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Frauentag
Frauen leiden unter ungleicher Entlohnung

Noch immer ist es für viele Frauen schwer, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Dabei werden sie noch immer schlechter entlohnt, als ihre männlichen Kollegen.
Noch immer ist es für viele Frauen schwer, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Dabei werden sie noch immer schlechter entlohnt, als ihre männlichen Kollegen. FOTO: dpa / Jan Woitas
St. Wendel. Zum Frauentag melden sich Gewerkschafter zu Wort. Sie kritisieren die noch immer ungleiche Bezahlung der Frauen im Kreis St. Wendel.

Nach wie vor werden die meisten Teilzeit- und Minijobs im Kreis St. Wendel von Frauen gemacht. Das kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März. Laut einer Mitteilung der Gewerkschaft sind 73 Prozent dieser Jobs im Landkreis in Frauenhand. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegt der Frauenanteil bei den rund 8000 Teilzeitstellen im Kreis sogar bei 87 Prozent.


Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet, teilt Mark Baumeister mit, Geschäftsführer der NGG Saar. Er spricht von einer „Karrierefalle“. Die Kellnerin in Vollzeit sei die Ausnahme. Wer jedoch 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.

„Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Baumeister. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der so genannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent.



Frauen haben seit diesem Jahr einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, bemängelt Baumeister. Hier müsse die künftige Bundesregierung dringend nachbessern.

Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen im Kreis St. Wendel verschärfen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, sagt Mark Baumeister.

Seine Gewerkschaft verweist auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), in der von der „weibliche Rentenlücke“ die Rede ist. Diese Rentenlücke betrage in den alten Bundesländern immerhin 42 Prozent. So erhalte ein Rentner Bezüge von durchschnittlich 994 Euro im Monat, eine Rentnerin komme bei gleichem Anspruch aber lediglich auf 576 Euro. Baumeister findet: „Am Ende ist das auch für den Staat eine teure Sache.“

Darüber hinaus seien viele Frauen noch immer Diskriminierung ausgesetzt. „Zotige Sprüche an der Theke sind da noch das Geringste“, sagt Baumeister. In 80 Prozent aller Fälle von sexueller Belästigung von Frauen gehe die Gewalt von einem Mann aus. Dies habe die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer aktuellen Studie festgestellt.

Ein positives Zeichen sieht die NGG Saar darin, dass sich immer mehr Frauen gegen Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben zur Wehr setzen. Dabei könnten sie auf die Hilfe der Gewerkschaft zählen – per Rechtsschutz lasse sich etwa der übergriffige Kollege abmahnen.

Mit Blick auf das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts fordert Baumeister: „Nach der rechtlichen Gleichstellung muss auch eine vollständige Gleichbehandlung im Job kommen. Unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen darf es heute nicht mehr geben.“