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Selbsthilfegruppen
In tiefer Trauer um die Sternenkinder

Miriam Lauck hat selbst zwei Kinder sehr früh verloren. Sie ist die Gründerin der Gruppe.
Miriam Lauck hat selbst zwei Kinder sehr früh verloren. Sie ist die Gründerin der Gruppe. FOTO: Miriam Lauck
St. Wendel. In St. Wendel gibt es eine Selbsthilfegruppe für Eltern, die ein Kind schon bei dessen Geburt verloren haben. Von Marion Schmidt

Einfühlsam, engagiert und selbst betroffen hilf Miriam Lauck anderen Menschen, mit einem einschneidenden Lebensereignis fertig zu werden. Nach zwei Fehlgeburten gründete die heute 40-Jährige im Oktober 2017 eine Selbsthilfegruppe für Eltern von Sternenkindern. Kinder, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben, werden liebevoll als Sternenkinder bezeichnet. Bevor ein gemeinsames Leben und Kennenlernen überhaupt beginnen konnte, müssen die Eltern Abschied nehmen. „Nach meinen Fehlgeburten hatte ich mich zunächst im Internet mit anderen Eltern ausgetauscht, die denselben Schicksalsschlag erlitten haben. Das war eine Art sich auszutauschen, ohne dass man sich zeigen muss.“ Das reichte ihr aber irgendwann nicht mehr. „Mir fehlte der direkte Kontakt, ein Gesicht, das mir gegenüber saß. Das war meine Motivation, eine eigene Selbsthilfegruppe zu gründen“, erinnert sich Lauck. Dabei seien ihr die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS) und die Initiative Regenbogen in der Gründungsphase eine große Unterstützung gewesen. Ihr war es wichtig, dass es eine eigenständige Gruppe wird, die keinem Verein angeschlossen ist. Denn es sollte ein offenes Angebot für alle Betroffenen sein ohne Anmeldung oder aus einer Mitgliedschaft rührenden Verpflichtung. „Das ist wichtig, denn manchmal hat man Tage, da will man einfach nicht reden und zur Gruppe kommen. Es soll kein Zwang dahinter stecken. Jeder kann kommen, wenn ihm persönlich danach ist“, erklärt Lauck.


Mittlerweile treffen sich in St. Wendel jeden ersten Freitag im Monat betroffenen Eltern von Sternenkindern in der Selbsthilfegruppe. Es sind vor allem die Mütter, die den Austausch suchen: „Männer gehen anders mit dieser Trauer um. Manchen, die kommen, hilft das Gespräch in unserer Gruppe aber auch, ihre Frauen besser zu verstehen. Sie finden bei uns aber auch einen geschützten Raum, wo sie sich selbst einfach mal gehen und ihrer Trauer Ausdruck verleihen können“, so Lauck. Das sei oft nicht gesellschaftskonform: „Von den Männern wird oft erwartet, dass sie stark sein müssen. Tränen und Ohnmacht passen da nicht ins Bild“, so Miriam Lauck. Ihr selbst tut es immer wieder gut, über ihre eigenen Fehlgeburten zu sprechen. Zwar spenden heute auch ihre beiden kleinen Töchter viel Trost, die Trauer um die verlorenen Kinder sei aber ein ständiger Lebensbegleiter.

Ein großes Problem für die betroffenen Eltern seien Ohnmacht und Sprachlosigkeit. In der öffentlichen Wahrnehmung treten die Sternenkinder kaum in Erscheinung, über sie werde wenig gesprochen. Familie, Freunde und Bekannte wissen nicht recht, was sie den Eltern sagen und wie sie Trost spenden sollen. Oft gehe man im sozialen Umfeld schnell wieder zum Tagesgeschäft über. Sätze wie „ihr könnt ja wieder schwanger werden“ seien da keine große Hilfe. „Auch wenn man ein Kind so früh verliert, ehe ein gemeinsames Leben überhaupt erst beginnen konnte, das Gefühl, Eltern dieses Kindes zu sein, bleibt“, drückt  Lauck ihre eigenen Erfahrungen aus.



Daher sei es besonders wichtig, dass die Eltern sich würdig von ihrem Kind verabschieden können. Abschiedsrituale wie eine Beerdigung können bei der Trauerbewältigung helfen. Zweimal im Jahr findet in St. Wendel eine Bestattungszeremonie für die Sternenkinder statt. „Das ist eine wunderschöne ökumenische Zeremonie. Hier können die Eltern sich einem liebevoll gestalteten Rahmen würdig von ihren Kindern verabschieden“, erinnert sich Lauck.

Einen würdigen Umgang mit den Sternenkindern ermöglicht seit 2013 auch die Änderung des Personenstandsrechts. Seither können Eltern von Sternenkindern die Geburt ihres Kindes beim Standesamt offiziell anzeigen und ihrem Kind damit eine Existenz geben. Zuvor war eine solche Dokumentation bei Kindern, die mit unter 500 Gramm tot geboren werden, nicht möglich. Für Miriam Lauck ist es immer wieder schön zu erleben, wie sie in ihrer Selbsthilfegruppe andere Eltern bei ihrer Trauerbewältigung helfen und ihnen Trost, Mut und Hoffnung spenden kann. Ihre Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Freitag im Monat von 17.30 bis 19.30 Uhr im Unternehmer- und Technologiezentrum (UTZ) in St. Wendel. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ansprechpartnerin ist Miriam Lauck, Telefon (01 76) 21 19 34 94.

Kinder, die schon während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben, nennt man Sternenkinder. Die Eltern müssen Abschied nehmen, bevor sie sie überhaupt kennenlernen durften.
Kinder, die schon während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben, nennt man Sternenkinder. Die Eltern müssen Abschied nehmen, bevor sie sie überhaupt kennenlernen durften. FOTO: dpa / Stephanie Pilick