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Kling ist weiter für Senioren da

Hoof. 24 Senioren in Hoof vertrauen auf Annetraud Kling. Die „Heemer Betreuungshelferin“ kümmert sich um Fragen und Sorgen des Alltags. Doch seit Februar wird das Projekt nicht mehr gefördert. Evelyn Schneider

Ob beim Senioren-Nachmittag im Dorfladen oder bei den älteren Leuten zuhause - Annetraud Kling ist immer da, wo sie gebraucht wird. Seit mehr als eineinhalb Jahren ist die "Heemer Betreuungshelferin" Ansprechpartner für Senioren in dem Ostertal-Dorf. Bis Ende Februar wurde das Projekt gefördert. Nach Auskunft von Ortsvorsteher Gernot Müller beteiligten sich der Landkreis St. Wendel und das Sozialministerium je mit 900 Euro. Die Agentur ländlicher Raum, die zum Umweltministerium gehört, steuerte 2200 Euro bei. Das ergibt zusammen 4000 Euro für eineinhalb Jahre. Das Geld ist inzwischen aufgebraucht. Doch trotz derzeit fehlender finanzieller Unterstützung vom Staat ist Annetraud Kling weiterhin für ihre Senioren da. "Wir machen mit dem Projekt weiter", versichert auch Müller. Denn die bisherige Bilanz sei positiv.

"Am Anfang haben sich die Leute nicht richtig getraut, sich zu melden", blickt Kling zurück. Es wurden zunächst Flyer im Ort verteilt, die auf die "Heemer Betreuungshelferin" aufmerksam machen sollten. Dann ging die ehemalige Krankenschwester von Haus zu Haus. Die Scheu wich schnell, und so betreute sie schließlich 28 Senioren. "Vier sind inzwischen gestorben." Das gehe ihr jedes Mal nahe, denn sie unterhalte sich viel mit den alten Menschen. Neben den Gesprächen gibt es auch konkrete Nöte und Sorgen, um die sich die Helferin kümmert. Sie unterstützt beim Ausfüllen von Formularen für den Schwerbehindertenausweis oder vermittelt Hausnotrufe. Auch in Sachen Betreuungs- oder Patientenverfügung ist sie fit. Außerdem steht sie in Kontakt mit dem Pflegestützpunkt in St. Wendel. "Sie ist oft ein Türöffner für die Profis", sagt Müller.

Auch Demenz ist ein Thema im Betreuungsalltag. Zwei der 24 Senioren in Hoof , um die sich Kling kümmert, sind bereits erkrankt. Bei zwei weiteren treten erste Anzeichen auf. Einfühlsam und behutsam auf die älteren Menschen eingehen, das sei wichtig. "Man darf nicht mit der Tür ins Haus fallen, muss Neues vorsichtig vorbringen", sagt Kling. So habe sie einmal einem älteren Paar vorgeschlagen, "Essen auf Rädern" einfach mal auszuprobieren. Nur zwei Mal in der Woche. Jetzt komme der Essens-Service täglich.

Annetraud Kling macht ihre Aufgabe als Betreuungshelferin Spaß. Auch, weil es positives Feedback gebe. "Wenn ich erkältet bin, sorgen sich die Leute und sagen: ,Pass auf, wir brauchen Dich noch'." Dass Kling ein Kümmerer ist, bestätigt auch Seniorin Christa Fuhr. "Ich brauch sie noch nicht so sehr", sagt die rüstige Hooferin. "Trotzdem kommt sie zum Plaudern vorbei."

25 Stunden und mehr ist Kling als Betreuungshelferin in Hoof unterwegs. Sie bekommt dafür eine monatliche Ehrenamtspauschale von 200 Euro. Derzeit springt der Verein zur Förderung der Dorfentwicklung bei der Finanzierung ein. Ortsvorsteher Müller hat entsprechende Anträge auf eine weitere Förderung eingereicht. Eine positive Rückmeldung gab es aber bislang nicht.