| 20:23 Uhr

Cinderella
Gäste auf Cinderellas Hochzeit

Durch Zufall ergab sich für die Komparsen aus dem St. Wendeler Land ein Gruppenbild mit den Darstellern, auch Sängerin Loona (hinten, Zweite von rechts) war dabei.
Durch Zufall ergab sich für die Komparsen aus dem St. Wendeler Land ein Gruppenbild mit den Darstellern, auch Sängerin Loona (hinten, Zweite von rechts) war dabei. FOTO: Melanie Mai
Saarbrücken. Kinder aus dem Landkreis St. Wendel standen bei Musical-Aufführung in Saarbrücken mit auf der Bühne. Sie durften hinter die Kulissen blicken.

Kein einziger Finger geht nach oben. Auf die Frage, wer nicht aufgeregt ist, kann keines der sieben Kinder, die alle eine schwarze Hose und ein weißes Shirt tragen, die Hand heben. In etwa einer Stunde beginnt die Aufführung des Musicals „Cinderella“ in der Saarbrücker Congresshalle. Und die fünf Mädels und zwei Jungs aus dem St. Wendeler Land und aus Baumholder stehen hinter der Bühne. Sarah Grendel passt ihnen gerade die Kostüme an. Die Jungs bekommen fesche blaue Umhänge und Hüte, sehen fast aus wie kleine Musketiere. Die Mädels werden zum Abschluss der Show in blauen Gewändern die Bühne betreten. Die Aufregung merkt man ihnen nicht an. Die jungen Komparsen wirken fast schon cool.


Genau wie Michael Ewig. Der Musical-Darsteller aus Freisen, der in „Cinderella“ die Taube spielt, gesteht allerdings: „So aufgeregt wie bei diesem Heimspiel im Saarland bin ich wohl bei keiner anderen Show.“ Schließlich kenne er die Kinder und deren Eltern, die im Publikum sitzen. „Das ist für mich schon etwas Besonderes. Viele kennen mich nur aus der Tanzschule, jetzt kann ich mit ihnen die andere Seite meines Lebens teilen.“ Die eines Musical-Darstellers.

Die Probe auf der Bühne in der noch leeren Congresshalle verläuft zügig. Ewig zeigt den Kindern auf lockere Art und Weise, wie sie die Bühne betreten, wo sie zu stehen haben. Die beiden Jungs dürfen die Schleppe tragen, zwei Mädels die Ringe, die anderen Mädchen streuen Blumen. Und einen kleinen Text dürfen alle ebenfalls sagen. Drei Durchgänge, und die Sache sitzt. Während die Kleinen gerade ihre Kostüme anprobieren, gibt es auf der Bühne ein „Meet and Greet“ mit erwachsenen Gästen. Das bedeutet auch für die Kinder eine besondere Gelegenheit: Sie treffen Cinderella und ihren Prinzen Fabian höchstpersönlich. Und dürfen sogar ein Gruppenfoto machen. Die Augen der Kinder werden groß, sie staunen, freuen sich. Mit dabei ist auch Loona. Die Sängerin, die in den 1990er-Jahren unter anderem den Hit „Hijo de la luna“ landete, spielt im Musical die Fee Jolanda. Sie freut sich besonders auf die in jeder der 42 Tour-Städte wechselnden Kinder-Komparsen. „Es ist schön, den jungen Leuten die Chance zu geben, so etwas zu erleben“, sagt sie.  So manches junge Talent könne so erfahren, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Und vielleicht sogar ein Star werden: „Das Musical zeigt ja schließlich, dass Träume wahr werden können.“



Luke Essig aus Furschweiler freut sich darauf, „mit Michael zusammen auf der Bühne zu stehen“. Der Fünfjährige kennt ihn aus der Tanzschule in St. Wendel. Amy Herbst aus Oberthal kennt die Aschenputtel-Filme und mag sie sehr. Für sie ist der Tag bisher schon ein Erlebnis: „Die Proben waren toll“, sagt die Neunjährige. Emilio Flohr aus Baumholder sieht der Show zwar aufgeregt, aber ohne Angst entgegen: „Ich lasse mich mal überraschen“, sagt der Sechsjährige, der den Hip-Hop-Kurs in Baumholder besucht.

16 Uhr, die Show beginnt. Die Kinder sitzen in den Reihen zehn und elf. Warten auf ihren Einsatz. In der Pause ziehen sie ihre Kostüme an. Hinter der Bühne ist lockere Stimmung. „Cinderella“ Christina Schulz läuft halb-angezogen an den Kindern vorbei, grüßt freundlich. Die bösen Stiefschwestern bleiben ebenfalls kurz stehen, plaudern. „Wir sind gar nicht so böse“, sagt eine von ihnen. Schnell dürfen die Jungs und Mädels noch die Perücken von Igel und Maus aufprobieren. Dann geht’s zurück zu den Plätzen.

Der Countdown läuft. Kurz vor Ende der Show kommt Mario, der die Kinder zu Beginn in der Congresshalle begrüßt und ihnen ihre Komparsen-Bändchen überreicht hat. Er bringt sie durch die Seitentür zur Bühne. Fast unbemerkt vom Publikum. Nun  steigt auch bei den zurückgelassenen Eltern die Nervosität.

Die Hochzeitsmusik ertönt.  Einmarsch für die jungen Komparsen. Alles klappt reibungslos. Und zum Schlussapplaus nehmen sich alle Darsteller und Kinder an den Händen, rennen nach vorne, verbeugen sich. Genießen den Applaus der etwa 700 Zuschauer. Und die kleinen Akteure glauben ganz fest daran, dass Träume wahr werden können.

Luke ist übrigens noch am Samstagmorgen vollkommen begeistert. Er will sein Komparsen-Bändchen gar nicht abnehmen. Ähnlich geht es Amy. Sie ist noch immer hin und weg von den Erlebnissen. Und Michael Ewig? Der ist zu diesem Zeitpunkt schon in Freiburg. Wo die nächste Show der Tour auf dem Programm steht. Und deutlich weniger aufgeregt als in Saarbrücken.

Darauf haben die Jungs und Mädels gewartet: die Hochzeitsszene zum Abschluss. Die jungen Komparsen standen so souverän auf der Bühne, als würden sie nie etwas anderes tun.
Darauf haben die Jungs und Mädels gewartet: die Hochzeitsszene zum Abschluss. Die jungen Komparsen standen so souverän auf der Bühne, als würden sie nie etwas anderes tun. FOTO: Melanie Mai
Michael Ewig aus Freisen probt mit den Kindern die Hochzeitsszene auf der Bühne in der Saarbrücker Congresshalle.
Michael Ewig aus Freisen probt mit den Kindern die Hochzeitsszene auf der Bühne in der Saarbrücker Congresshalle. FOTO: Melanie Mai
Emilio Flohr durfte die Freddys Perücke aufprobieren.
Emilio Flohr durfte die Freddys Perücke aufprobieren. FOTO: Melanie Mai
Sarah Grendel passt den Kindern die Kostüme an.
Sarah Grendel passt den Kindern die Kostüme an. FOTO: Melanie Mai