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Sing City
„Ich empfinde mich eher als Komponist“

Rolf Zuckowski tritt beim Chor-Festival in St. Wendel zusammen mit dem Schulchor Rundadinella auf.
Rolf Zuckowski tritt beim Chor-Festival in St. Wendel zusammen mit dem Schulchor Rundadinella auf. FOTO: M. Gamper
St. Wendel. Rolf Zuckowski ist einer der Stars des saarländischen Chorfestivals „Sing City“ in St. Wendel. Von Melanie Mai

Um die 3000 Sänger werden beim saarländischen Chorfestival „Sing City“ am Samstag, 1. September, in St. Wendels Altstadt auftreten. Der wohl bekannteste ist Liedermacher Rolf Zuckowski. Im SZ-Gespräch erzählt er von Träumen, von Rolfs Freunden und von der Freude, ins Saarland zu kommen.


Die dringendste Frage vorweg: Geben Sie Ihren Gitarren wirklich Namen – und wieviele Gitarren haben Sie überhaupt?

Rolf Zuckowski: Eine meiner Gitarren hat einen Namen, sie heißt Tweety und war in den ersten Jahren als Sänger für Kinder meine ständige Begleiterin. Den Namen erhielt sie auf Anregung einer Grundschulklasse im niedersächsischen Tostedt. In meinem Lied ‚Zwei Gitarren und ein Mann’ nennt die sprechende Tweety meine kleine Oktavgitarre Sternchen. Meine weiteren fünf Gitarren haben – noch – keinen Namen.



Ich bin mit Ihren Liedern aufgewachsen, jetzt singt sie meine Tochter. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Lieder über Generationen allgegenwärtig sind?

Zuckowski: Das ist wohl der Glücksfall eines ,Liedermachers’. Ich setze das in Anführungszeichen, weil ich mich eher als einen Komponisten empfinde, der dankbar dafür ist, öfters die richtigen Worte gefunden zu haben, in denen sich kleine und große Leute mit ihren Erlebnissen, Wünschen und Träumen selbst wieder erkennen. Die Musik hatte aber im Laufe der Jahre wohl die entscheidende Kraft, denn ihretwegen werden die Lieder gesungen, aufgeführt und schlummern im Unterbewusstsein.

Ich erinnere mich noch genau, als ich „Du da im Radio“ das erste Mal im Fernsehen gehört habe. Damals nannten Sie sich „Rolf und seine Freunde“. Was ist aus den Freunden geworden.

Zuckowski: Die Freunde haben ihren eigenen Weg gefunden. Nicht alle in der Musikwelt, aber einige doch. Drei Beispiele: Niels von „Du da im Radio“ ist Anlagentechniker, macht aber privat leidenschaftlich gern Musik. Julian Maas, er sang „… und ganz doll mich“, schreibt Film- und Fernsehmusiken, bespielsweise für „Drei Tage in Quiberon“. Sandra Keck ist mit ihrer Kreativität, ihrem Gesangs- und Schauspieltalent eine der prägenden Persönlichkeiten des Hamburger Ohnsorg-Theaters geworden. Zu vielen der Freunde habe ich eine gute Beziehung aufrecht erhalten können, aber nicht alle sind mir heute noch nah, dazu waren es über die Jahre dann doch zu viele.

Sie haben „Nessaja“ für Peter Maffays Tabaluga geschrieben. In Anbetracht Ihrer Lieder die Frage: Wollen auch Sie nie erwachsen sein?

Zuckowski: Oh doch, denn als Kind wollte auch ich nicht immer tun, was die Großen gern wollten. Dass Kind sein etwas Wertvolles ist, wurde mir erst über die Jahre so richtig bewusst. Wer das Glück hat, auch als Erwachsener noch das Kind in sich zu spüren und ihm Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, der lebt mit einem Schatz im Herzen, der jung hält.

Auf Antrag der Kinder erhielten Sie die internationale Auszeichnung als „Kavalier des Ordens des Lächelns“. Damit sind Sie in illustrer Gesellschaft. Unter anderem Mutter Teresa, Astrid Lindgren und Steven Spielberg wurden damit ausgezeichnet. Was haben Sie mit diesen Menschen außer dieser Auszeichnung gemeinsam?

Zuckowski: Ich denke, sie alle haben sich nicht gescheut, ihr Herz zu öffnen, sei es in gemeinnützigen Tätigkeiten oder in berührenden Büchern und Filmen. Ich versuche es immer wieder mit meinen Liedern, seit 2004 auch mit meiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“.

Denkt man an Sie und Ihre Lieder, dann denkt man automatisch an Kinder. Wie hat sich die Arbeit mit Kindern in Ihrer Anfangszeit mit der heute verändert?

