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Forschen während andere faulenzen

Gespannt und konzentriert: Mentorin Sophia Naumann (links) hat das Experiment vorbereitet, Eva Schweig schüttet Essig ins Glas und Madeleine Scheidecker (rechts) schaut, was passiert. FOTO: B&K
Gespannt und konzentriert: Mentorin Sophia Naumann (links) hat das Experiment vorbereitet, Eva Schweig schüttet Essig ins Glas und Madeleine Scheidecker (rechts) schaut, was passiert. FOTO: B&K
St Wendel. Trotz Ferien in die Schule gehen – und das freiwillig. 75 Viertklässler und 24 Oberstufenschüler des Cusanus-Gymnasiums in St. Wendel haben genau das jetzt gemacht. Zwei Tage lang standen in der Schule die Forscher-Ferien auf dem Programm. In fünf Arbeitsgruppen ging es um naturwissenschaftliche Themen. Evelyn Schneider

Ein Papier-Flieger gleitet sanft durch die Luft und landet dann auf dem Boden der Aula. Weitere Flugobjekte folgen. Gestartet werden sie vom ersten Stock aus. Dort stehen einige Schüler und schauen gespannt, wie weit ihre Bastelkunst es schafft. Ansonsten ist es mucksmäuschenstill im St. Wendeler Cusanus-Gymnasium. Kein Wunder, immerhin sind Herbstferien. Und doch wird in fünf Sälen fleißig gewerkelt und experimentiert. Zum zweiten Mal hat die Schule Viertklässler aus dem gesamten Landkreis St. Wendel zu Forscher-Ferien geladen. An zwei Tagen stehen naturwissenschaftliche Themen auf dem Programm. In Gruppen erfahren die Kinder, wie das Auge funktioniert, wie ein Fernrohr gebaut wird, wie ein Roboter konzipiert ist, welche Rolle Chemie in der Küche spielt oder wieso Flugzeuge fliegen.



75 Viertklässler machen dieses Mal mit, im vergangenen Jahr waren es 45. "Da wir damals so vielen absagen mussten, haben wir unser Angebot erweitert", erklärt Schulleiter Martin Wagner. Mehr ginge aber nicht. Fünf Lehrer leiten die fünf Forschungsgruppen, hinzu kommen 24 Oberstufen-Schüler, die freiwillig in den Ferien in die Rolle von Mentoren schlüpfen. "Jeder Grundschüler nimmt an zwei Kursen teil, die durfte er sich vorher aussuchen", erläutert Wagner das Prozedere. Viele Viertklässler hätten mit dem Roboter-Kurs geliebäugelt. Doch nicht allen konnte dieser Wunsch erfüllt werden.

Der Traum vom Fliegen ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Ann-Catherine Pfaff hat sich mit ihren Nachwuchsforschern mit Auftrieb beschäftigt und jenen Aspekten, auf die es beim Fliegen ankommt. Größe der Tragfläche, gebogene Tragfläche - die Kinder haben Verschiedenes ausprobieren dürfen.

Dann geht's an das Basteln eines Segelflugzeugs. In Gruppen sitzen die Jungen und Mädchen an Tischen zusammen. Vor Leon Schneider liegt ein rechteckiges Stück feinsten Schaumstoffs. Das wird der Flügel des Flugzeugs. Mit dem Lineal misst er: "Es ist 30 Zentimeter lang." Mentorin Lea Rammacher hilft bei den einzelnen Bastelschritten. "Jetzt musst du die Mitte markieren." Leon greift zum Bleistift.

Einen Stock höher geht es im Labor um "Chemie in der Küche". In einem kleinen Backofen platziert Martin Wagner Muffin-Förmchen. Deren Inhalt wurde teils mit Backpulver präpariert, teils wurde das Mehl ohne die Zutat angerührt. In einigen Minuten werden die Viertklässler wissen, warum sich Backpulver in den meisten Kuchenrezepten findet. Die Nachwuchs-Forscher haben übrigens nicht einfach handelsübliches Backpulver benutzt, sondern es selbst gemischt: 6,5 Gramm Zitronensäure, 2,5 Gramm Speisestärke, 1,5 Gramm Kieselerde und 7,5 Gramm Natron.

Natron spielt auch bei dem nächsten Versuch eine Rolle. Mentorin Sophia Naumann gibt etwas von dem Pulver in ein Glas, darauf stellt sie ein Teelicht. Mit übergroßen Streichhölzern entzündet sie den Docht. Die Viertklässler Madeleine Scheidecker und Eva Schweig schauen erwartungsvoll zu. Dann greift Eva zu einem Reagenzglas mit Essig. Diesen schüttet sie in das Glas und siehe da: Die Flamme erlischt. Auf ihrem Forschungsbogen vermerkt sie als Versuchs-Beobachtung: Die Kerze wird gelöscht. "Das könnte ein McGyver-Trick sein", scherzt Wagner und spielt dabei auf den Helden der gleichnamigen Fernsehserie an, der sich stets mit Tüfteleien aus brenzlichen Situationen rettete.

Experimentieren , das liegt Eva Schweig: "Ich mache das gerne", verrät sie. Ihre Team-Kollegin Madeleine hat noch einen weiteren Grund für die Teilnahme an den Forscher-Tagen im Cusanus-Gymnasium: "Ich wollte die Schule mal kennen lernen. Wenn sie mir gefällt, gehe ich vielleicht hierher." Oberstufen-Schülerin Sophia Naumann bereitet derweil den nächsten Versuch vor.

Bei Grundschülern das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken, das ist die Idee, die hinter den Forscher-Ferien steckt. Als eine von fünf MINT-Schulen (siehe Infobox) im Saarland ist das Fördern in Sachen Chemie , Physik oder Biologie verpflichtend, auch Kooperationen mit anderen Schulen sind in dem Netzwerk gewünscht.

Zum Thema:

Auf einen Blick MINT-EC ist das nationale Excellence-Netzwerk von Schulen mit ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Fünf Schulen im Saarland gehören diesem Netzwerk an, darunter das Cusanus-Gymnasium. Insgesamt sind es 266 Schulen. Deren Schüler profitieren von einem Veranstaltungs- und Förderangebot. Mit dem Abitur kann ein so genanntes MINT-Zertifikat verliehen werden. "Das wird inzwischen auch bei der Vergabe von Stipendien berücksichtigt", erklärt Martin Wagner, Schulleiter am St. Wendeler Cusanus-Gymnasium. Zwei bis fünf Schüler pro Abitur-Jahrgang erhielten dieses Zertifikat. Für dieses müsse Einiges geleistet werden. Neben guten Noten in allen naturwissenschaftlichen Fächern zähle auch Engagement. Die Schüler , die sich freiwillig bei den Forscher-Tagen engagieren, könnten dafür Punkte gutgeschrieben bekommen. evy

Alles Nachwuchsforscher, ihre Lehrer und Mentoren. Foto: Martin Wagner
Alles Nachwuchsforscher, ihre Lehrer und Mentoren. Foto: Martin Wagner FOTO: Martin Wagner