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SZ-Serie Geschichtsorte
Heimatfreunde gaben den Toten Namen

Urweiler. Arbeitsgruppe machte es sich zur Aufgabe herauszufinden, wer in der Zwangsarbeiter-Gedenkstätte in Urweiler begraben ist. Von red

Unter menschenunwürdigen Bedingungen waren sie in bewachten Lagern untergebracht, den Repressalien der Wächter ausgeliefert. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal. Tagsüber mussten sie zwölf und mehr Stunden schuften. Während des Zweiten Weltkrieges gab es im Deutschen Reich Millionen Zwangsarbeiter, unter anderem Verschleppte aus den besetzten Gebieten Mittel- und Osteuropas. Auch in St. Wendel gab es Zwangsarbeiter: im Reichsbahnausbesserungswerk, in Ziegeleien, in St. Wendeler Betrieben, zudem in Privathaushalten.


Von den in St. Wendel unter diesen Bedingungen Verstorbenen wurden 32 neben dem jüdischen Friedhof in Urweiler begraben. Die Stadt St. Wendel errichtete 1960 einen Gedenkstein mit einer Gusstafel, die an „32 russische Soldaten und Arbeiter, die fern der Heimat starben“, erinnert.

Die Heimatfreunde Urweiler hatten es sich im Frühjahr 2015 zur Aufgabe gemacht, diese Zwangsarbeitergedenkstätte näher zu untersuchen. Eine Arbeitsgruppe entstand, fand Namen, Todesdaten und Todesursachen der hier Begrabe-
nen heraus. „Unsere Recherchen ergaben, dass die Anzahl der hier begrabenen Toten zwar stimmt, es allerdings 28 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und vier aus Polen waren; 24 Männer, acht Frauen“, erläutert Franz Josef Marx, Vorsitzender der Heimatfreunde Urweiler.



Marx weiter: „Wir haben daher eine Informationstafel aufgestellt – die Kosten übernahmen anonyme Spender –, um den Toten einen Namen zu geben und über Zwangsarbeit sowie ihre Auswirkungen aufzuklären.“ Am 3. November 2016 wurde die Gedenkstätte eingesegnet, unter anderem durch einen russisch-orthodoxen Priester. Gast der Einsegnung war auch Vladimir Pyatin, stellvertretender Generalkonsul der Russischen Föderation.

Das ist aber nur ein Thema, dem sich die Heimatfreunde Urweiler angenommen haben. Eines von vielen. Gegründet wurde der Verein 2009. „Unser Ziel ist die Erforschung der Urweiler Geschichte und die Veröffentlichung von Beiträgen über die Urweiler Geschichte“, sagt Marx. So sind bereits acht heimatkundliche Hefte erschienen, das neunte kommt noch in diesem Jahr heraus. Doch auch Vorträge und Wanderungen stehen auf dem Programm, zudem beteiligen sich die Heimatfreunde am Bildungs-Netzwerk St. Wendeler Land, das außerschulische Lernorte mit Schulen und Kindergärten vernetzt. So sollen auch die jungen Generationen erreicht werden.

„Eine unserer Hauptaufgaben war 2010 die Entwicklung eines Urweiler Wappens“, sagt Marx. Denn der Ort verfügte über keins. Der Heraldiker Gerd Schmitt präsentierte vier Vorschläge, von denen einer angenommen wurde. Und der schmückt nun unter anderem die Ortseingänge. Alles dank der Heimatfreunde Urweiler. Die sich über alle, die mitmachen wollen, freuen.

Kontakt: Heimatfreunde Urweiler, Franz Josef Marx, Zum Langenacker 3,
66606 St. Wendel-Urweiler,
Tel. (0  68  51) 8  12  07,
E-Mail: mfj.urw@gmx.de.

Die Heimatfreunde Urweiler untersuchten die Zwangsarbeiter-Gedenkstätte.
Die Heimatfreunde Urweiler untersuchten die Zwangsarbeiter-Gedenkstätte. FOTO: Franz Josef Marx