Zuckowski: Viele Kinder von heute leben in einer Welt voller Angebote, Anregungen und Ablenkungen. Man muss sich ihnen mit viel Zeit und aufrichtiger Aufmerksamkeit widmen, um gegen die vielen elektronischen Verführer Stand halten zu können. Andere Kinder leben mit Entbehrungen und stehen oft am Rande. Sie einzubeziehen, ist von großer Bedeutung für ihren Blick in eine lohnendes Leben. Bei beiden Gruppen gelingt das mit Musik auch heute noch unverändert gut, insbesondere wenn zum Singen eine Vielfalt von Aktivitäten hinzu kommt, wie Tanzen, Spielen, Sportlichkeit. Dafür sind eigentlich alle Kinder heute wie damals zu gewinnen.

Haben es die Kinder von heute schwerer als damals?

Zuckowski: Das muss man wohl sehr differenziert sehen. Viele Kinder hätten sich vor 30 bis 40 Jahren so viele Möglichkeiten gewünscht, Schönes und Spannendes zu erleben und so gutes Essen zu bekommen. Die Ablenkung vom Wesentlichen wird den Kindern ja selbst kaum bewusst. Ich denke eher, dass die Eltern von heute es schwerer haben, mit ihren Kindern eine innere Ruhe zu bewahren und sich nicht in all den zeitgeistigen Angeboten zu verzetteln. Auch sich im ständigen Vergleich mit den Möglichkeiten anderer entspannt einzuordnen, ist nicht gerade leichter geworden.

2010 gingen Sie auf Elb-Tournee mit 40 Chören. Damit haben Sie große Chorerfahrung. In St. Wendel kommen Sie zum Chorfestival. Was ist das Besondere am Singen im Chor?

Zuckowski: Ich beobachte immer wieder, wie die Gemeinschaft der singenden Kinder jedes einzelne Kind wachsen lässt und ihm gut tut. Es traut sich, in den Vordergrund zu treten und es kann sich einordnen. Der Wert des Zuhörens wird wahrgenommen, und die Freude am Erfolg gilt auch den anderen Kindern im Chor. Jede einzelne Kinderseele profitiert davon, die singende Gemeinschaft der Seelen zu spüren. Hinzu kommen die oft unvergesslichen Erlebnisse besonderer Auftritte und Reisen.

Machen Sie mal Lust auf Ihren Auftritt in St. Wendel: Was erwartet die Besucher?

Zuckowski: Der Schulchor Rundadinella hat mich im Rahmen meiner 40-Jahre-Jubiläumstour in Saarbrücken besonders begeistert. Es freut mich riesig, in St. Wendel noch einmal mit ihm singen zu können. Mit Michael Bernhardt habe ich ein Programm aus meinen beliebtesten Kinder- und Familienliedern zusammengestellt, die jeden vor der Bühne zum Mitsingen anregen werden.

Kennen Sie die Stadt, was verbinden Sie mit ihr und dem Saarland?

Zuckowski: St. Wendel ist mir bisher nicht bekannt. Aber eine Stadt, in der das Singen so groß geschrieben wird, muss ich unbedingt kennenlernen. Mit dem Saarland selbst bin ich sehr vertraut durch viele Konzerte und durch Besuche beim Saarländischen Rundfunk auf dem Halberg in Saarbrücken. Mit der großartigen Saarländerin Nicole verbinden mich legendäre Fernseh-Erlebnisse, beispielsweise bei der ZDF-Hitparade aus dem Jahr 1982, und viele freundschaftliche aber auch intensive Gespräch hinter der Bühne.

Sie haben vier Enkelkinder. Was haben Sie denen zum Einschlafen vorgesungen?

Zuckowski: Das ist die Rolle meiner Tochter Anuschka, die diese Tradition liebt und pflegt. Ich wünsche das jedem Kind, wie gut Mama oder Papa auch singen können.

2012 erklärten Sie Ihren Rückzug aus dem Showgeschäft. Dennoch treten Sie immer wieder zu besonderen Anlässen auf. Was gab den Ausschlag für St. Wendel?

Zuckowski: Die Anfrage aus der Redaktion von Susanne Wachs beim Saarländischen Rundfunk war schon sehr verlockend für mich. Seit ich kaum noch eigene Konzerte gebe, bringe ich mich umso lieber in Ereignisse ein, die für mich nach besonderer Freude und nach neuen Erfahrungen klingen. In diesem Sinne komme ich voller Erwartungen und mit großer Vorfreude nach St. Wendel.

Die Fragen stellte Melanie Mai.

Auch die jungen Sängerinnen des Kinder- und Jugendchors Freisen sind bei dem Festival mit von der Partie.
Auch die jungen Sängerinnen des Kinder- und Jugendchors Freisen sind bei dem Festival mit von der Partie. FOTO: Isolde Meuler