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Geschichtsträchtige Orte
Hat das Quellwasser Heilkraft?

Bliesen. Viele Sagen ranken sich um den Augenborn, auch Varusquelle genannt, in Bliesen. Von red

„Was die Geschichtsschreiber nicht sicher und wahrheitsgemäß berichten können, weiß Frau Sage zu ergänzen, indem sie ihre Fäden spinnt über oft wunderliche Begebenheiten aus allen Zeiten, selbst aus unerforschter grauer Vorzeit“ – schreibt Klaus Jung in der zweiten Ausgabe des Heimatbuches des Landkreises St. Wendel 1949. Jung beschreibt in seinem Text den Augenborn, auch Varusquelle genannt, in Bliesen.


Ein sagenumwobener Ort. „Eine Legende berichtet von einem Kampf zwischen den einheimischen Kelten und Römern. Dabei wurde ein römischer Legionär am Auge verletzt, der sich dann ins Gebüsch schlug und auf eine Quelle stieß“, erzählt Hans Demuth,  Vorsitzender der Heimatfreunde Bliesen. Der Legionär kühlte seine Wunde. Einmal, zweimal, mehrmals. Und wie durch ein Wunder war das Augenleiden geheilt. Dies habe sich rasch unter den Legionären, aber auch unter den einheimischen Kelten herumgesprochen. Dem Wasser der Quelle wird daher seit Jahrhunderten im Volksglauben besondere Heilkraft bei Augenleiden nachgesagt.

Der Augenborn in Bliesen ist ein sagenumwobener Ort. Foto: Klaus Feidt
Der Augenborn in Bliesen ist ein sagenumwobener Ort. Foto: Klaus Feidt FOTO: Klaus Feidt


Seit wann – das ist ungewiss. Demuth: „1843 hat der St. Wendeler Apotheker Dr. Emil Riegel das Wasser der Quelle untersucht. Angeblich ist er von der Bevölkerung gefragt worden. Riegel war es auch, der die Quelle ‚Varusquelle‘ nannte. Diese Bezeichnung ist in Bliesen allerdings nicht gebräuchlich. Wegen der angeblichen heilenden Wirkung bei Augenleiden heißt sie bei uns seit Jahrhunderten Augenborn oder platt ‚Auborre‘.“ Riegel stellte fest, dass das Wasser leicht salzhaltig ist.

1961 haben Mitglieder der Bliesener Vereinsgemeinschaft die Quelle gefasst und das Umfeld mit Bruchsteinen neu gestaltet. Bis heute ist der Ort ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Schulklassen. Nicht selten erblicke man Besucher, mit Kanistern bewaffnet, die das Wasser abfüllen. „Ob das Quellwasser in Wirklichkeit irgendwelche Heilkraft besitzt“, schreibt Klaus Jung im Heimatbuch 1949, „mag dahingestellt bleiben, jedenfalls hält der Volksglaube daran fest“. Und daher ist der Augenborn ein bedeutender Geschichtsort in Bliesen.

Die Vergangenheit des Ortes erforscht der Verein für Heimatgeschichte Bliesen. Die Wurzeln des Vereins liegen in der „Interessengemeinschaft Bliesener Vereine“, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Innerhalb dieses Zusammenschlusses gründete sich eine Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde. Das Hauptaugenmerk liegt bis heute auf Publikationen, darunter Familienbücher oder Schulkalender. Zwischenzeitlich, 2002, wurde aus der Arbeitsgruppe ein eingetragener Verein, eben der Verein für Heimatgeschichte Bliesen.

Das umfangreiche Fotoarchiv des Vereins wird aktuell digitalisiert. „Wir versuchen, alle Fotos aus vergangenen Zeiten zu archivieren und hoffen, dass folgende Generationen daraus Nutzen ziehen“, erläutert Vereinsmitglied Klaus Feidt.

Seit Generationen nennt man die Einwohner Bliesens auch Steeßer –also Ferkelhändler. Demuth: „Das ist kein Schimpfwort, sondern erinnert an einen erfolgreichen Berufsstand. Über die Herkunft der Bezeichnung ‚Steeßer‘ gibt es allerdings verschiedene Theorien.“ Die der Verein für Heimatgeschichte Bliesen mit Sicherheit gerne erklärt.