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Neue Technik
Jetzt haben auch Kameras den St. Wendeler Bahnhof im Blick

Eine Kamera am Gleis. Sie ist eine von elf, die seit Anfang Mai im St. Wendeler Bahnhof in Betrieb sind.
Eine Kamera am Gleis. Sie ist eine von elf, die seit Anfang Mai im St. Wendeler Bahnhof in Betrieb sind. FOTO: Evelyn Schneider
St. Wendel. Von Evelyn Schneider

Beäugt von einer Kamera  treffen sich am Donnerstag Vertreter der Deutschen Bahn, der Stadt St. Wendel, der Polizeiinspektion St. Wendel sowie der Bundespolizei in der Bahnhofshalle. Sie sind Mitglieder einer Sicherheitspartnerschaft, die es seit einigen Jahren für den St. Wendeler Bahnhof gibt. Es war die erste Kooperation dieser Art im Saarland. Mit Manpower – Polizisten, Ordnungs- und Sicherheitskräften – wird regelmäßig im und am Bahnhof patrouilliert. Für die Sicherheit. Jetzt gibt es technische Unterstützung. Schilder weisen darauf hin, dass hier aufgezeichnet wird. „Es ist einer vor vier Bahnhöfen im Saarland, der mit Kameratechnik ausgestattet ist“, erklärt St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU). Insgesamt elf der grau-weißen Kästen wurden installiert: an den Gleisen, in der Unterführung und der Eingangshalle.


Martin Landegl, Leiter des Bahnhofsmanagements in Saarbrücken,  erinnert sich an eine Zeit, als noch an jedem Bahnhof Personal war. Doch das sei Vergangenheit, und die seien Sitten roher geworden. „Deshalb haben wir ein Interesse daran, dass die Bahnhöfe sicher sind“, so Landegl. Die Deutsche Bahn ist Eigentümer des Gebäudes. „Auf die Aufzeichnungen der Kameras hat aber ausschließlich die Bundespolizei Zugriff.“

Es geht in einen kleinen Raum nahe des Aufgangs zu den Gleisen. Auch hier ein Hauch Nostalgie. Ein altes, graues Wählschreiben-Telefon steht verlassen da. Daneben modernste Technik. Auf einem Laptop sind elf kleine Monitore zu sehen. Sie zeigen das, was die Kameras in diesem Augenblick aufzeichnen: wartende Menschen, Reisende, die zu den Zügen eilen. Die Software auf dem PC stammt von der Bundespolizei, das Gerät ist mehrfach gesichert. Sechs Beamte der Bundespolizei sind geschult und sollen in Zukunft die Videodateien auswerten. „Videoüberwachung im Bahnhof bedeutet nicht, dass ständig jemand vor dem Laptop sitzt“, erläutert Thomas Stauter, kommissarischer Leiter der Bundespolizeiinspektion in Bexbach. Der ständige Blick auf die kleinen Monitore würde schnell zum Ermüden führen. Und so sind Polizisten weiterhin regelmäßig auf Kontrollstreife. „Die Technik soll den Menschen unterstützen“, so Stauter.



Auf diese Unterstützung setzt auch Martin Walter, Chef der St. Wendeler Polizeiinspektion. Beispielsweise könnten die Kameras bei der Identifizierung von Personen helfen. „Denn oft können Zeugen die Täter nur unzureichend beschreiben“, weiß der Polizeirat.

Die Kameras zeichnen zehn Tage am Stück auf. Ereignet sich in dieser Zeit eine Straftat, so können Bundespolizisten gezielt nach der entsprechenden Videosequenz suchen. Es läuft ständig eine Zeitanzeige mit. Alle Kameras, die für den Tatzeitraum interessant sind und zu den Laufwegen des Verdächtigen passen, werden kontrolliert. Der Beamte, der die Videos sichtet, kann digital in das Bild reinzoomen. Entdeckt er etwas Relevantes, wird die Sequenz gesichert. Nutzen können die Kameras nicht nur bei Straftaten, die sich unmittelbar am Bahnhof ereignen, möglicherweise werden auch flüchtende Täter aufgezeichnet.

Seit 1. Mai sind die Kameras in Betrieb. Und bereits in mehreren Fällen hat sich die Videoauswertung bewährt. So weiß die Polizei beispielsweise, warum dem Werbe-Schriftzug der Kreissparkasse St. Wendel jetzt das „K“ fehlt. Das ist verschwunden, nachdem ein junger Mann aus Oberthal versuchte, sich daran festzuhalten, ehe er 2,50 bis drei Meter in die Tiefe stürzte. Wie Dieter Schwan, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Bexbach, berichtet, habe der Kletterer zunächst die Kamera zur Seite gedreht, um nicht erkannt zu werden. Dann balancierte er über die Brüstung bis zu seinem Sturz. Die komplette Sachbeschädigung filmte übrigens ein Kumpel des jungen Mannes und stellte sie ins Netz. Auch eine Kamera selbst sollte schon Opfer einer Sachbeschädigung werden. Es versuchte jemand, die Kabel durchzuschneiden. Doch zuvor zeichnete das Gerät noch sein Gesicht auf.

„Wir hatten auch einen Fall von gefährlicher Körperverletzung“, berichtet Schwan. Hier habe die Videoaufzeichnung die entsprechenden Beweise geliefert. Gefasst wurden die Täter unmittelbar nach dem Übergriff, und zwar am Bahnhof in Ottweiler.  Das Opfer habe einen Nasenbeinbruch erlitten, und es wurde ihm ein Zahn ausgeschlagen.

Beweise für eine Strafttat zu finden, ist wohl die Regel. Doch half die Videoaufnahme auch schon einmal dabei, eine Anschuldigung zu entkräften. Eine Frau hatte Anzeige wegen sexueller Belästigung erstattet. Ihrer Schilderungen nach, sei sie von einem Mann an den Brüsten und im Intimbereich betatscht worden. „Dies war auf dem Video nicht zu sehen“, sagt Schwan. Somit konnte die Aufzeichnung den zu unrecht Beschuldigten entlasten.

Täter identifizieren, Beweise für Straftaten liefern – diese Aufgaben soll die Videoüberwachung erfüllen. Und mehr noch. Alle Beteiligten hoffen, dass die Kameras auch eine präventive Wirkung haben werden und Menschen davor abschrecken, überhaupt Straftaten zu begehen.

„Sauberkeit und Sicherheit – das sind zwei wichtige Faktoren für eine Stadt“, sagt Rathauschef Klär. Daher sei er froh über die gut funktionierende Partnerschaft am Bahnhof, die nun um technische Unterstützung reicher ist.

Ein Bundespolizist bei der Auswertung des Videomaterials. Elf kleine Monitore sind auf dem Laptop-Bildschirm zu sehen.
Ein Bundespolizist bei der Auswertung des Videomaterials. Elf kleine Monitore sind auf dem Laptop-Bildschirm zu sehen. FOTO: Evelyn Schneider
Ein „K“ fehlt an der Wand. Ein Kletterer fiel damit in die Tiefe.
Ein „K“ fehlt an der Wand. Ein Kletterer fiel damit in die Tiefe. FOTO: Evelyn Schneider