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Buch aus Kindertagen
Klassiker weckten die Leidenschaft

Von Hannelore Hempel

Den Fundus an Kinderbüchern im Haushalt meiner Familie prägten zu meiner frühesten Jugendzeit in den 1950er Jahren einige Klassiker. Der Struwwelpeter oder Wilhelm Buschs Geschichten, von denen mir Max und Moritz die liebste war. Die Bilder dieser frühen Comics kannten wir Kinder im Detail, die Texte auswendig. Noch heute können einige Geschichten textsicher frei vorgetragen werden. Die teils drastischen Lehren, die die Texte und Zeichnungen vermitteln wollten, machten neugierig und warfen massenhaft Fragen auf, die manchmal die erwachsenen Vorleser an den Rand der Verzweiflung trieben. Den pädagogischen Effekt kann ich nicht so beurteilen. Die skurrilen Reisen mit Tim und Struppi waren da mehr was für die Lust am Abenteuer und Experimentieren. Ein Lieblingsbuch hatte ich auch. Es war eine total zerfledderte, oftmals reparierte, bebilderte Ausgabe von Andersens Märchen. Diese Geschichten und das Eintauchen in eine Welt, in der alles möglich ist, legten bei mir den Grundstein für eine Liebe zum geschriebenen Wort, die seit Jahrzehnten von ihrer Leidenschaft nichts eingebüßt hat.