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Impulse aus der Ferne

St Wendel. Oft ist sie auch nach Jahrzehnten in der Fremde noch vorhanden: die Liebe zur alten Heimat. Diese soll Auswanderer aus der Region dazu bewegen, ein Netzwerk zwischen sich und Daheimgebliebenen aufzubauen. Evelyn Schneider

Ob Philosophie-Professor, Motorenentwickler einer bekannten Automarke oder Anwärter auf den Nobelpreis - es gibt eine Reihe von Menschen aus dem St. Wendeler Land, die fernab der Heimat Karriere gemacht haben. Genau diese möchte die Initiative "Netzwerk der Ausgewanderten" finden und Kontakt zu ihnen aufbauen. So soll ein Austausch zwischen den Daheimgebliebenen und den Auswanderern entstehen.

Vorangetrieben hat die Idee des Netzwerks eine Gruppe von Rentnern, die ebenfalls Karriere in ihrem Beruf gemacht haben. Dazu gehören Josef Alles, Hermann Scheid, Klaus Brill und Franz-Josef Schumann. "Seit Jahren werden 150 Abiturienten entlassen. Diese jungen Leute studieren fernab der Region, richten sich weltweit ihren Lebensmittelpunkt ein", sagt Josef Alles. Dieser Umstand habe ihn lang beschäftigt und zu der Frage geführt: "Wie kann man diese Personen für unsere Region nutzen?" Bei Heimatforscher Hermann Scheid rannte Alles mit diesen Gedanken offene Türen ein. Denn der Heimatforscher beschäftigte sich schon eine Weile mit der Frage, wie viele Professoren aus der Gemeinde Nohfelden stammen. Seinen Forschungen nach sind es 20. Eine stattliche Zahl. Wie viele mögen es dann im gesamten Landkreis sein?

Angespornt von dieser Ausgangsfrage haben sich die Rentner ans Werk gemacht und recherchiert. "Wir haben die Zeit dazu", sagt Scheid. Inzwischen sei eine beachtliche Liste mit Anschriften zusammengekommen - weltweit. So bestehen Kontakte in Europa, aber auch in Brasilien oder den USA. "Wir können stolz auf die geistige Elite sein, die aus dem Kreis St. Wendel stammt", findet Scheid. Wobei nicht nur Menschen mit einem Professortitel zählen. "Jeder, der etwas aus sich gemacht hat und gegebenenfalls Ideen hierher bringt, ist wichtig für uns", betont Alles. So zählen zu den mehr als 100 Auswanderern, die bislang ermittelt wurden, neben Hochschuldozenten auch Menschen mit führenden Positionen in der Wirtschaft.

Neue Impulse für den Kreis St. Wendel - das versprechen sich die Initiatoren des Netzwerks. Aber auch die Auswanderer sollen von der Verbindung mit der alten Heimat profitieren. Zum einen können sie sich untereinander austauschen, zum anderen bekommen sie Informationen von zuhaus. Ein regelmäßiger Newsletter aus dem St. Wendeler Land soll die Auswanderer auf dem Laufenden halten.

Weil zum Knüpfen neuer Kontakte nichts über das persönliche Gespräch geht, ist ein Treffen am Samstag, 9. Mai geplant. Von 70 der 120 angeschriebenen Exil-St.-Wendelern gab es eine Rückmeldung. 40 Auswanderer haben ihr Kommen bereits zugesagt. Sie erwartet ein Programm, das in der Tholeyer Abtei beginnt. Danach geht es an den Bostalsee und schließlich zu Europäischen Akademie in Otzenhausen. Jeweils sind auch Vorträge geplant. Neben den Auswanderern haben die Organisatoren auch mehr als 100 Unternehmer aus dem Kreis angeschrieben. Denn thematisch ging es um Wirtschaftsförderung und Kultur, so Alles. Bei diesem einmaligen Treffen soll es nicht bleiben, jährlich soll es solch eine Zusammenkunft geben. Dann auch gerne mit neuen Gesichtern. Denn das Netzwerk sucht weiterhin Kontakt zu Menschen, die aus dem Kreis St. Wendel stammen und in der Ferne erfolgreich sind.

Um das Projekt richtig ins Rollen zu bringen, wurde es an die Wendelinus-Stiftung angedockt. Auf deren Internetseite können sich Auswanderer melden. Außerdem stellt die Stiftung dem Rentner-Team eine Sachbearbeiterin zur Seite. Auch für die Stiftung könnte das Netzwerk positive Impulse bringen. "Wir haben uns verpflichtet, Gutes für das St. Wendeler Land zu tun. Vielleicht ergeben sich auch für uns neue Ideen. Oder die Auswanderer unterstützen bereits bestehende soziale Projekte", sagt Frank Schön, Vorstandsmitglied der Wendelinus-Stiftung.

Infos: Tel. (0 68 51) 1 54 27

www.wendelinusstiftung.de/netzwerk