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Geht's jetzt doch weiter?

St Wendel. Bei den Verantwortlichen der katholischen Privatschule in St. Wendel steht die Entscheidung fest: Die Steyler Missionare geben die 1899 eröffnete Schule auf. Damit wollen sich die Betroffenen nicht abfinden. Matthias Zimmermann

Eine Aktion zum Erhalt des Arnold-Janssen-Gymnasiums (AJG) folgt der nächsten. Schweißt Schüler, Eltern und Lehrer offensichtlich zusammen. Ob während einer Lichterprozession rund um die Basilika im Dezember (wir berichteten) oder wie am Mittwoch in Vatikanstadt. Dort versuchte eine Abordnung der katholischen Schule in St. Wendel , Papst Franziskus für ihr Anliegen zu erwärmen.

Schülersprecher Nicolas Klemm, Elternvertreterin Kerstin Massing sowie Lehrer Christoph Paul hatten um eine Audienz beim höchsten Dienstherrn aller Katholiken gebeten. Er solle sich stark machen, das 1899 als weiterbildende Schule eröffnete Haus zu erhalten.

Das Resultat der Gruppen-Fürsprache: Die AJG-Repräsentanten schöpfen wieder Hoffnung. Das meldet Klemm. Der 15-Jährige am Telefon nach der kurzen Begegnung mit dem kirchlichen Oberhirten auf dem Petersplatz: "Er hat zwei Minuten mit uns gesprochen." Der Argentinier spricht Deutsch, studierte auch in Deutschland. So brachten die Bittsteller ihr Anliegen ohne Dolmetscher an Franziskus. "Uns war zuvor schon klar, dass wir nur eine kurze Zeit mit ihm haben werden", berichtet der Zehntklässler. Darum habe die AJG-Gruppe ihren Wunsch zudem in einem Brief formuliert, den sie ihm während der Gruppenaudienz unter freiem Himmel überreichten. Währenddessen sei der Schülersprecher aus Eiweiler Wortführer gewesen. Während die Vertreter aus dem St. Wendeler Land mit dem Papst sprachen, habe ein Kardinal neben ihnen die Ohren gespitzt. Ein Österreicher, wie Klemm weiter sagt. "In Wien sind schon 19 Schulen ans Bistum übergegangen." Eine Stiftung habe dann die Trägerschaft übernommen. Warum sollte so etwas nicht auch in Deutschland funktionieren? Mit diesem Ansinnen wolle sich der Kardinal nun an Bischof Stephan Ackermann wenden, um auszuloten, ob dies nicht auch eine Perspektive zum Erhalt des AJG sei. Klemm: "Er will dem Bischof schreiben."

Hintergrund: Die bisherigen Verantwortlichen der privaten Schule, die Steyler Missionare in Nordrhein-Westfalen, wollen die Schule auslaufen lassen. So werden zu Beginn des kommenden Unterrichtsjahres keine Neuankömmlinge an den Start gehen. Sinkende Schülerzahlen und die die Kosten sind für die Pater, die einst auch die Schule gründeten, nicht mehr zukunftsweisend. Darum kündigten sie Anfang November das Ende auf Raten an. Die geplante Übernahme des Schulbetriebs durch einen Trägerverein war zuvor gescheitert (wir berichteten).

Dickes Bündel Post


Um den Willen der gesamten Schulgemeinschaft Nachdruck zu verleihen, hatte die jetzige Delegation am Dienstag - einen Tag vor der Papst-Audienz - laut dem Schülersprecher ein dickes Bündel Briefe bei der Poststelle des Vatikans abgeliefert. Darunter auch diverse Schulaufnahmen sowie eine eigens zusammengestellte Präsentationsmappe der Einrichtung. Das sei kurz nach Ankunft in Rom erledigt worden.

Die AJG-Vertreter waren Dienstag vom Flughafen Hahn/Hunsrück aufgebrochen und gegen 14 Uhr in der italienischen Hauptstadt gelandet. Bis sie mit Franziskus am Mittwoch reden konnten, mussten sie nach Angaben von Elternsprecherin Massing-Schwarz um die anderthalb Stunden warten. Um 10 Uhr, zum Beginn hatten sie sich demnach in die Menschenmasse eingereiht. Am Donnerstagmittag wollen sie den Heimflug antreten. Mit neu geschöpfter Zuversicht, doch noch ihr AJG retten zu können. > : Weiterer Bericht

In dieser Schule werden zurzeit noch mehr als 400 Schüler unterrichtet. 2000 waren es noch weit über 900. Repro: hgn/Foto: SM
In dieser Schule werden zurzeit noch mehr als 400 Schüler unterrichtet. 2000 waren es noch weit über 900. Repro: hgn/Foto: SM FOTO: SM