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Fließt erneut Fördergeld in die Region?

St Wendel. Die Bewerbungsmappe ist fertig. 140 Seiten stark. Voller Ideen. Der Titel: St. Wendeler Land 2020, lokale Entwicklungsstrategie für die Leader-Förderperiode 2014 bis 2020. Bis 15. Januar muss die Bewerbung im Umweltministerium abgegeben sein. Dann entscheidet sich, ob Fördergeld in Höhe von zwei Millionen Euro ins St. Wendeler Land fließt. Volker Fuchs

Hugo Kern vom Illinger Unternehmen Kernplan spricht den Menschen im St. Wendeler Land ein dickes Lob aus: "Die Region hat ein extrem kreatives Potenzial. Viele Vereine, Träger und Bürger haben konkrete Projekte vorgeschlagen und sich bereit erklärt mitzumachen." Hugo Kern spricht damit die Beteiligung der Bürger bei der Erarbeitung der neuen Entwicklungsstrategie für das St. Wendeler Land an. Die muss bis Mitte Januar dem Umweltministerium vorliegen. Das Konzept der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani) ist Grundlage der Entscheidung darüber, ob die Region erneut mit Mitteln der Europäischen Union aus dem Leader-Topf gefördert wird. Es geht um zwei Millionen Euro .

Schon zwei Mal hat die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land als so genannte lokale Aktionsgruppe von diesem EU-Förderprogramm zur Stärkung des ländlichen Raumes profitiert. 4,6 Millionen Euro sind an öffentlicher Förderung geflossen. Ging es in der ersten Förderperiode um den Aufbau des Lokalwarenmarktes mit zahlreichen Partnerbetrieben und Kulturprojekten unter dem Motto "St. Wendeler Land steinreich", so weitete sich die Arbeit in der zweiten Förderperiode von 2007 bis jetzt auf vier Felder aus: Vermarktungs-, Energie-, Kultur- und Bildungsprogramm.

Diese vier Programme sollen in dem neuen Zeitraum bis 2020 auch mit Blick auf den neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald weiterentwickelt werden. Unter Beteiligung möglichst vieler Menschen. Deshalb gab es vier Workshops, konnten Bürger ihre Ideen auch schriftlich einreichen. Die Resonanz war gut. An den vier Workshops haben 130 Bürger teilgenommen, etwa 90 Projektideen haben sie diskutiert. Über die Online-Ideenbörse haben 22 Teilnehmer 35 weitere Ideen eingebracht. Das Büro Kernplan hat aus diesen Vorschlägen in Zusammenarbeit mit dem Führungsteam der Kulturlandschaftsinitiative die lokale Entwicklungsstrategie bis 2020 ausgearbeitet. 140 Seiten sind zusammengekommen.

Bildung gewinnt an Bedeutung


Es bleibt auch künftig bei den vier Schwerpunkten. Denn: "Die Kontinuität in der Entwicklungsstrategie ist wichtig", unterstreicht Hugo Kern. In jedem Themenfeld soll zumindest ein Leitprojekt verwirklicht werden. Beim Kulturprogramm gewinnt die Bosener Mühle als Kulturfenster der Region an Bedeutung. Unter anderem soll es hier regelmäßig Veranstaltungen geben. Den Ausbau des Keltenparkes und des Nationalparktores in Otzenhausen will die Kulani als zweites Leitprojekt unterstützen. Im Energieprogramm wollen die Verantwortlichen die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen, unter anderem Hausbesitzer über Energieeinsparung informieren. Beim Vermarktungsprogramm Lokalwarenmarkt geht es darum, eine Organisationsstruktur zu schaffen, damit die zahlreichen Partnerbetriebe 2020 ohne Kulani-Unterstützung selbstständig weiterarbeiten können. "Es geht um die Verselbstständigung der Lokalwarenmarkt-Betriebe", sagt Werner Feldkamp, Vorsitzender der Kulani.

Weiter an Bedeutung gewinnen wird nach Ansicht von Feldkamp und seinem Team das Bildungsprogramm. Ziel ist es, die heimische Bevölkerung für den ländlichen Raum und seine Stärken zu begeistern. Bewusstseinsbildung also. "Wer nachhaltig arbeiten will, der muss über das Bildungssystem die nachwachsende Generation erreichen", ist sich Thomas Gebel, stellvertretender Vorsitzender der Kulani sicher. Ein Baustein dabei ist der Ausbau der so genannten außerschulischen Lernorte, wie Bauernhöfe, Betriebe, Museen und Sehenswürdigkeiten. In jedem dieser Programme finden sich auch Ideen und Vorschläge zum Nationalpark. Der künftige Park wird so zu einer Querschnittsaufgabe. Werner Feldkamp betont: "Wir haben ein Konzept für das St. Wendeler Land gemacht mit Blick auf den Nationalpark." Ein Konzept, das trotz der vielen Vorschläge offen ist für weitere Ideen. Das betont Feldkamp ausdrücklich: "Wir wollen unsere Dynamik beibehalten."

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HintergrundDie vier verschiedenen Handlungsfelder des Entwicklungskonzeptes der Kulturlandschaftsinitiative: Vermarktungsprogramm: Mehr als 40 Partnerbetriebe verkaufen mittlerweile regionale Produkte. Am bekanntesten dabei ist der Hofladen auf dem Wendelinushof. Aber auch in verschiedenen anderen Geschäften gibt es regionale Verkaufsecken.Energieprogramm: Schwerpunkt hier war in der jüngsten Förderperiode die Öffentlichkeitsarbeit . Kulturprogramm: Zahlreiche Historiker und Heimatforscher haben bei der Entwicklung eines kulturellen Leitbildes mitgearbeitet. Die 2500-jährige Geschichte des St. Wendeler Landes wurde in Seminaren und Vorträgen dargestellt. Auch hier hat die Kulani Partnerprojekte gefördert, unter anderem die Inventur der Kleindenkmäler, die Orte gegen das Vergessen oder die Archäologietage in Otzenhausen . Bildungsprogramm: In Kindergärten und Schulen der Region stehen dicke Ordner mit vielen Informationen über interessante Orte, die sich für einen Besuch anbieten. Vom Bauernhof über ein Museum bis zu einem Handwerksbetrieb. Diese außerschulischen Lernorte eignen sich bestens für die moderne Heimatkunde. Der Aufbau des so genannten Bildungsnetzwerkes St. Wendeler Land war hier ein Schwerpunkt. vf