkrippe stammen, auf einem Tisch und warten darauf, ihren Platz in der Ausstellung einzunehmen. FOTO: Evelyn Schneider
St. Wendel. Am ersten Advent eröffnet in St. Wendel wieder die Krippenausstellung des verstorbenen Künstlers Karl Heindl mit Szenen der Weihnachtsgeschichte. Von Evelyn Schneider

Orangefarbene Birnchen flackern zwischen Holzscheiten hindurch, imitieren stimmungsvoll ein Lagerfeuer. Drumherum sind Figuren positioniert. Sie warten auf etwas ganz Besonderes: auf Christi Geburt.


Traditionell zum ersten Advent öffnet die Sammlung des 2016 verstorbenen Krippenbauers Karl Heindl ihre Pforten. Er hat in mehr als vier Jahrzehnten 550 Krippen zusammengetragen und auch selbst geschaffen. Die Szene von Christi Geburt wird immer wieder anders erzählt: Mal sind es schwarz bemalte Figuren aus dem afrikanischen Ruanda, mal Figuren aus Glas oder auch Puppen aus Leder, die in die detailverliebten Landschaften eingebettet wurden. Der Rundgang durch die Ausstellung ist somit auch eine Reise durch die verschiedenen Länder und Kulturen.

Marliese Heindl und ihre Schwester Brigitte Simon (von links) richten die Figuren der Krippenszene.
Marliese Heindl und ihre Schwester Brigitte Simon (von links) richten die Figuren der Krippenszene. FOTO: Evelyn Schneider


Damit alles seinen angestammten Platz hat, sind im Vorfeld fleißige Hände gefragt. Es sind die Familie und Freunde Karl Heindls, die sein Vermächtnis liebevoll hegen und pflegen. Vor zwei Wochen haben sie mit den Aufbauarbeiten begonnen. „Jedes Mal überlegen wir: Wie stand alles, und wie sieht es gut aus?“, gesteht die Witwe des Krippenbauers, Marliese Heindl. An diesem Nachmittag unterstützen sie ihre Schwester Brigitte Simon sowie Karl Heindls Freunde Ernst Wilhelm Kiefer und Heinz Jepp. Es wird hier geschraubt und da ein Nagel in die Wand geschlagen. Das ist Männersache.

Währenddessen widmen sich die Frauen der Dekoration. Gleich beim Betreten des langgezogenen Raumes unterhalb der Missionshaus-Buchhandlung wird der Blick des Besuchers auf sieben beleuchtete Vitrinen gelenkt. Sie erzählen die Weihnachtsgeschichte in Stationen – beginnend mit der Verkündigung und der Herbergssuche. Die Oberfläche der Kästen, die zu den ältesten Arbeiten Karl Heindls zählen, haben Marliese Heindl und ihre Schwester bereits mit Moos belegt, jetzt drapieren sie noch ein dunkelrotes Samttuch. Auf diesem Untergrund sollen neben den Hirten auch noch weitere Figuren in Gruppen positioniert werden.

Ernst Wilhelm Kiefer (links) und Heinz Jepp hieven zusammen den Elefanten auf den Schaukasten.
Ernst Wilhelm Kiefer (links) und Heinz Jepp hieven zusammen den Elefanten auf den Schaukasten. FOTO: Evelyn Schneider

Noch sitzen, liegen oder stehen die Heiligen in edlen Samt-Umhängen auf einem Tisch. Alle diese Figuren stammen aus einer Kirchenkrippe. Der 2015 verstorbene Pastor Paul-Werner Monzel hat sie dem Krippenbauer, mit dem er öfter zusammengearbeitet hatte, geschenkt. „Karl hat sich über diese Schenkung sehr gefreut“, erinnert sich Ernst Wilhelm Kiefer. Er habe sich auch schon Gedanken gemacht, wie er sie künftig in Szene setzen könnte. Aber dazu kam es nicht mehr. Diesen Job übernimmt jetzt seine Witwe.

„Josef fehlt noch“, ruft Marliese Heindl und blickt sich suchend um. In einer Kiste auf dem Boden reckt neugierig ein Kamel den Kopf hervor. Weiter unten sind Figuren aus dem Morgenland verstaut. Derweil nimmt sich Brigitte Simon einen weiteren Karton vor – mit Erfolg. „Hallo Josef, da bist du ja“, sagt sie erfreut und zieht die Figur hervor. „Sie ist eben immer da, wenn man sie braucht“, sagt Marliese Heindl lächelnd und streicht ihrer Schwester über den Arm.

Das Kamel lugt schon mal aus der Kiste hervor.
Das Kamel lugt schon mal aus der Kiste hervor. FOTO: Evelyn Schneider

Nacheinander weisen die Frauen dem Jesuskind, Maria und den Heiligen ihre Plätze zu. Immer wieder gehen sie ein paar Schritte zurück, betrachten die Anordnung, beraten sich und nehmen kleinere Korrekturen vor. Sie haben sie übernommen – Karl Heindls Liebe zum Detail. Alles soll perfekt sein. „Beim Aufbau fühlt es sich so an, als wäre Karl mit dabei. Das ist schön“, flüstert Brigitte Simon. Beinahe zu jeder Krippe gibt es eine Geschichte. Und so werden zwischendurch immer wieder Erinnerungen an den leidenschaftlichen und kreativen Sammler ausgetauscht.

Bei den letzten Handgriffen an der Szenerie mit Krippe, Hirten und Heiligen sind dann einmal mehr die beiden Herren gefragt. Denn Kamel und Elefant sind ziemlich schwer. Mit vereinten Kräften werden sie aus den Kisten gehievt. Dann widmet sich Vollblut-Handwerker Heinz Jepp wieder der Elektrik und positioniert letzte Lampen, um für ein stimmungsvolles Ambiente zu sorgen. Gut eine Woche legen sich alle ins Zeug, damit pünktlich zur Eröffnung alles aufgebaut und blitzblank sauber ist.

Es haben sich bereits einige Gruppen zur Besichtigung angekündigt, berichtet Marliese Heindl, die mit dem Besuch im vergangenen Jahr zufrieden war. Vom 2. Dezember bis 13. Januar kann die Sammlung nachmittags jeweils von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden. Mit Ausnahme der Weihnachtsmarkt-Woche: Vom 8. bis 16. Dezember ist sogar täglich je von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für diese Zeit hat Ernst Wilhelm Kiefer auch gezielt  bei Busunternehmen geworben. Etwa 45 im Saarland und in Rheinland-Pfalz ansässige Betriebe hat er angeschrieben, um auf die Krippenausstellung aufmerksam zu machen. „Ein Busfahrer, der im vergangenen Jahr durch Zufall vorbeikam, hat mich darauf gebracht“, erinnert sich Kiefer. Der Mann sei damals begeistert gewesen und bedauerte, dass seine Fahrgäste nichts von der Sammlung gewusst hätten. Das wollte Kiefer mit den Schreiben ändern.

Für einen Moment schaltet Marliese Heindl die Lichter in dem Ausstellungsraum aus. Lediglich zwei Deckenstrahler und die flackernden Birnchen des Lagerfeuers leuchten noch. Alle halten für einen Moment inne, blicken auf die Figuren und lächeln.