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Umweltschutz
Fördertopf gemeinsam angezapft

Der Betzelbach an der Betzelbacher Mühle soll renaturiert werden. Das alte Wehr soll weg.
Der Betzelbach an der Betzelbacher Mühle soll renaturiert werden. Das alte Wehr soll weg. FOTO: B&K / Bonenberger/
St. Wendel. Wasser macht an Gemeindegrenzen nicht halt: Freisen, Ottweiler, St. Wendel und die Ökoflächen-Management GmbH arbeiten daher beim Gewässerschutz zusammen. Von Thorsten Grim

Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Das erwartet die saarländische Landesregierung in Zeiten kommunaler Haushaltskonsolidierung von den Rathauschefs. Von daher können die beiden Projekte zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, bei denen St. Wendel nun einerseits mit der Stadt Ottweiler und andererseits mit Freisen kooperiert, durchaus als beispielhaft gelten. Mit im Boot ist bei beiden Vorhaben die Naturland Ökoflächen-Management (ÖFM) GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Naturlandstiftung Saar.


Die ÖFM wurde 1998 gegründet. Ihr Portfolio beinhaltet unter anderem, Flächen von geringer ökologischer Bedeutung aufzuwerten und Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erschaffen beziehungsweise wieder herzustellen. Dazu zählt, Bächen und Flüssen wieder in ein naturnahes Bett zu verhelfen. Genau das soll einerseits an Bleich- und Betzelbach bei Leitersweiler und andererseits in Richtung Ottweiler am Grechbach und dem Niederlinxweiler Sulzbach geschehen.

Zunächst werden laut ÖFM der Ist-Zustand und die erforderlichen Maßnahmen zur Renaturierung der Gewässer erfasst. Das kostet Geld, weshalb Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) dem St. Wendeler Rathaus jüngst einen Besuch abstattete. Zugegen waren neben Hausherr Peter Klär (CDU) Ottweilers Rathauschef Holger Schäfer (CDU) sowie Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD). Auch Eberhard Veith, Geschäftsführer der Naturlandstiftung, war gekommen, um für die ÖFM von Umweltminister Jost zwei symbolische Schecks in Empfang zu nehmen. Für die Maßnahme zwischen Niederlinxweiler und Ottweiler gab es 10 000 Euro, 14 000 flossen für den Gewässerabschnitt nahe Leitersweiler.



„Das hier ist erst der Anfang“, sagte Veith bei der Scheckübergabe. „Jetzt werden die Maßnahmen festgeschrieben, die umgesetzt werden sollen.“ Der Geschäftsführer der Naturlandstiftung sprach von zwei „recht großen Bachbereichen“ mit einer Gesamtlänge von rund 13 Kilometern, die unter die Lupe und anschließend unter die Schaufel genommen werden. Veith geht davon aus, dass es im Frühjahr mit der Umsetzung der Maßnahmen losgeht. Die Kosten dafür werden sich nach seinen Schätzungen im sechsstelligen Bereich bewegen. Gegen Ende des Jahres sollen dann die Gewässer wieder ein Stück weit natürlicher fließen – und frei von baulichen Hindernissen.

Solch ein Hindernis findet sich beispielsweise an der alten Mühle bei Leitersweiler im Bereich Bleichbach/Betzelbach. Hier bewirkte in früheren Zeiten ein Wehr, dass immer genügend Wasser floss, um das Mühlenrad zu drehen. Heute ist die Mühle längst stillgelegt. Doch das Wehr steht noch immer und verwehrt Tieren, die in dem Fließgewässer leben, bachaufwärts zu wandern. Dieses Wehr soll weg. Ebenso Abstürze und Durchlaufhindernisse, wie sie beispielsweise Rohre darstellen. „Wo das Wasser aus dem Rohr strömt entsteht im Bachbett eine sogenannte Auskolkung“, erklärt dazu ÖFM-Projektmanager Jürgen Kautenburger. Dort wird also Erde weggespült. Ähnliches geschehe hinter Abstürzen. „Für Fische heißt das, sie kommen nicht durch.“

Doch nicht nur in den Bächen selbst werde etwas getan. Es sollen zudem Grundstücke angekauft werden, durch die die Bäche hindurch fließen. An geeigneten Stellen entlang des Gewässerrandes werden dann Erlen gepflanzt. „Alte Bäume fallen irgendwann ins Wasser und an den Uferböschungen entstehen Ausspülungen“, erklärt Kautenburger, „man lässt dem Gewässer Raum, um sich auszudehnen und letztlich kommt es dadurch zur typischen Schleifenbildung.“ Schleifen bewirken, dass mehr Wasser im Bach oder Fluss gehalten wird – gerade angesichts der aktuellen Hochwasserlage durchaus ein wichtiger Aspekt. Bis sich solche Schleifen bilden, dauere jedoch 20 Jahre und mehr.

Schneller geht es, wenn in eine gerade Gewässerstrecke ein sogenannter Raubaum eingebracht wird. Am Ufer verankert, ist er eine kostengünstige und effiziente Maßnahme, um ein Fließgewässer schnell  strukturell zu verbessern. „Dafür werden in der Regel Fichten genommen“, berichtet ÖFM-Projektleiter Kautenburger.

„Froh“, ist St. Wendels Bürgermeister Klär, dass diese Maßnahmen zu hundert Prozent von externer Seite finanziert werde. „Das hat man selten.“ Es sei das erste Mal, dass sich St. Wendel in diesem Bereich an einem interkommunalen Projekt beteiligt. „Aber Wasser kennt ja auch keine Grenzen.“ Nun gelte es, Erfahrungen zu sammeln für zukünftige Projekte, denn die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie betreffe ja weitaus mehr Gewässer. Etwa die Blies und die Oster. „Wir sind jedenfalls froh, dass es in St. Wendel in Sachen Umweltschutz weiter vorangeht.“

Das konnte Ottweilers Bürgermeister Holger Schäfer eins zu eins übernehmen. „Wir stehen voll hinter diesem Projekt.“ In diesem Zusammenhang verlieh Schäfer der Hoffnung Ausdruck, dass künftig weitere interkommunale Projekte in diesem Bereich mit St. Wendel zustande kommen. Gerade bei der Umsetzung der Richtlinie an der Blies. „Da können wir gerne etwas zusammen machen. Auch hinsichtlich des Hochwasserschutzes.“

Freisens Bürgermeister Scheer sprach von einem Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit, „wie es schöner nicht sein könnte“. Die Umwelt und deren Schutz hätten einen hohen Stellenwert, doch Naturschutzmaßnahmen umzusetzen koste gemeinhin Geld. Daher sei es eine tolle Sache, dass das Umweltministerium die Maßnahme finanziere.

Umweltminister Jost sagte, dass es mit Blick auf die finanzielle Resourcen-Knappheit der Kommunen durchaus sinnvoll sei, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. Zum einen, weil dadurch höhere Zuschüsse fließen würden. Zum anderen, weil „dadurch bei uns ein Mittelabfluss generiert werden kann“. Das Saarland sei zwar „bettelarm“, ungeachtet dessen geben es jedoch verschiedene Töpfe mit Fördermitteln, „die angezapft werden müssen“. Etwa die zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.